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Die Welt · 1899-09-29 · 39 (29.9.1899) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
39 (29.9.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-09-29
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 39 Seite 15 „Die # Welt« 70. Geburtstag. Unter den zahlreichen Adressen befand sich auch eine der jüdischen Gemeinde seiner Vaterstadt Görz. In Paris wurde ein Verein jüdischer Arbeiter gegründet, der den Namen führt: „Le Proletariat juif de France“. Der Verein ist socialistisch, und hat auch zugleich den . Kampf gegen die Antisemiten in sein Programm aufgenommen. -r- Der König von Belgien besuchte jüngst incognito Amsterdam, bei welcher Gelegenheit er auch die portugiesische Synagoge besichtigte. ❖ An der Universität Bombay wurde ein Lehrstuhl für Hebräisch und hebräische Literatur eingerichtet. * Die „Melborne Jews Philantrofie Society“ erhielt im vorigen Jahre seitens des Gouvernements einen Zuschuss von 500 Pfund Sterling. * Zangwills „Kinder des Ghetto“ fand, wie ein Telegramm des „Jewish World“ meldet, am 18. d. M. in Washington eine brillante Aufnahme und hat einen vollen Ei-folg zu verzeichnen. In New-York wird das Stück am 16. October zur ersten Aufführung gelangen. * Der berühmte, in Rom wohnende, amerikanische Bildhauer Moses’ Ezechiel hat eine Marmorbüste Dr. Isaac M. Mieses in Cincinati, die mehrere Freunde des greisen Rabbiners zu dessen 80. Geburtstage stifteten, vollendet. Das Kunstwerk soll in ausserordentlicher Weise gelungen sein. Zeitschriftenrundschau. Die in London erscheinende „Implement and Machinery Review“ beschäftigt sich in einer ihrer jüngsten Nummern mit den landwirtschaftlichen Verhältnissen in Palästina und constatiert, dass die jüdischen Colonisten zu dem allgemeinen Aufschwung, der sich auf dem Gebiete des Acker- und Weinbaues in Palästina seit einiger Zeit bemerkbar macht, ihr gut Theil beigetragen haben. Das Blatt macht die englischen Fabrikanten von Landwirtschaftsmaschinen darauf aufmerksam, dass sie für ihre Erzeugnisse ein gutes Absatzgebiet in den aufstrebenden jüdischen Ansiedelungen von Palästina und Syrien finden könnten. Sodom und Gomorrha in geologischer Beleuchtung. Von Dr. Ludwig Karell. Die sündigen Städte Sodom und Gomorrha raffte der göttliche Zorn hinweg. Keine Spur zeugte mehr von ihrem ruchlosen Dasein. Die Forschung hat dennoch die Stelle ermittelt, wo das Uebermass der Schuld das himmlische Strafgericht heraufbeschwor. Um diese Oertlichkeit zu kennzeichnen ist es nothwendig, sich das todte Meer vor Augen zu führen. Nach seinem genauesten Kenner, Dr.,*M. Blankenborn in Erlangen, entspricht es nicht der Vorstellung, die man sich gewöhnlich von dieser fluchbeladenen Stätte macht; -vielmehr erscheint es als ein friedlicher, ja sogar majestätischer Gebirgssee. Seine Ost- und Westufer bilden gerade, aufstrebende, mächtige Wände. Das Wasser des todten Meeres hat sechsmal mehr Salzgehalt als das des Oceans, und schmeckt auch viel bitterer als dieses. Es hat ein so hohes speeifisches Gewicht, dass Boote darauf leicht kentern. Aus diesem Grunde, ferner wegen des hohen Luftdruckes, der Hitze und dem zeitweiligen Ausströmen von Schwefelwasserstoff, stösst hier „kein Kahn vom Lande“, und spiegelt sich kein Mast in den verödeten Gewässern. Am Südüfer dieses todten Meeres lagen die vier Städte Sodom, Gomorrha, Adama und Zebojim. Man kann dies daraus schliessen, dass hier oft Asphaltklumpen an der Oberfläche schwimmend an getroffen werden, denn im I. Buch Mosis (10. Vers, 14. Cap.) heisst es von