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Die Welt · 1899-10-13 · 41 (13.10.1899) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
41 (13.10.1899)
Article
Das Ritualmärchen in Braunschweig
Date
1899-10-13
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 41 „Die H Welt44 Seite 11 kannten nach dreitägiger Verhandlung auf nicht-schuldig des Mordes, Todtschlages oder der Beihilfe, dagegen schuldig der Aussetzung mit tödtlichem Erfolge. Der Staatsanwalt cassierte das Verdict, weil die Geschworenen sich zum Nachtheile der Angeklagten geirrt hätten. — Das aussesetzfce Kind hatten die Antisemitten seinerzeit als Opfer eines „Ritualmordes“ hin gestellt. Eine Palästina-Ausstellung in Odessa. Der Ausschuss des Odessaer „Vereines zur Unterstützung der jüdischen Ackerbauer in Palästina und Syrien“ rüstet sieh zur Veranstaltung einer Palästina-Ausstellung. Die Ausstellung soll die Einwohnerschaft von Odessa mit den gegenwärtigen landwirtschaftlichen Zuständen in den jüdischen Colonien Palästinas bekannt machen. Es sind aus Palästina bereits grosse Ladungen verschiedener Weine aus den dortigen Weingärten, ferner Obst, Gemüse, Sämereien, verschiedene Getreidearten, ausserdem Muster von Industrie-Erzeugnissen der Colonisten eingetroffen. Alle zur Zeit bestehenden palästinischen Colonien werden an der Aussellung theilnehmen. Personalnachrichten. Herr Dr. Meyer-Ebner, Actions- Comilemitglied für die Bukowina, vermählt sich am 17. October im Hotel Bristol, Lemberg, mit Fräulein Adele Feiste r. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. . Wien. Dienstag, am 17. d. M., präcise halb 8 Uhr abends, wird Herr Dr.Leopold Kahn im Locale des Einzelvereines „Wien*, H. Gredlergasse 9, seinen Bericht über den 3. Baseler Congress erstatten. Gäste herzlichst willkommen. Wien. Am 5. October hielt der Einzelverein „Fünfhaus" des „Zion" eine sehr zahlreich u. zw. von den besten Kreisen der Bezirke XII bis XV besuchte Plenarversammlung, die mit grossem Erfolge verlief, ab. Die vielen neuen Aufnahmen von Mitgliedern bezeugen dies. Dazu verhalten die mit vollendetster Meisterschaft vorgetragenen Berichte des Herrn Architekten M a r m o r e k über den 3. B a s e 1 e r Congress und des Herrn Redacteurs Siegfried Fleischer ii b o r die Po I n a e r Aff a i r e. Sie entflammten das j ü di sehe Gefühl und beförderten die Erkenntnis, dass nur Selbsthilfe uns dauernd sichern kann. Zur Annahme per aedamationem gelangte ein Dank an die Vertreter des Zionsgedankens in Wien und Basel. Anerkennung fand die Einrichtung, dass die beiden Schriftführer des Vereines jeden M i 11 w och abends im Cafe N e u f e 1 d „Z u m S c li w e n d e r h o f* Auskunft über zionistische Fragen geben. Wien. (Predigten über den Zionismus.) Mit grosser Genugfchuung können wir es constntieren, dass der Zionismus in den vergangenen Neujahrstagen an vielen Orten das Thema synagogaler Predigten war. Wir wollen eine von den vielen zionistischen Predigten, die zu unserer Kenntnis gelangt sind, ganz besonders erwähnen, weil sie ein Laie gehalten hat, dessen Verhalten überhaupt hervorgehoben zu werden verdient. Herr S. Fischer, ein hiesiger Banquier und sehr gelehrter Talmudist, hat sich mit dem reformierten Gottesdienste, wie er in den Tempeln ein geführt ist, nicht befreunden können und schritt deshalb an die Gründung eines Bethaus-Vereines im IX. Bezirke, der eine Betstelle nach alt jüdischem Ritus in Verbindung mit einem Talmud-Lehrhause (Betli-Hamidrasch) zu errichten beschloss. Viele Thejlnehmer meldeten sich, und es wurde vorläufig eine provisorische Gebetstätte eingerichtet, in welcher Herr Fischer am Neujahrstago eine sehr gehaltvolle Predigt hielt, die sich nicht nur durch grosse jüdische Gelehrsamkeit, sondern auch durch innere Wärme imdronnschönheit auszeichnete. Er setzte auseinander, dass jeder gläubige Jude eo ipso Zionist sei, und forderte daher die Strenggläubigen auf, sich der zionistischen Bewegung gegenüber nicht bloss passiv zu verhalten, sondern durch begeisterte Mitwirkung ihre Glaubensstärke zu documentioren. Wien. Der lit. Ges.