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Die Welt · 1899-09-29 · 39 (29.9.1899) · p. 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
39 (29.9.1899)
Article
Sodom und Gomorrha in geologischer Beleuchtung
Date
1899-09-29
Page
16 (sequence 2)
Language
German
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Seite 16 „Die & Welt“ Nr. 39 schlage von Salz, deren Höhe uns zugleich angibt, um wieviel hier der Meeresspiegel gesunken ist. Zu diesen Bildungen gehört der 180 Meter hohe Dschebel Usdum oder Sodomsberg. In seinem unteren Drittel besteht er aus reinem Steinsalz. Von dieser senkrecht zerklüfteten Salzmasse lösen sich gelegentlich prismenformige Stücke ab, die durch Verwitterung manchmal ein mehr oder weniger menschenähnliches Aussehen erhalten. Wer die wunderbare Verwandlung von Lots Frau in eine Salzsäule nur bildlich nehmen will, mag in diesen Verwitterungsstücken die Erklärung dafür finden. Die Verwüstung der sündigen Städte sollte gründlich besorgt werden, darum gab es noch ausser dem Erdbeben eine Art feurigen Begens, der sich über die Häupter der Schuldigen ergoss. Bezüglich dieses unangenehmen Regens besteht ebenfalls eine kleine Meinungsverschiedenheit zwischen den modernen Interpreten des alttestamentarischen Strafgerichtes. Blankenborn nimmt, wie schon erwähnt, eine Entzündung der brennbaren Massen durch die beim Erdbeben entstehende Reibung an. Diener hingegen setzt eine, gleichzeitig mit dem Erdbeben stattgefundene, vulcanische Eruption voraus. Den Sodomiten kann es übrigens ganz gleiehgiltig gewesen sein, ob sie auf die eine oder die andere Art vom Schauplatze ihres ruchlosen Daseins für immer verschwanden. Der Talmudbauer. (Aus dem Leben der Juden in Palästina.) Von H. York-Steiner. (Fortsetzung.) Unterwegs, nahe dem Jaffathore, traf er Dr. Rapp. Gerne hätte er ihm auf seine theilnehmende Frage von der Noth des Hauses erzählt, aber eine tiefe Scham hinderte ihn zu bekennen, dass er auf dem Wege sei, um den Unterhalt des Hauses zu betteln, denn die Geschichte mit dem Geldbrief, von dem er gehört haben wollte, hatte er nur erzählt, um die Mutter aufzurichten. Doctor Rapp lud ihn ein, einen Krankenbesuch mit ihm zu machen. „Es handelt sich um das kleine Mädchen, das Sie zu mir getragen haben; Sie sollen die Freude mit mir gemessen, das Kind in voller Gesundheit zu sehen,“ sagte der Doctor zu dem jungen Manne, der ihm seit jenem Morgen lieb geworden und durch das Gespräch beim Leichenbegängnis noch näher gekommen war. Unterwegs erinnerte sich der Arzt noch an verschiedene andere Patienten, er bog links ab von der Strasse, in eine seltsame Ansiedlung von etwa vierzig bis fünfzig Hütten, die die Juden aus dem Yemen sich zusammen gebaut hatten. Allerlei Kistendeckel, Latten und Bretter, Metallabfälle, Leder und Tuch waren benützt, um Obdach gegen Sonne und Regen zu gestatten. Auf der Schattenseite standen bunt durcheinander die hageren Männer mit ihren gebräunten Gesichtern, durch auffallend dichte Schläfenlocken seltsam gekennzeichnet. Das Fez auf dem Haupte, ein blauer Leinenkittel und weisse flatternde Leinenbeinkleider, an den nackten Füssen ein paar Pantoffeln — das war ihre Sabbathkleidung. Zarte, jugendliche Frauen mit schön gebildeten, ovalen Gesichtern, aus denen leuchtende, dunkle Augen blickten, junge Geschöpfe, zwischen denen sich zahlreiche kleine Kinder tummelten, sassen in den kleinen Trinkhallen der kleinen Hütten. „Wir