Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 41 (13.10.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-10-13
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 41 „Die A Welt“ Seite 13 Von allgemeinem Interesse dürfte folgender, dem officiellen Berichte des Wohlthätigkeits-Controleur der Stadt New-York entnommene Passus sein, der von den jüdischen Wohlthätigkeits-Instituten der genannten Stadt handelt. Es gibt deren im Ganzen 20, mit einer Gesammteinnahme von Dol. 1,104.258-16, wovon Dol. 258.228*27 aus öffentlichen Mitteln. Nimmt man davon die 4 jüdischen Kinder-Asyle und die Aguilar-Bibliothek aus, dann verbleibt für die übrigen 15 Institute eine Einnahme von Dol. 688.624*75 und von diesem grossen Betrage ein winziger städtischer Zuschuss von nur Dol. 18.285*—. Der Bericht bemerkt, dass die jüdischen Gemeinden stolz sein dürfen auf solche Ziffern, wie die Stadt auf solche jüdische Gemeinden. Die englischen und amerikanischen Blätter wimmeln von Zusammenstellungen der „Blätterstimmen“ über das letzte Urtheil im Dreyfus-Fal 1. Es ist wie ein einziger, ungeheurer Schrei der Entrüstung über die Feigheit der Richter — aber auch ein Trost für den armen „Verurtheilten“, wie er grösser noch niemals gespendet worden, so lange Wahrheit und Recht auf Erden Geltung haben. Eine ebenso eigenartige wie interessante Anerkennung für Zola planen die Journalisten der Stadt Antwerpen. Im dortigen P1 a n t i n - Museum befindet sich die Handdruckpresse nebst Typen, die der berühmte Buchdrucker vor mehr als 300 Jahren benützte und die seit seinem Tode ausser Gebrauch ist. Nunmehr soll sie dazu dienen, Z o 1 a s berühmten „J’accuse“-Brief, unter Benützung der alten Holztypen zu vervielfältigen. Das erste Exemplar wird Zola überreicht werden. * In Philadelphia wurde am 21. v. Mts. der Grundstein zu dem auf dem Grundstück des jüdischen Hospitals zu errichtenden „Lucien Moss-Heim für unheilbare Kranke“ gelegt. Die aus diesem Anlasse errichtete Tribüne war von einem Riesenpavillon in Form einer Luc ca überwölbt, die 1000 Personen Platz gewährte. Die Kosten des Baues saimnt Einrichtung belaufen sich auf 200.000 Dol., wovon \/4 für das Gebäude aufgeht. Es ist dieses die grösste Spende, die jemals der jüdischen Gemeinde in Philadelphia gemacht wurde. ❖ Amerikanische Blätter wissen von dem tragischen Schicksal eines jungen Soldaten zu erzählen, das mit dem Dreyfus- Fall aufs engste verknüpft ist. S a b a t i e — dies der Name des Helden unserer Geschichte — war Eleve der Schule von St. Cyr. Dort gab er eine kleine militärische Wochenschrift „L’Aurore“ heraus. Mit Dreyfus' Familie bekannt, druckte er Z o 1 a s berühmten Brief J’accuse“ ab wofür er mit Gefängnis bestraft wurde. Darauf kaufte Clemenceau das Blatt und machte daraus das bekannte Tagesjournal. Sabatie hatte später wiederholt Angriffe seitens seiner Mitschüler zu erdulden, auch gerieth er in Streit mit seinem Lehrer, da er an die Unschuld Dreyfus glaubte und sie gegen jedermann verfocht. Er erhielt wiederum eine Haftstrafe, nach deren Verbüssung er aus der Schule entfloh und sich den Vereinigten Staaten zuwandte. Dort gelang es ihm in einer Militärschule New-Yorks eine Stelle als Instructor zu erhalten, und bei Beginn des spanischamerikanischen Krieges gieng er mit einem Regiment nach den Philippinen. Ein Bruder und eine Schwester fuhren nach