Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 39 (29.9.1899)
- Date
- 1899-09-29
- Page
- None (sequence 7)
- Language
- German
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7 Wien. Der Einzelverein „Fünfhaus“ des „Z i o n“ veranstaltet am 5. October 1899 in Herlinger’s Restauration, XV. Reindorfergasse42, eine Plenarversammlung mit folgender Tagesordnung: 1. Der dritte Baseler Congress. Referat des Herrn Architekten Oskar Marmorek. 2. Der Poinaer Procesp. Referat des Herrn Redacteurs Siegfried Fleischer. Der Beginn der Versammlung ist auf 8 Uhr festgesetzt. Gäste sind herzlich willkommen. Die zionistische Bewegung. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionistencongresses, Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu senden. - Das Actions-Comite. Bielitz. Am 24. d. M. fand die dritte Generalversammlung des Vereines „Ilas chachar“ statt. Nach Berichterstattung des Präsidenten Herrn Dr. Sternberg über die Thätigkeit des Ausschusses, wurde demselben das Ahsolutorium einstimmig ertheilt. — Nachdem Herr Doctor Sternberg auf eine Wiederwahl verzichtete, wurde Herr Dr. J. Günzig als Präsident, Herr P. Br aff als Vizepräsident und in den Ausschuss weiters die Herren: Rabi, nowitz, Kellner, Hermann, Länderer, Rosner, W eiss und Schneeweiss gewählt. Dem scheidenden Präsidenten drückte die Versammlung einstimmig den Dank aus für dessen bisheriges Wirken und fand folgende, von Herrn Dr. Sternberg eingebrachte Resolution einstimmige Annahme: „Die am 24. September d. J. stattgefundene Generalversammlung des zionistischen Vereines „Haschachar“ gibt ihrer Entrüstung Ausdruck über die von einer gewissen Clique aus verwerflichen Agitationszwecken bewirkte Verbreitung des niederträchtigen, das ganze Judenthum in den heiligsten Gefühlen beleidigenden Blutmärchens.“ — Die Generalversammlung constatiert mit tiefstem Bedauern, dass es dieser verächtlichen Sippschaft gelungen ist, einem ganz gemeinen Morde eine tendenziöse Färbung zu geben. Horodenka. Bei der am 21. September stattgehabten Volksversammlung des hiesigen Vereines „Bnei Zion“, welche sehr stark besucht war, erstattete Herr Dr. Menczel aus Czernowitz Bericht über den III. Baseler Congress. Redner, wiederholt von stürmischen Beifallsrufen unterbrochen, schilderte den Verlauf des Congresses und dessen praktische Thätigkeit gegenüber den ersten zwei Congressen, Redner bezeichnete den ersten Congress als ein Wiedersehen von einer 2000jährigen Deportation, es war ein lautloses Begegnen von langjährig geschiedenen Brüdern, während der III. ein thätiges, arbeitendes Parlament war. Hervorzuheben ist noch, die vom Mitglied des hiesigen Agitations-Comites Herrn Aba Pineies gehaltene Eröffnungs- und Begrüssungsrede, die sehr beifällig aufgenommen wurde. Bemerkenswert ist die Anwesenheit des Herrn Reichsraths- und Landtagsabgeordneten Dr. T. Okun i e w s k i, der sich sympathisch für diese Idee aussprach. Sch. Bukarest. Dienstag, den 5. und Mittwoch, den 6. d. M. veranstalteten die hiesigen Vereine „Bnei Zion David“ und „Dr. Th. Herzl“ drei Volksversammlungen, die über alle Erwartungen glänzend verliefen. In der Synagoge „Calea Mosilor“ sprach Herr T r i p t u aus Jassy über den Zionismus und den III. Baseler Congress, während Herr Josef S e g a 1 1 am ersten Tage des Neujahrsfestes in der sogenannten Isirer-Synagoge und am zweiten Festtage in dem Bethause des Vereines „Instructiunea“ über das gleiche Thema einen Vortrag hielt. Beide Redner erfreuten sich eines zahlreichen Hörerkreises, der