Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 38 (22.9.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-09-22
- Page
- 10 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 10 „Die H Welt« Allerlei Nachrichten. Im Nordosten Berlins war ein „Unternehmer“ auf den Einfall gekommen, in zwei Localitäten die Abhaltung von Gottesdiensten an den hohen Feiertagen zu annoncieren, nur „vergass“ er, die Locale auch wirklich zu mieten. Er strich die an 1600 Mark betragenden Platzmieten ein und — verduftete. Die Angelegenheit dürfte in der Berliner Gemeinde zu Sicherheitsmassregeln für nächstes Jahr führen in der Richtung, dass nur von Seiten der Gemeinde veranstaltete oder von ihr speciell erlaubte Betversammlungen gestattet werden. * In Berlin feierte der Maurermeister Marcus Adler das 25jährige Jubiläum als Schatzmeister und stellvertretender Bezirksvorsteher eines städtischen Ehrenamtes, das viele Mühe und Zeit erfordert. Dem Jubilar wurden aus allen Kreisen zahlreiche Glückwunsch-Adressen übersandt. Der in der Londoner Great-Assembly- H a 11 während der hohen Feiertage abgehaltene Gottesdienst war von nahezu 7000 Personen besucht, wobei aber ausdrücklich zu bemerken ist, dass keine Platzmiete erhoben wird, sondern alle Kosten von der jüdischen Gemeinde getragen werden. Ebenso fanden an zahlreichen Stellen des Ostens versuchsweise Kindergottesdienste statt. Der Erfolg war ein solcher, dass im nächsten Jahre diese neue Einführung wesentlich erweitert werden soll. * Endlich ist das Geheimnis, das zum Conflict zwischen England und der Boerenrepublik Anlass gab, von der „Deutschen Reform“ oreisgegeben : Cherchez-le-Juif! „Der ganze Krieg in Südafrika ist nur ein Manöver der Börsenjuden. Diese wollen Transvaal ausbeuten, und da die Buren sich nicht ausbeuten lassen wollen, hat die Clique der jüdischen Börsenjobber gegen bares Geld den Prinzen von Wales gewonnen.“ In der Synagoge zu Lentschitz entstand am Jom-Kippur durch Herabfallen eines Leuchters eine Panik, wobei 32 Frauen und Kinder ums Leben kamen. * Mark Twain veröffentlicht in Harpers „Magazin“ einen Artikel über den Antisemitismus in Oesterreich. * In der Regel behaupten die Gegner des Zionismus, dass die Bewegung den Antisemitismus fördere. Der soeben abgehaltene deutsche antisemitische Parteitag spricht sich für die Bekämpfung des Zionismus aus. Jene Gegner werden sehr verdutzte Gesichter machen. * * Aus Birma wird gemeldet, dass man in der Stadt Majo, wo seit Menschengedenken keine Juden wohnten, eine „Judenstrasse“ und einen jüdischen Begräbnisplatz entdeckt habe. Es werden wissenschaftliche Forschungen an gestellt, und man darf gespannt sein, was dieselben ergeben werden. ♦ Anlässlich der Jubelfeier des jüdischen Kindergartens in Rom erschien der Cultusminister Bacelli und überreichte der ersten Lehrerin die vom Könige verliehene Verdienstmedaille nebst einem der Anstalt bestimmten namhaften Geldgeschenke. * Die bekannte „Sachsenschau“ kündigt in ihrer Nummer vom 3. September die Gründung eines „deutschnationalen Bundes“ nach dem Muster der „Alliance israelite“ an. Der Bund wird ein „geheimeru sein, so dass sich jeder christliche Geschäftsmann und jeder christliche Angestellte jüdischer Geschäftshäuser ihm wird anschliessen können, ohne irgend welche geschäftliche Nachtheile befürchten zu Nr. 38 müssen. Die