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Die Welt · 1899-10-27 · 43 (27.10.1899) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
43 (27.10.1899)
Article
Zur Cypernfrage
Date
1899-10-27
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 43 „Die--& Welt“ Seite 13 Antrag zu stellen. Ich begründete dies mit der im Talmud geänderten Ansicht, welche Cypern als zu Palästina gehörig requiriert, worauf mir die Antwort ertheilt wurde: „Wenn Sie als Chassid das behaupten, so habe ich nichts dagegen. Auch ich würde darin eine wertvolle Acquisition erblicken. Doch hat Herr Triesch, der in den Vorconferenzen dabei auf Widerspruch gestossen hat, sich darüber bereits zum Worte gemeldet, da werden Sie ebenfalls Gelegenheit haben, darüber zu sprechen,“ Diese Gelegenheit kam nicht, da Herr Tri et sch niedergeschrien wurde, zum grossen Missvergnügen aller Einsichtigen, darunter Professor Mandelstamm, Doctor Awinowicki u. a. Es liegt keineswegs in meiner Absicht, über meinen Frankfurter Vortrag einen Bericht zu erstatten. Gebrigens geht aus den citierten Ausführungen des Herrn Rosen heim jr., die freilich fälschlich als gegen den Vorsitzenden und nicht gegen meinen Vortrag gerichtet hingestellt werden, deutlich hervor, dass ich für den Anschluss an die Bewegung plaidiert und jedes Bedenken wegen Verschiedenheit der Anschauungen zu zerstreuen bemüht war. Herr Rosen heim, der, soweit mir ein Urtheil darüber zusteht, nicht nur als glänzender Redner, sondern durch seine tiefe philosophische und wissenschaftliche Bildung meiner Ansicht nach die bedeutendste Persönlichkeit unter der westlichen Orthodoxie repräsentiert, erklärte mir, dass trotz seiner ablehnenden Haltung die Rede des russischen Studenten Bernstein, die in diesem famosen Berichte gar nicht erwähnt ist, einen tiefen, nachhaltigen Eindruck auf ihn gemacht habe, durch den Ernst der mit dem Herzblut gesprochenen Worte, die geeignet waren, ihm eine neue Vorstellung von der wirklichen Triebkraft dieser Bewegung zu gewähren. Hochachtungsvoll Ahron Markus. Allerlei Nachrichten. Philipp Stanhope, ' einer der wenigen englischen Boerenfreunde, behauptet, dass die eigentlichen Anstifter zum gegenwärtigen Kriege die jüdischen Millionäre Londons seien. Der Correspondent der „Times“ im Transvaal hingegen berichtet seinem Blatte, Krügers einzige Reformidee sei, den „nutzlosen“ russischen Juden das Bürgerrecht zu geben. Wer hat nun Recht? * Unter den für den laufenden Winter im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur“ in Berlin vorgesehenen Vorträgen befindet sich auch einer des Herrn Baurath Wilhelm S t i a s s n y aus Wien über Synagogenbauten. * Der Kaiser geruhte, dem Redacteur der jüdischen „Drohobyczer Zeitung“, Herrn A. H. Z u p n i k, anlässlich des ahi 18. August 1. J. in seinem Blatte veröffentlichten loyalen Artikels den allerhöchsten Dank auszusprechen. ' - * Anlässlich der D r e y fu s - Affaire erinnert der amerikanische Schriftsteller James Morris -Morgan im Septemberheft des „Century Magazin“ an die Schicksale des jüdischen Commodore Uriah Ph. Levy, geboren 1792 von portugiesischen Eltern in Philadelphia und gestorben 1862 zu New-York. Levy stand sechsmal vor dem Kriegsgericht immer unter Anklagen, die bloss ein Vorwand für den Wunsch seiner Kameraden waren, den jüdischen Officier los zu werden. Er wurde 1855 von seiner Oberbehörde, ohne Verhör und ohne Angabe von Gründen aus der Liste der Marine gestrichen, aber vom Präsidenten wieder eingesetzt. Seine ganze (Karriere war eine Kette von Verfolgungen. ❖ Die bekannte amerikanische