ihre Ausführungen mit grossem Beifall aufnahm. Umbra. Paris, 7. September. Auf der Rückfahrt vom Baseler Congress hielt sich Frau Go fctheil, die Gattin des bekannten Leiters der amerikanischen Zions-Federatiofi und Professors an der Columbia-Universität, einige Tage in unserer Stadt auf. Die rührige „Societe Mebassereth Sion“ benützte diese Gelegenheit zur Einberufung einer zahlreich besuchten Versammlung, in welcher.Herr Ch. Schornstein den Vorsitz führte. Frau Gottheil sprach über „Die Aufgaben der jüdischen Frauen in der zionistischen Bewegun g.“ Viele Damen, und zwar nicht nur Mitglieder ein ge wanderter Familien, sondern auch eingeborene französische Jüdinnen eilten nach Beendigung des zündenden Vortrages auf die Estrade, um der Rednerin die Hand zu drücken und um ihrer Begeisterung für die Sache, die sie tags zuvor nicht einmal dem Namen nach gekannt, Ausdruck zu geben. Der Eindruck dieses zionistischen Abends wird sich als ein nachhaltiger erweisen. Belfast. Die „Dorshy Zion Society“ hielt am 24. September ihre jährliche Festversammlung ab. An Dr. Herzl und das Actions-Comitö gieng ein Vertrauensvotum ab, unterzeichnet von der ganzen jüdischen Gemeinde Belfast. Sofia. (Eine spaniolische Lehrer-Conferenz.) Die Aussaat, welche die Conferenz der Zionisten in Philippopel ausgestreut hat, beginnt zu spriessen. Wir haben seinerzeit über die Beschlüsse der Conferenz berichtet und den Kampf erwähnt, welchen der Zionismus gegen die bisherigen Assimilationsbestrebungen der Vertreter der „Alliance“ auf der Balkan-Halbinsel führen muss. Dieser Kampf gilt der Schule, die, wie dies auch anderwärts dar Fall ist, das Hebräische so stark in den Hintergrund drängt, dass die ganze jüdische Jugend wohl etwas französisch parlieren, kaum aber über ihr Judenthum Rede und Antwort stehen kann. Ich möchte daran erinnern, dass in jener Conferenz der Beschluss gefasst wurde, eine Versammlung der jüdischen Lehrer im Sommer zusammentreten zu lassen, welche über Schulangelegenheiten berathen und Beschlüsse fassen sollte. Dieser Beschluss würde aber ein todter Buchstabe geblieb eh sein, wenn die Lehrer selbst ihren guten Willen nicht in eine gute That umgesetzt hätten. Und so könnten wir zu unserer Freude die Realisierung dieses Conferenzbeschlusses durch die Lehrer verzeichnen, welche vergangene Woche in Sofia zu einer viertägigen Conferenz zusammen traten. Noch ist es eine Minorität der jüdischen Lehrer und Melamdim, die durch die Abhaltung der Versammlung ihre zionistische Gesinnung bekundeten, aber das bedeutet immerhin einen erfreulichen Fortschritt. Diese kleine Conferenz verstand es, parlamentarische Formen zu wahren und alle ihre Beschlüsse mit seltener Einmüthigkeit zu fassen. Analog den Anschauungen, die wir in der Zionisten-Conferenz in Philippopel vertreten hatten, wurde der Grundsatz ausgesprochen, dass die Jugend im hebräischen Geiste erzogen weide. Demgemäss wurde beschlossen, mit der hebräischen Sprache schon in den Fröbl’schen Schulen zu beginnen. Der Anschauungsunterricht soll nicht bloss in der Muttersprache, sondern auch hebräisch ertheilt werden. Ebenso soll der hebräische Sprachunterricht in der jüdischen Volksschule eingeführt werden. Die bis nun unberücksichtigt gebliebene physische Ausbildung der Juden soll energisch in Angriff genommen werdet/, und zwar sei der Turn-, Handfertigkeits¬ und Gesangsunterricht womöglich in hebräischer Sprache zu ertheilen. Mittlerweile sollen die -jüdischen Lehrer durch Lehrcurse und Selbstübung ihre Kenntnisse im Hebräischen