Hauptsache bei dieser „Gründung“ ist: 3 Mark Jahresabonnement für die „Sachsenschau“ und Unterstützung der Inserenten; Zuweisung aller Drucksorten an den Herausgeber des Blattes; 3 Mark Beitrag als Mitglied des deutschnationalen Bundes. — Das ist das Geheimnis des Geheimbundes. * Professor Dr.MoritzLazarus feierte am 15. d. M. seinen 75. Geburtstag. Er ist am 15. September 1824 in Filehne, einer kleinen Stadt der Provinz Posen, geboren. * In einer Sitzung des eben beendeten Jahres-Congresses für Sanitätswesen in Southampton äusserte sich der Präsident Sir H. W. Price auch über die sanitäre Bedeutung des jüdischen Gesetzes. Er bemerkte, dass es vor 3400 Jahren sehr schlecht um die Hygiene bestellt gewesen, nur ein Volk machte eine Ausnahme und befolgte die Lehren seines grossen Meisters, die Juden. Ganz besonders aber habe Moses seine gründlichen Kenntnisse von den hygienischen Bedürfnissen im Oriente in der Regulierung der Nahrungsvorschriften entfaltet, und nur deren Befolgung verdanken es die Juden, dass sie bis auf den heutigen Tag weniger an Krankheiten leiden und länger leben, als andere Völker. Im Uebrigen folgte der englische Gelehrte — ob er sich darauf bezog, sagt der uns vorliegende Bericht nicht — den Ausführungen, die vor vier Jahren Professor Baginski-Berlin in seiner bekannten Broschüre veröffentlichte. * Die Juden des Londoner Fastend bilden jetzt vielfach Consumvereine auf genossenschaftlicher Basis. Neuerdings bildete sich eine Productivgenossenschaft, die möglichst viel Gewerbe umfassen soll. Im allgemeinen stellt man diesen Unternehmungen kein günstiges Prognosticon, da sie von den zahlreichen Londoner Riesen geschähen erdrückt werden. * An das Bureau der United-Hebrew-Charities in New- York wurden während des Monates Juli von 1623 Parteien, repräsentierend 5410 Personen, Unterstützungs-Ersuchen gestellt, wovon 1122 bewilligt wurden. Ausserdem 1245 ärztliche Besuche, sowie 395 Arbeitszuweisungen. Die Einnahmen betrugen 8640 Dollars, die Ausgaben 10.085 Dollars. Spenden für zionistische Zwecke. Josef Go wen, St.’John’s Wood London . , . . fl. 12.60 Dr. A. Kornhäuser, Jaslo, anstatt Neujahrswunsch „ 2.— Flaschner Jul., Böhm.-Leipa.„ —.25 Spenden für Boryslaw. Frankl Moriz, Fulnek.fl. 1.60 Sammlung durch Naftali Retter und Herrn. Gottesmann in Bojan.„ 9.20 Sammlung durch Hilfstein Heinrich in Krakau . „ 42.26 Sammlung durch Anderman Saul in Buczacz . . „ 2.45 Summe . fl. 55.51 In Nr. 37 ausgewiesen . „ 975 88 Totale”! ~TÖ3T39 Vereinsnachrichten. Wien. Mittwoch, den 27. September 1899,8 Uhr abends veranstaltet die Ortsgruppe „Wieden-Margarethen“ des „Zion“ in Jellineks Restaurant, V., Margarethen platz 7 eine ausserordentliche Vereinsversammlung mit der Tagesordnung: „Der Mord in Polna.“ Gesinnungsgenossen herzlich willkommen. Wien. (Synagogenverein „Beth Israe 1“.) Anlässlich des Todestages der in Gott ruhenden weiland Kaiserin Elisabeth fand in der Synagoge nach polnischjüdischem Ritus, II., Leopoldsgasse 29, am Versöhnungstage eine erhebende Trau er an dacht statt. Bei offener Bundeslade, unter Assistenz des Herrn Obmanns und des gesammten Vorstandes, intonierte der Obercantor Herr M. Sch orr mit dem Chore einen Trauerpsalm, und verrichtete das Gebet für das Seelenheil der erhabenen Monarchin. Die ( Feier nahm einen würdigen, erhebenden Verlauf.