New-York, um ihn von seinem Plane abzubringen, aber ohne Erfolg. Sie befanden sich unter den Opfern der Schiffskatastrophe der „Bourgogne“. Die Nachricht von dem Tode seiner Geschwister wirkte derart, auf den armen Sabatie, dass er schwer erkrankte und monatelang zwischen Leben und Tod schwebte. Nach seiner Genesung liess er sich wieder beim Regiment ein stellen und erwartet nunmehr seine Aufnahme als amerikanischer Bürger, da er erklärte, mit einem Lande, das seine Söhne in solch infamer Weise malträtiere, nichts mehr zutbun haben zu wollen. Sgsonden. Für zionistische Zwecke. Gymnasiasten A. Fruchthändler und H. Horstein in Krakau.fl. 3.00 Für den hebräischen Sprachverein. Verein „E rez Israe 1“ in Stanislau., 5.— Für die Familie des ermordeten Abraham Sternberg in Doiina. V er ein ..R a c h e 1 a<; in Stanislau.11. 3.— Sch. F. „ 8.— Für die israelitischen Erdarbeiter in Boryslaw. Durch B. Geiger, gesammelt unter zionistischen Studenten in Bielitz.fl. 2.— Collecte der Tempel Vorsteher Gold \v asser und A s c h k e n a s v in Krakau.,, 7.— Summe fl. 1).— in Nr. 40 ausgewiesen „ 1148*58 Totale fl. 1157-58 Für zionistische Zwecke. Bei der Predigt des Rabbiners Meisel durch Gerson P a m und Juda Nussbaum.fl. 4.80 Sammlung des Eisig Kreppe 1 in Drohobycz, Jacob Safrin ff. 1-18; David Linden b au m fl. 1-18, Eisig Kreppei ff. 0*18.. . . „ 254 Zeitschriftenrundschau. Das October-Heft der von Rabbiner Dr. A. Kurrein in Teplitz herausgegebenen „Jüdischen Chronik“ weist folgenden Inhalt auf: Monatsschau: Protestieret gegen Dr. Baxa! — Der synagogale Gottesdienst. Dargestellt von Dr. M. H. F r i e d 1 ä n d e r. — Die Verjudung der Gesellschaft. Von Samuel M e i s e 1 s. — Rabbi Isaak Kampanton, oder der Religionsstreit in Spanien unter dem Papste Benedikt XIII. Eine Erzählung von Josef Löwenstei n. — Maimonides. Von Dr. Adolf B i a c h. — Feuilleton : Jonathan Eibenschitz. Vortrag. Von Dr. M. L. Stern. — Jüdische Weltchronik. — Sprechsaal. In Paris erscheint seit dem III. Congresse eine neue zionistische Halbmonatsschrift „L’echo sioniste“. Die bisher erschienenen drei Nummern zeigen nicht nur die stramme, muthige und treue Gesinnung unseres neuen Mitstreiters, sondern auch die Tüchtigkeit seiner Redaction. Wir richten an unsere Gesinnungsgenossen den Appell, das junge Unternehmen durch Abonnement und Weiler Verbreitung zu fördern, an die gesinnungsgenössische Presse aber die Bitte, durch Tauschexemplare dasselbe zu unterstützen. Zangwill als Zionist. Israel Zangwill, der jüdische Denker, wird vielleicht allezeit zur Hälfte ein Räthsel bleiben. In dem Octoberhefte von „Lippiiicot’s Magazine“ veröffentlicht er einen Artikel über den Zionismus, einen ernstgemeinten Artikel, so dass man nicht annehmen kann, dass Zangwill auch in ihm, ähnlich wie in seinen Skizzen, von den Meinungen, denen er Ausdruck gibt, „künstlerisch abseits“ steht. Und doch bleibt er auch hier zum Theil die Sphinx, das Räthsel. Nach einer prächtigen zionistischen Beweisführung zieht er sich wieder in den Winkel des unbetheiligten Betrachters zurück, beantwortet drei von einander wesentlich verschiedene Vorschläge, das bedrohte Judenthum zu retten, in bejahender Weise, und zu allen drei Bejahungen entschliesst er sich mit derselben Gemüthsruhe. Was hält Mr. Zangwill in Wirklichkeit vom jüdischen Problem? Der Schluss des Artikels zwingt uns,