haben es doch noch besser als diese“, meinte Chajim. Doctor Rapp zuckte die Schultern. Herausgeber: P. Naschauer. Verantw. Red.: Erwin Rsaenbarger. „Sie haben hier wenigstens Luft und Licht, und dann, Ihr wisst ja, die Yemeniten arbeiten, sie haben' eben keine Chaluka. Sie stellen sich auf die Strasse und schlagen Steine entzwei, sie gehen zum Bau, tragen Mörtel, arbeiten mit dem Meissei als Steinmetze, sie gehen auch hinaus in die Colonien und verdienen während der Ernte, — wenn sie nicht gar so unselig früh heiraten würden, die Männer zu fünfzehn, sechzehn, die Mädchen zu zwölf und dreizehn, es müsste ihnen eine grosse Zukunft in Palästina blühen.“ „Es ist bei uns Aschkenasim auch nicht viel besser,“ entgegnete Chajim. „Mein Vater wollte mir schon längst eine Frau geben nach dem Spruch „Verheirate Deinen Sohn, so lange Du Gewalt über ihn hast“. Aber ich habe mir gelobt, kein Weib zu nehmen, ehe ich nicht imstande bin, es zu ernähren“. „Nein,“ meinte der Arzt, „Ihr habt ja die Chaluka, und wenn Ihr heiratet und Kinder bekommt, wird Euer Antheil immer grösser“. „Nein“, entgegnete Chajim kurz und bestimmt, „auf Almosen hin heirate ich nicht“. Der Arzt ' hatte seinen Patienten nicht zuhause gefunden; er war in der Synagoge beim Mincha-Gebet. Sie zogen die staubige, glühend heisse Jaffastrasse entlang und kamen zu der einfachen Synagoge der Yemeniten. Vor dem Hause standen hunderte von Pantoffeln und drinnen sassen dicht aneinändergedrängt auf dem mit Matten belegten Boden die Andächtigen nach Art der Türken mit verschränkten Beinen. Bald kamen die braunen Männer aus dem dumpfen Raume ins Freie, suchten ihre Beschuhung und begrüssten mit einem freudigen „Sabbath salam!“ den .Arzt. An Wochentagen hatten sie wenig Zeit, krank zu sein und eigentlich gehörten sie zum sephardischen Nospital, aber Doctor Rapp nahm es nicht so genau, sogar hier auf der Strasse bot er den verlangten Rath. -$Es waren sehnige Gestalten, an deren Körper nicht ein *Loth Fleisch zu viel hieng; die Gesichter bei einigen so sonnverbrannt, dass man sie für Mauren hätte halten können. Chajim sagte dies dem Arzte, der bestätigend nickte. „Ja, es sind eben Menschen, die jahraus, jahrein .Jn der Luft leben und arbeiten“. Chajim erwiderte nichts. Doctor Rapp blickte for- -sehend in sein Gesicht. Sie kamen immer weiter gegen Norden, dort, wo die Ansiedlungen der Juden aus Buchara beginnen. Grosse, stattliche Steinhäuser mit geräumigen Sälen, schon nahe dem Gebirge, wo die Luft frischer weht als in der Stadt. ' „Hier habe ich die Frau mit ihrem kranken Kinde liergeschickt“. Der Doctor wies auf eines der grossen Häuser. „Ihr wisst ja, die Bocharen lassen diese Häuser bauen, weil sie fürchten, dass ihr Land nach und nach den Russen verfallen wird, den Russen, die den Juden körne Rechte zugestehen. Sie bauen beizeiten diese grossen Ansiedlungen, um einst hierher flüchten zu können, aber die Wohnungen stehen zum grossen Theile noch leer. Ich habe für die arme Frau mit ihrem kranken Kinde hier draussen ein Zimmer bekommen“. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Chaskel Kramei. Das ist Redactions geheimnis. Jotef Legal, „Jordanja“. Ihr liebenswürdiges Anerbieten mit bestem Dank aceeptiert. Herr Hilfstein Heinrich in Krakau wird um nochmalige Einsendung der Spender-Liste angegangen. Buchdruckerei .Industrie“ (S. Bergmann) VIII., Schlösselg. 11

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