dieser Oertlichkeit — dem Thale Siddim — es sei reich an Asphaltbrunnen. Einen weiteren Anhaltspunkt für die Lage der heimgesuchten Orte gibt die Andeutung der Umwandlung ihres Bodens in einen Salzmorast. Thatsächlich geht das Südufer des hier nur ein bis sechs Meter tiefen See s in den mit einer Salzkruste bedeckten Sumpf Sebcha über. Sogar den geologischen Vorgang, der sich hier abspielte, als der Zorn Jehovas sich gegen die Verruchten wandte, erklären uns die Gelehrten. Der schon vorhin erwähnte, um die Kenntnis Nordsyriens und Palästinas verdiente Forscher, Dr. Blankenborn, führt die Katastrophe auf ein heftiges Erdbeben zurück. Nach ihm entstand das todte Meer gegen Ende der Tertiärzeit durch die Bildung eines grossen Systems von Spalten, welche in der Richtung der Meridiane vom Albert- Nyanza in Afrika bis zum Taurus in Kleinasien sich verfolgen lassen. An diesen Spalten sanken einzelne schollenförmige Stücke der Erdkruste in die Tiefe. Dadurch bildeten sich grabenförmige Thalzüge, von denen einige gegenwärtig mit Wasser ausgefüllt sind; so der Nyassa, Tanganyika, das rothe und das todte Meer. Letzteres entstand durch die gewaltigste aller dieser Einsenkungen, denn es liegt 400 Meter unter dem Spiegel des mittelländischen Meeres. Den der Bildung des todten Meeres analogen Untergang von Sodom und Gomorrha versetzt Blankenborn in die Alluvial-Zeit. Den auf die Städte niedergegangenen Feuerregen führt er auf die Entzündung brennbarer Stoffe, insbesondere des Asnhalts und des Erdöles, zurück. Auch der Professor an der Wiener Universität, Doctor Carl Diener, spricht die Ansicht aus, dass die Zerstörung der genannten Städte durch ein Erdbeben hervorgerufen wurde. Die Worte der Schrift weisen geradezu auf ein solches Phänomen hin, denn es heisst im I. Buche Mosis, (Cap. 19, Vers 25): „Und Er wendete um die Städte und den ganzen Umkreis und alle Bewohner der Städte und alles aus der Erde Hervorsprossende.“ Professor Diener veröffentlichte seine Anschauungen darüber in den „Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien“ (1897 pg. 1 — 22 und 1899 pg. 14—18.) Die von ihm aufgestellte Theorie weicht jedoch in einigen Punkten von derjenigen Blankenborns ab. Er glaubt nicht, dass mit jenem Erdbeben der Thalboden von Siddin abgerissen und in eine sich bildende Spalte gestürzt sei, in welche Vertiefung dann das Meer eintrat, sondern er erklärt die Ueberflutung Sodoms und Gomorrhas durch eine Auspressung des Grundwassers, das ein Einsinken des Thalbodens zur Folge hatte. Er stützt seine Theorie durch das Erdbeben von Selenga am südlichen Rande des Baikalsee’s (12. Jänner 1862). Auch da gerieth ein Theil der Burjätensteppe durch Auspressen des Grundwassers unter den Spiegel des See’s. Gegen Blankenborns Ansicht ist ferner anzuführen, dass bisher noch bei keinem der zahlreichen, und zum Theil überaus heftigen Erdbeben in Syrien und Palästina eine Niveauverschiebung im festen Boden constatiert werden konnte. Hätte das göttliche Strafgericht eine so gewaltige Niveauverschiebung zur Folge gehabt, so wäre Zoar nicht verschont geblieben, denn diese Stadt lag in unmittelbarer Nähe der beiden betroffenen. Es gelang ja Lot, sich in der kurzen Zeit zwischen dem Beginne der Morgenröthe und dem Sonnenaufgang von Sodom nach Zoar zu flüchten. Bei dieser Gelegenheit fand bekanntlich die unliebsame Metamorphose seiner Frau statt. Vermöge des ungemein hohen Salzgehaltes im todten Meere, der jedes organische Leben unmöglich macht, bildeten sich mächtige Nieder*

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