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Die Welt · 1899-10-06 · 40 (6.10.1899) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
40 (6.10.1899)
Article
Wie die Fonds des Dreyfus-Syndicats zusammengebracht wurden
Date
1899-10-06
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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„Die H Welt“ Nr. 40 Seite 8 Wie die Fonds des Dreyfus-Syndicats zusammengebracht wurden. Das Wiener „D. V.“ tischt seinen Lesern folgende Mär auf: Zugunsten D r e y f u s’ wurden keineswegs einfache freiwillige Gaben eingesammelt, sondern seitens der jüdischen Gultusgemeinden eine regelmässige Steuer auferlegt, und zwar von 10 Rubeln Einkommen 2 Kopeken, zugunsten einer „heiligen Sache“. Bei der wodurch die Gemeinde über die Vermögensverhältmsse eines jeden einzelnen Mitgliedes genau informiert ist, stellten sich der Eintreibung dieser Gontribution keine Schwierigkeiten entgegen. „Widerspenstige“ wurden einfach zur Abgabe gezwungen. Wie sich eine gut informierte Person äusserte, wurden die vielen Millionen, von welchen General M e r c i e r sprach, auf diese Weise meistentheils unter den russischen Juden aufgetrieben. Auch in Galizien geschah es nicht anders. In einer galizischen Bezirkshauptmannschaft erschien ein armer, ganz verzweifelter Jude mit der Frage, ob er amtlich licitiert werden könne, weil er keine zwei Gulden obligater Beisteuer zu entrichten vermöge. Naturgemäss hat jetzt die berühmte „Alliance“ keine Mittel, um das Elend, welches auch unter den Juden vorkommt, zu unterstützen. Ihre Millionen verschlang die „heilige Sache“. Was geben die Juden ins Brod? Das „Prager Tagblatt“ bringt folgendes „Eingesendet“: „Ich bin Jude, wohne in H., und mein Sohn Franz besucht die zweite Glasse der Bürgerschule. Als er kürzlich in seine Schulclasse kam, wurde er von seinen christlichen Kameraden mit der Neuigkeit empfangen: „Man wird ihn hängen.“ Einer seiner Collegen hatte in aller Eile einen Galgen aufgezeichnet, auf welchem ein „wirklicher“ Jude hieng, und schob es zum Gaudium aller anderen Herren Jungen meinem Sohne unter die Nase. Ein zweiter brachte eine andere Neuigkeit: „Wisst Ihr was Neues? Alle Juden in DL werden auf den Ringplatz geführt und erschossen werden.“ Dann kamen die obligaten Judenprügel, , die den drei jüdischen Schülern der genannten Glasse (mit circa 70 Schülern) zutheil wurden. Ich wiederhole : Ich bin Jude und wohne auf einer Einschichte. Meine Familie bäckt zuhause Brot, und zwar ein vorzügliches Hausbrot, so dass es sich viele christliche Bekannte, ja der Herr Schuldirector selbst, als ein Vergnügen anrechnen, von unserem Brot zu essen (natürlich umsonst, ich habe kein Brotgeschäft). Um 10 Uhr nimmt nun in der Schule mein Franz sein Brot aus der Tasche und isst. Haloh! Da regen sich seine christlichen Kameraden. „Die Juden geben ins Brot Ghristenblut“, so rufen sie mit Schreien und Schimpfen, und mein Junge lässt vor Schrecken das Brot fallen. — Merkwürdig! Wie sich die Zeiten „bessern“. Vor circa einem Jahre sagte mir ein gebildeter Herr, natürlich Christ: „Weisst Du — Du nicht — aber andere, die frömmeren Juden, die sollen wirklich Ghristenblut zum Waschen benötliigen.