Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 43 (27.10.1899)
- Article
- Gegen die Einwanderung der Juden
- Date
- 1899-10-27
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 „Die H Welt“ Seite 11 die Macht der in seinem Besitze befindlichen, durch und durch eormpten Presse stets die öffentliche Meinung zu verfälschen sucht und immer nur bedacht ist, zum Schaden der christlichen Bevölkerung die Interessen des Judenthums zu fördern; in schliesslicherErwägung, dass wir ohnehin schon genügend Juden in Oesterreich besitzen, stellen die gefertigten Abgeordneten den Antrag, das hohe Haus wolle beschliessen : Die hohe Regierung wird aufgefordert, unverzüglich einen Gesetzentwurf einzubringen, durchweichen die Einwanderung ausländischer Juden nach Oesterreich auf das Strengste verboten wird. Dieser Antrag ist einem aus dem ganzen Hause zu wählenden 24-gliedrigen, nur aus Ariern bestehenden Ausschüsse zuzuweisen.“ Ein antisemitiscjier Traum in Frankreich. Aus Paris wird berichtet: Unter den confiscierten Acten des Complots haben namentlich zwei sehr schöne Federzeichnungen die Aufmerksamkeit desUntersuchungs-Ausschusses auf sich gelenkt. Die eine stellt den Einzug des Herzogs von Orleans, hoch zu Rosse, durch die Champs-Elysees, inmitten des jubelnden Volkes, die andere die V e rtreibung der Juden aus Paris durch den König dar. Beide Zeichnungen wurden bei einem angeklagten Antisemiten gefunden. Etwas Judenstatistik. Nach den neuesten Zählungen der jüdischen Statistiker Dr. Cyrus Adler in Washington und Friedensrichter Sulzberger in Philadelphia verthei.lt sich die jüdische Einwohnerschaft der nordamerikanischen Union auf die einzelnen Bundesstaaten wie folgt: Alabama 6000, Arizona. 2000, Arkansas 4000, (Kalifornien 35.000, C o 1 o r a d o 10.500, Connecticut 6000, Columbia 3500. Dakota 3500, Delaware 3000, Florida 2500, Georgia 7000, Idaho 2000, Illinois 05.000, Indiana 25.000, Jowa 50.000, Kansas 3500, Kentucky 12.500, Louisiana 20.000, Maine 5000, Maryland 35.000, Massachussetts 20.000, Michigan 9000, Mississippi 5000, Missouri 35.000, Montana 2500, Nebraska 2000, Nevada 2500, New-Hampshire 1000, New-J ersey 25.000, New -Y ork 400.000, Nord- Carolina 12.000, Ohio 50.000, Oregon 6000, Pen nsylvanien 95.000, R h o d e-I s 1 a n d 3500, Süd - C arolina 8000, Tennessee 15.000, Utah 15.000, Vermont 18.000, Virginien 18.000, Washington 2800, West -Virgin ien 6000, Wisconsin 10.000, Wyoming 1000. Summe 1,043.800. Die Zählungen, die dieser Statistik zur Grundlage dienen, sind, wie gesagt, von Privatleuten vorgenommen worden, und deren Richtigkeit wird daher von anderer Seite bestritten. So wollen manche Statistiker wissen, dass es in Massachussetts weit mehr als 20.000 Juden gebe, da die Stadt Boston allein mehr als 20.000 jüdische Einwohner zähle. Ebenso ungenau sollen die auf die Bundesstaaten Illinois und Pennsylvanien bezughabenden Zahlen sein. Der Pharao des Exodus. In der jüngst in Budapest stattgehabten Sitzung der zweiten Classe der ungarischen Akademie der Wissenschaften hielt der Aegyptologe DocentDr. Eduard Mahler als Gast einen Vortrag, in dem er sich mit der Feststellung der Identität jenes Pharao befasste, unter dessen Regierung der Auszug der Juden aus Aegypten erfolgt ist. Die frühere Annahme der Gelehrten gieng dahin, dass jener König Pharao mit dem König M erneptak identisch gewesen sei. Es wurde jedoch vor einigen Jahren in Aegypten eine beschriebene Gedenksäule aus der Zeit M e rn e p t a k s entdeckt, auf welcher unter anderen asiatischen Völkern auch das Volk Israels erwähnt wird. Folglich waren die Juden zur Zeit Mein eptaks längst nicht mehr in Aegypten. An der Hand wissenschaftlicher, chronologischer und auch meteorologischer Daten suchte der Vortragende nachzuweisen, dass der Exodus der Juden am 27. März 1335 v. Chr., dem 15. Nissan, erfolgt sei, an einem Donnerstag nach dem Julianischen Kalender. Damals aber herrschte als Pharao R h a in s e s II., dessen Regierungszeit von 1347—1280 v. Chr. dauerte. Purim-Brot. Drumont geht auf Entdeckungen im jüdischen Rituale aus. In