-Verein jüdischer Mädchen ..Moria" eröfthete, wie bereits gemeldet, am 1. October seinen Wintersemester. Zahlreich wahren Gäste — diesmal auch viele Frauen — erschienen und lauschten alle mit gespanntester Aufmerksamkeit und wahrem Interesse dem Vortrage unseres verehrten Herrn Dr. Leopold Kahn. Mehrere Damen meldeten an diesem Nachmittage ihr Hospitium an und wäre es wünschenswert, wenn auch weitere Damen diesem gewiss löblichen Beispiele folgen würden! Der nächste literarische Nachmittag findet Sonntag, den 15. October statt und bringt einen Vortrag der Schriftstellerin Frau Ernestine Wilhelm. Das gewählte Thema bürgt für einen genussreichen Nachmittag. — Gäste (Damen) herzlichst willkommen. IX., Berggasse 20. Zusammenkunft 3 Uhr. Beginn präcise 31/, Uhr. N. P. Sadagöra, 1. October 1899. Am 25. October 1899 erstattete unser Delegierter Dr. M a j e r - E b n e r seinen Bericht über den III. Baseler Congress. Die Versammlung war stark besucht, der Beifall stürmisch, die Begeisterung echt. Bojan. In einer stark besuchten Versammlung sprach unser Delegierter Dr. M a y e r - S c h i f t e r über den III. Baseler Congress. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaftem Beifalle und Begeisterung aufgenommen. Czernowitz, 8. October 1899. In einer von mehr als tausend Personen besuchten Volksversammlung, erstattete der Delegierte der hiesigen 8ch ekel gruppe, Dr. Mayer- Ebner, Bericht über den III. Congress. Es war ein getreues Bild, das der Redner vom Congresse entwarf. Die Zuhörer folgten mit grösster Aufmerksamkeit den Schilderungen des Delegierten. Reiehsraths-Abgeordneter Dr. Strauch er bekundete seine aufrichtigen Sympathien für den Zionismus, dessen erste anerkennenswerte That die Schaffung einer jüdischen Organisation ist. Dr. M e n c z e 1 nahm die modern gewordene Frage des Blutmärchens zum Anlasse, um die Bemerkung zu machen, dass wir Juden doch Blut brauchen, aber lebendiges Blut, für die blutleeren Körper der ärmsten unserer Stammesgenossem. Die Ausführungen der drei Redner wurden mit stürmischem, langandauerndem Beifalle aufgenommen. Krakau. Bei der unlängst geschlossenen philatelistischen Ausstellung wurden die von Herrn Wilhelm W acht e 1 ausgestellten Karten mit Bildern aus dem jüdischen Leben in Galizien ausgezeichnet. Eine derselben stellt einen Juden dar, der. nach langem, inbrünstigem Gebete, den gold hurtigen Tallis um den Oberkörper geschlagen, den Kopf auf den Arm gestützt, tief sinnend dasteht, während ein kleiner Knabe das Gebet aus einem grossen Sidur zu Ende spricht. Lemberg. In dem hiesigen conservativ - clericalen Blatte „Przeglad" erschien jüngst eine Notiz, dass die Juden Christenblut zwar nicht für das Osterbrot, aber zum Anstreichen von „Mezuzes“ verwenden. Darauf richtete der hiesige Cultusrath Herr M. Jonasz an die Redaction dieses Blattes ein längeres Schreiben, in welchem er unter anderem hervorhob, dass, wenn das Ammenmärchen auf Wahrheit beruhen sollte, die Juden, ohne das Criminal, beziehungsweise den Galgen zu riskieren, hei der namentlich in Galizien unter den Bauern belieblen Heilmethode, sich von jüdischen Barbierern regelmässig zweimal jährlich gegen Entgelt ausgiebigen Aderlässen zu unterziehen, massenhaft gesundes Bauernblut verwenden könnten. In seinen weiteren Auslassungen über dieses Thema erklärte sich Herr J o n a s z bereit, f ü r wohl t h ä t i g e c h r i s 11 i e h o Zwecke fl. 5000 bar zu Händen der Redaction zu erlegen, sobald jemand den Beweis erbringen sollte, dass im jüdischen Ceremoniell oder in den religiösen Satzungen auch nur ein Wort enthalten sei, das mit dem Bliitmärehen in Einklang zu bringen wäre. Die Redaction des vorerwähnten clericalen Blattes fügt hierzu die Bemerkung hei, dass leider schwer!->h

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