“ Vor circa 4 Wochen sagte mir ein Doctor: „Ich habe es nicht geglaubt, aber es ist doch so, dass die Juden je einen Tropfen Ghristenblut zu den Osterfeiertagen in das Wasser zum Waschen der Hände benützen“. Heute sind wir bereits weiter. Die Schuljugend in II. hat constatiert, dass die Juden Ghristenblut ins Brot geben! Und das alles im Jahre 1890! Mein Verstand kann das nicht fassen! Mein Herz blutet vor Weh über diese unchristliche Erziehung der Kleinen! Meine Seele weint blutige Thränen und klagt zu Gott, dem Allmächtigen! Wie ist es möglich > Wie ist das möglich?u Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Einz elverein Wie d e n - M a r g a- Verhandes österreichischer hielt am 27. September in S. Jellineks eine massenhaft besuchte ö ff entlieh e Vereinsversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr H. York-Steiner begrüsste die Erschienenen,besonders Herrn Rabbiner Dr. H. L. Reich, stellte den anwesenden Regierungs Vertreter Herrn Ritter v. Talacko vor, und gab seinem Bedauern Ausdruck, dass der Anlass und das Thema des heutigen Vortrages — der Mord von Polna u n d das Blutritualmärchen — gewiss kein freudiges sei und auch keineswegs zu agitatorischen Zwecken der Partei ausgenützt werden möge. Sodann ergriff, stürmisch begrüsst. Herr Dr. Jax - Jelensky das Wort, um in einem glänzenden Referate die Polnaer Affaire und die damit zusammenhängenden schändlichen Beschimpfungen gegen die gesammte Judenschaft zu besprechen. Ausgehend von dem Dreyfus-Processe, der unsere Gegner gleichfalls in Jubel versetzte, der vielen Unterdrückungen der Juden seit der Diaspora bis auf unsere Tage gedenkend, sagte der Redner, dass es noch niemals eine ungeheuerlichere, ja beschimpferende Ruchlosigkeit gegeben habe, als jene Beschuldigung, die unter dem Namen „Blutrituale" den Juden ins Antlitz geschleudert wird; noch mehr beschämend sei es. dass sich im Herzen Europas, in einem Lande, dass sich blühendster Cultur erfreue, dieses Ereignis abgespielt habe, und Leute mit akademischer Bildung sich eifrig bemühen, ihr Volk in dem Hasse, den finsterer Aberglaube erzeugt, zu erhalten. Als Lichtpunkt in dieser traurigen Affaire erwähnte Herr Dr. Jax des Artikels im „Czas“. der eine rühmenswerte Ausnahme mache und den Tiefstand beklage, auf den eine ehemalig freiheitliche, politische Partei das Volk zu bringen beabsichtige. Der Redner schloss, indem er den moralischen Wert des Dr. Baxa besprach mit einem Appell an die Judenschaft, nicht zu erlahmen im Kampfe um ihr Recht, und alles zu thun. um die Gegner zur Anerkennung der Wahrheit zu zwingen. Reicher Beifall lohnte die glänzenden Ausführungen des Herrn Referenten, worauf Herr Y ork-Steiner mit einigen Worten des eben gehörten Vortrages gedenkend, eine Resolution zur Kenntnis brachte, die dahin geht, dass die gesammte Judenschaft ihrer gerechten Empörung über die Beschimpfungen zum Ausdrucke bringe, und erwarte, dass alle Fact-oren ihr möglichstes zur Aufklärung der Unthat von Polna thun werden. Ferner gab Herr York- S t e i n e r auf eine Anfrage Auskunft über die Zwecke und Ziele des Zionismus, worauf Herr Rabbiner Dr. Reich seiner Genugthiumg über die lebhafte Theilnahme an der Versammlung Ausdruck verlieh, und seine Meinung dahin aussprach, es möge die gesammte Rabbinerschaft Oesterreichs in feierlicher Form einen Protest gegen die Beschuldigung des Blutmärchens ein bringen. Nachdem noch vorher die Resolution per accl amationem angenommen worden war, schloss der Vorsitzende die Versammlung. B. Prag. Am 23. v. M. hielt die hiesige Ortsgruppe der „Närodni Jednota cesko-zidovskä“ eine Sitzung ab, auf deren Tagesordnung die Stellungnahme des Vereines zur Dreyfusaffaire und zum Kuttenberger Processe stand. Die Sitzung nahm einen stürmischen Verlauf, trotzdem ihr Charakter ein geschlossener war. Als erster ergriff der Präsident des Vereines Dr. A r n s t e i n das Wort, der sich wieder als der unverbesserliche „Assimilant“ zeigte, als der er seit einer Reihe von Jahren bekannt ist. Er zog eine Parallele Wien. Der reihen des einzig dastehenden Organisation der jüdischen Gultus- Vereine „Zion gemeinde den niedrigeren jüdischen Classen gegenüber, Saallocalitäten

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