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Die Welt · 1899-10-06 · 40 (6.10.1899) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
40 (6.10.1899)
Article
Ein Denkmal für einen jüdischen Märtyrer der Freiheit
Date
1899-10-06
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 40 „Die H Welt« Seite 7 mit wahrer Todesverachtung kämpfte und dessen auch in sämmtlichen den Freiheitskampf behandelnden Geschichtswerken rühmende Erwähnung geschieht. Bernhard S ch öntag, ein angesehener Günser Kaufmann, liess sich sofort nach Ausbruch des Freiheitskampfes in die ungarische Nationalgarde aufnehmen, wo er, nach einigen Bravourstücken, die er vollbrachte, zum Officier ernannt wurde. Doch der ungarische Aufstand wurde niedergeschlagen und das H a 7 n a u’sche Schreckensregiment begann. Schöntag wurde zum Tode durch den Strang verurtheilt und am 23. Juni 1849 in Güns hingerichtet. Die Günser wollen nun das Andenken ihres Landsmannes durch ein Denkmal ehren, für das sie die Subscription eröffnen. Aus dem ganzen Lande laufen Beiträge ein und man hofft, mit der Errichtung des Denkmales in Bälde beginnen zu können. Von den Gesten der Araber führt L. Bauer in der „Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereines“ eine grosse Zahl von charakteristischen Beispielen an. Wenn der Araber erzählt, wenn er droht, flucht oder etwas wünscht, so leibt und lebt alles an ihm. Ist er zum Beispiel beleidigt oder erzürnt worden und kann aus irgendeinem Grunde im Augenblicke keine Vergeltung üben, so bringt er die Spitze des Daumens oder Zeigefingers der Rechten zusammen, während die drei anderen Finger leicht gekrümmt und lose schweben, und schwingt so die Hand drohend gegen den Beleidiger. Will er jemand züchtigen, kann ihn aber im Augenblicke nicht erreichen, so heisst er, gleichsam zur Ableitung des Zornes, in den Ballen der Hand. Ist jemand gestorben, so schlagen sich die Frauen mit der Hand auf die Wangen. Wenn man sagen will: Schade, dass ich das vergessen, verloren, versäumt etc. habe, so gebraucht man den Ausdruck „Iah" und. fährt unter leichtem Anheissen mit dem Zeigefinger seitlich zwischen die Zahnreihen, worauf noch die Verwünschung: „Gott mache den Teufel zuschanden!" folgen kann. Hat jemand aus Versehen etwas Thorichtes oder ihn Blossstellendes gesagt, so heisst er sich ein wenig auf den gekrümmten Zeigefinger. Verfeinden sich zwei, so nehmen sie ein Stück Holz und zerbrechen es. Ein Schnalzen der hinter der oberen Zahnreihe angedrückten und losgeschnellten Zunge mit gleichzeitigem Aufwärtsbewegen des Kopfes bedeutet eine Verneinung. Will einer dem anderen sagen, er habe kein Geld oder auch keine Thiere, so setzt er den Daumennagel an einen der Oberzähne an und schnellt dann plötzlich die Hand nach vorne. Hat man es mit einem Unzufriedenen zu thun, so bricht man nicht selten ab, indem man durch eine Handbewegung auf die Wände deutet, wobei man noch sagen kann: Hier sind die Wände 1, 2, 3, 4. Das Schütteln der lose hängenden Hand im Gelenke bezeichnet das Uebermass von etwas, zum Beispiel: wie lügenhaft bist Du! Den gestreckten Zeigefinger der Rechten längs der Nase seitlich anlegen und mit den anderen Fingern das Kinn umschliessen, bei etwas gesenktem Kopfe — eine Geste, die bei uns Nachdenken bezeichnen würde — bedeutet bei den Arabern Bewunderung. Prof. Kaufmann und der Zionismus. Im jüngsten Hefte der hebräischen Monatsschrift „Haschiloah“ erzählt „Iwri“, der kürzlich dahingeschiedene Professor David Kaufmann habe sich ihm gegenüber geäussert, es thue ihm ungemein leid, dass es ihm infolge seines Aufenthaltes in einer für die Zukunft des jüdischen Volkes gleichgiltigen Umgebung nicht möglich sei, für den Zionismus öffentlich thätig zu sein. Preisausschreibung. Der Ausschuss des „Vereines zur Verbreitung von Bildung unter den Juden Russlands“ gibt bekannt, dass im December 1900 