einem Artikel über die Blutbeschuldigung lenkt er die Aufmerksamkeit antisemitischer Forscher auf das Purim-Brot, zu welchem das Blut einer christlichen Jungfrau verwendet werde. Erdbeben in Aidin. Der „Jevvish World“ veröffentlicht ein von Mr. Valadji, Hauptlehrer an der Schule der Alliance Israölite in Aidin (Kleinasien), an die Anglo JewLh Association gerichtetes Schreiben. In diesem wird über ein furchtbares Erdbeben berichtet, das im Mäanderthaie von Aidin bis Denizli entsetzliche Verheerungen anrichtete. Viele Juden büssten bei der Katastrophe ihr Leben ein. Das Aidin er Judenviertel wurde gänzlich zerstört und die früher blühende Gemeinde ist dem Elende preisgegeben. Der Lord-Mayor von London hat eine Sammlung für die Flüchtlinge aus dem Transvaal veranstaltet. Tn der Liste der Contribuenten figurieren Juden mit bedeutenden Beiträgen, so die Herren S. Neumann & Co. und Barnato Bros, mit zusammen 10.000 Pfund Sterling, Wernher, Beit, & Co. mit 5000 Pfund Sterling, N. M. Rothschild & Sons mit 2000 Pfund Sterling, Mosenthal und Hirsch mit je 1000 Pfund Sterling. In der achten Section des Orientalisten-Congresses hielt Dr. G a s t e r eine Vorlesung über die Geschichte der alphabetischen Zeichen lind erntete den lebhaftesten Beifall seiner Fachgenossen. Im Oranje-Freistaat haben, nach amerikanischen Berichten, die Juden sich freiwillig erboten, 200 Mann für den Kriegsfall auszurüsten. Da nach Mr. Stanhope, dem vom Antisemitismus angekränkelten Mitglieds des englischen Unterhauses, der Krieg gewissen jüdischen Minenbesitzern und Capital isten zuliebe geführt wird, so wird durch die patriotische Haltung der Juden der Oranje-Republik das Märchen von der jüdischen Solidarität wieder einmal glänzend illustriert. Der Johannesburger Correspondent des „Manchester Guardiannennt, unter dem in unverkennbarer Absicht gezollten Beifalle der „Catholic Times", Johannesburg eine J udenstadt. Zum Beweise führt er an, dass unter den Männern, denen die Leitung der städtischen Angelegenheiten anvertraut ist, sich 68 C o w e n s, gegen 24 Jone s’ und 53 B r o w n s befinden. Der „Jewish World" bemerkt zu diesem statistischen Argument, dass Mr. Josef Co wen, der Herausgeber des „Newcastle Chroniele" und früheres Parlamentsmitglied, kein Jude sei. Admiral Dewey über die Juden. Die October-Ausgabe von „Mc Clure’s Magazine" ist fast gänzlich dem amerikanischen Seehelden gewidmet. Folgende Stelle des Artikels: „Mit Dewey im. Mittelmeer" ist für uns Juden von Interesse. Als die „Olympia" vor Neapel lag, kam unter anderen auch eine jüdische Dame zu Besuch an Bord. Der Admiral führte mit ihr eine lebhafte Unterhaltung, von der er, heim gekehrt, seinen Freunden erzählte. Daran knüpfte Dewey folgende Bemerkung: „Ich begreife das Vorurtheil gegen die Juden nicht. Wenn ich die Geschichte, sowohl der hervorragenden historischen Personen, als auch der Nationen betrachte, so finde ich kaum einen einzigen Fall, wo eine bedeutende Leistung vorläge, ohne dass sich ein Tropfen jüdischen Blutes nachweiseil Hesse. Die Juden sind ein wunderbares Volk." In einer Liste von Studenten, die zu der Centralschule für Künste und Handwerke in Paris zugelassen wurden, finden wir unter anderen nichtjüdischen Namen, die von Juden geführt werden, wie z. B. Viterbo, auch den Namen Picard, und daneben seltsamerweise Valabregue und D rey f u s. Hoffentlich bleibt trotz des ominösen Zusammentreffens der Frieden der Schule ungestört. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 15. bis zum 21. October 1899 weist 11 Trauungen, 06 Geburten und 38 Sterbefälle auf. Personalnachricht. Wie man uns aus Sopozlcin (Gouvernement Suwalk) mittheilt, wurde dieser Tage unser verdienstvoller Gesinnungsgenosse, Se. Ehrwürden Hon* Rabbiner S. J. Rabbino witz in A 1 e x o t, Mitglied des Actionscomites für Russland, zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in der erstgenannten Stadt gewählt. Wir rufen Herrn Rabbiner Rabbino witz ein herzliches blft" zu und beglückwünschen ganz besonders die Gemeinde Sopozkin zu ihrer überaus glücklichen Acquisition.