illustrierte Wochenschrift „Harpers Weekly“ brachte in einer ihrer letzten Nummern einen lesenswerten Artikel über die Juden im New-Yorker Ghetto. Als . Illustration war ein Gottesdienst am Rosch-Haschono und Sabbath-T’schuwa beigegeben, die Beter mit Talith und — Tefillin. — Derartiges kommt hei nichtjüdischen Blättern häufig vor. So zum Beispiel war letzthin im Feuilleton eines New - Yorker Blattes von einem alten Juden zu lesen, der eine Gebetcravatte trägt, die ihm seine jugendliche Braut eigenhändig gestri ckt hatte. Einer der hervorragendsten Juden Amerikas, Cyrus .Adler in Washington, richtet unterm 24. September folgendes Schreiben an die Redaction des „American Hvbrew“ : „Mit Bezug auf die Discussion über die (Kolonisation Palästinas am 3. Baseler Congress, möchte ich hierdurch ernstlich davor warnen, im gegenwärtigen Momente weitere Juden nach Palästina zu schicken. Ich erfahre aus unzweifelhafter Quelle, dass das Elend, namentlich unter den Neuangekommenen geradezu erschreckend ist. Die Schritte der türkischen Regierung, welcne sich gegen eine weitere Colonisation richten und die Steuern und sonstigen Massregeln, weiche die Einwanderung betreffen, sind zweifelsohne i m Interesse der in Palästina ansässigen J ad en selbst. Die türkische Regierung hegt kein Vorurtheil gegen die Juden als solche, aber sie hat gegen zwei Uebel zu kämpfen: gegen ein mögliches weiteres Anwachsen der Fanatiker und mehr noch, gegen ein weiteres Anwachsen des schrecklichen Elends der Armut und der Hungersnoth, die unter den Juden herrschen. Es ist die höchste Zeit diesem Uebel Halt zu gebieten und eine weitere Uebervölkerung der heiligen Stach zu verhindern. Weitere Bemerkungen dazu überlasse Ihnen." Zeitschriftenrundschau. „Dreyfus ist der Galilei des neunzehnten Jahrhunderts, und durch ihn und seinen Fall hat die (kirchliche) Autorität die Welt in einer entscheidenden Frage der Sittlichkeit irregeführt. Das Resultat wird wahrscheinlich darin bestehen, dass Millionen Katholiken sich von der Kirche lossagen werden.“ Dieses Verdict fällt Mr. St. George Mivart, einer der bestbekannten Katholiken Englands, in einem langen, an die „Times“ gerichteten Schreiben über die Haltung Roms in der Dreyfussache. Mivarts Brief gibt den „Times“ Anlass zu einem Leitartikel, der zu denselben Schlüssen gelangt, in denen das Schreiben gipfelt. Die Curialisten, die den Papst beherrschen und die als römische Congregation bekannt sind, werden von einem Geiste des Opportunismus geleitet, der den religiösen Idealen gefährlich ist. Die Dreyfus-Affaire hat nicht nur die im französischen Heere herrschende (Korruption aufgedeckt, sondern auch die bedenklichen Seiten der politischen Rolle, die von Rom gespielt wird. Bücherwelt. Rom und Jerusalem. Vorwort von D r. B o d e n h e i m e r. Zur Neuausgabe des Hess’schen Werkes.*) Lang vor dem Untergang seines nationalen Staates ertönte Jahrhunderte hindurch die warnende Stimme begeisterter Propheten dem jüdischen Volk. In göttlichen Visionen, die sie in eine wuchtige dichterische Sprache hüllten, sahen sie die Geschichte des Volkes Israel sich entfalten. Nichts in der Literatur aller Völker gleicht an dämonischer Grossartigkeit und poetischer Schönheit den Reden, in denen sie dem Volke den Weg zur Rettung, zur Wahrheit wiesen. Was ist es aber, das uns mit noch grösserer Gewalt beim Lesen dieser Dichtungen eines Jesaia und Jeremia erschüttert, das immer und immer wieder uns in tiefster *)MosesHess: Rom und Jerusalem. E. W. Verlag Kaufmann. Leipzig.

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