aus der Zeitlin’schen Stiftung 430 Rubel fällig werden für das beste Werk über die Geschichte der synagogalen Beredsamkeit in Russland und Polen von den ältesten Zeiten bis zu den Tagen des Wilnaer Gaons. Das Werk kann russisch oder hebräisch geschrieben sein und muss an den genannten Ausschuss in St. Petersburg eingereicht werden. Die äusserste Gewissenhaftigkeit. Die Thatsache, 4ass Herr Paty de Clam wenige Tage nach dem Abschluss des Processes im Rennes plötzlich gesund wurde, glossiert Alfred Gapus im „Figaro“ unter dem Titel „Aeusserste Gewissenhaftigkeit“ wie folgt: „Herr Paty de Clam ist wieder vollständig hergestellt und sein Arzt hat ihm endlich gestattet, nach Rennes zu gehen, wo seine Aussage mit Ungeduld erwartet würde. Herr Paty de Clam ist mit dem 9 Uhr 50 Minuten Zug abends abgereist. Gegen 5 Uhr morgens kam er in Rennes an, wo er im Hotel „Modern“ abstieg. Paty de Clam machte rasch ein wenig T oilette und begab sich dann schleunigst ins Lycee, ohne dass sich irgendein Zwischenfall ereignet hätte. Die Bevölkerung von Rennes blieb so ruhig, wie an ganz gewöhnlichen Tagen, und Paty de Clam wurde nicht zum Gegenstand irgendwelcher Manifestation gemacht. Punkt 7 Uhr erschien Paty de Clam am Eingang des Sitzungssaales, wo jedesmal Berathungen des Gerichtshofes stattfinden, wenn über den Capitän Dreyfus geurtheilt werden soll. Unverzüglich betrat Paty de Clam den Saal, aber — trotzdem doch seine Aussage als sensationelle angekündigt worden war — bot dss Berathungszimmer ein Bild vollständiger Ruhe. Die Bänke waren von circa dreissig jungen Leuten besetzt, welche ein sehr aufmerksames Gesicht machten, und auf der Estrade hielt ein Mann einen wenig leidenschaftlichen Vortrag. Paty de Clam setzte sich dorthin, wo — wie man ihm gesagt hatte — die Zeugen gewöhnlich Platz nehmen, und wartete ruhig ab, bis ihm das Wort ertheilt würde. „Sind Sie sder neu Hinzugekommene?“ fragt nach etwa fünf Minuten der Herr auf der Estrade. — „Jawohl, Herr Präsident“, erwiderte Paty de Clam. „Gut, ich werde Sie sogleich prüfen.“ — Und der Professor nahm seine Lection, es war eine Geschichtslection, wieder auf. Er erzählte seinen Schülern die Aburtheilung des Herzogs von Enghien, und wie der Unglückliche in Vincennes füsiliert worden sei. Paty de Clam hörte aufmerksam zu und machte sich eifrig Notizen. Als der Professor geendet hatte, kündigte er an, dass er nun die jüngeren Schüler prüfen werde, und indem er Du Paty de Clam bezeichnet^ forderte er ihn auf, sich zu erheben. Da nun erhob sich Herr Paty de Clam, und vor dem Professor, vor der ganzen Classe machte er seine Depositionen über die Affaire Dreyfus. Ohne dass er ein einzigesmal unterbrochen oder dass eine einzige Frage an ihn gestellt worden wäre, konnte er seine Rede beendigen. Noch am selben Abend verliess er Rennes im angenehmen Bewusstsein, seine Pflicht voll und ganz erfüllt zu haben.“ Dr. Boris Fan-jung, Hausarzt der Wiener Rettungsgesellschaft, ist in jungen Jahren einem tragischen Geschicke zum Opfer gefallen. Mitten aus seiner unermüdlichen menschenfreundlichen Samariterthätigkeit wurde der junge Arzt gerissen. Er starb am 3. October nachmittags als Opfer seines Berufes fast plötzlich an einer I n f e ct i o n, die er sich an dem Krankenlager eines Kindes zugezogen hatte. Dr. Boris Fan-Jung, ein geborener Russe, hat der Freiwilligen Rettungsgesellschaft schon in seinen Studentenj ähren als freiwilliger Mediciner angehört. Er hat die vortreffliche Samariterschule mit Leib und Seele geliebt und sich als so tüchtig erwiesen, dass die Leitung der Gesellschaft seiner auch nach der Promotion nicht entrathen wollte. Dr. Fan-Jung starb im 27. Lebensjahre. — Unseren Gesinnungsgenossen wird die Familie des so jäh Verstorbenen durch ihre eifrige Theilnahme an unserer Bewegung wohl bekannt sein.

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