Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Article
- Wien
- Date
- 1899-09-15
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die H Welt*4 Nr. 37 Richtung hin zu erfüllen. Es ergeht daher an alle jüdischen Mädchen Wiens der Aufruf, die literarischen Nachmittage dieses Vereines zu besuchen, um durch Ausbildung jüdischen Wissens jüdischen Geist und Sinn zu wecken, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und so vorwärts zu schreiten in der Selbstachtung und in der Kräftigung des stolzen Bewusstseins, keinem inferioren Volke anzugehören, sondern mit einem erlesenen Culturvolke eins zu sein, mit einem Volke gemeinsame Sache zu haben, das einzig in seiner Art dasteht. Deshalb ist es auch nöthig, dass wir die Geschichte, die vieltausendjährige Geschichte unseres Volkes kennen lernen, seine Literatur studieren und pflegen. Dies sei daher unsere heiligste Pflicht! Aber auch an die Frauen, resp. Mütter, ergeht der Ruf: Tretet diesem Vereine bei, als Förderinnen, um so zu zeigen, dass ihr in Würdigung solcher Bestrebungen den edlen Zwecken Eure Sympathien nicht versagt. Statuten sind ab 1. October im V er einslocale IX., Berggasse 20, erhältlich, bis dahin schriftlich durch die Präsidentin Fräulein Natalie Po Hak, IX., Währingerstrasse 3, zu beziehen. Wien. Der „jüd. Schulverein im X. Bezirke", der sich die hohe Aufgabe gestellt hatte, für Kinder der Volks- und Bürgerschule. für Mittelschüler und Erwachsene ein modern-pädagogisches Institut zur Pflege hebräischer Sprache, jüdischer Geschichte und. Literatur zu errichten, ist zu seinem Ziele gelangt. Es findet demnach die Einschreibung der Schüler und Schülerinnen am 21.. 22. und 24. September 1899, täglich von 2—6 Uhr nachmittags, in der Kanzlei des Schullocales, X., Hasengasse Nr. 7, statt. Die feierliche Eröffnung der Schule ist für den 1. October vormittags festgesetzt. Wir lichten nun an unsere Gesinnungsgenossen die Bitte, dieses schöne Werk, dessen weitere Existenz nur durch die materielle und moralische Unterstützung aller gesichert werden kann, zur Ehre des jüdischen Volkes durch rege Betheiligung fördern zu helfen. Przemysl. Sonntag, den 20. August d. J. hielt Herr Dr. Moses Margel im Locale des Vereines „Zion" einen überaus gelungenen Vortrag unter dem Titel „Malerei und Poesie bei den alten Hebräern". Redner bestrebte sich, den Beweis zu erbringen, dass die Juden, trotzdem ihnen von vielen Seiten der ästhetische Sinn abgesprochen wird, ein lebhaftes Empfinden für das Kunstschöne bekundeten. Die Ausführungen des Redners wurden mit grossem Beifall aufgenommen. Spenden für zionistische Zwecke. A. B.fl. 5.— A. Fr a n k. Dr. Engel, J. Citron aus Norderney je 1 Mark. „ 1.77 Einzelverein VI/VII Wien von Zionisten in St. Veit „ 5.— Verein Zion Nadworna.„ —.50 Penner Elias, N. Berezna, Mischeberach für Dr. Herzl und alle zionistischen Vereine . am 2. Roschhaschonoh.„ 1.— Spenden für Boryslaw. Sammlung am Baseler Congress 963 Francs ... fl. 457.72 Einzelverein VI./Vit Wien von Zionisten in St. Veit „ 5.— F r i e d m a n n, Wien. Collecte bei Verlobungsfeier „ 6.62 Geschwister Weiss in Wolfgang am See .... „ 1. — fL 470.34 In Nr. 35 ausgewiesen „ 513.16 Totale"fl.“975.88 Zeitschriftenrundschau. In den „Times" vom letzten Freitag bespricht „Verax" die Situation in Frankreich. „Man muss nicht Katholik sein, um die Haltung eines BJalter, wie ,1 e Croix", nedauerlich zu finden, das von einem Erzbischof geleitet wird und sich nicht scheut, die gegen das Landesgesetz gerichteten Angriffe zu vertheidigen und zu Mord und Aufstand aufzureizen. Was müsste aus einem Frankreich werden, das in solche Hände geriethe* Durch seine falschen Patrioten geschwächt, wird es den zum Krieg gerüsteten Mächten, die es durch seine tollen Ungerechtigkeiten empört hat, als leichte Beute zufallen". Die in Berlin erscheinende „Israelitische Rundschau" widmet in ihrer jüngsten Nummer dem Zionismus einen sehr freundlich gehaltenen Artikel, aus dem wir folgende Stellen roproducieren : „Dass auch die Politiker, die Diplomaten und die Mächte mit reger Th entnähme die Fortentwicklung des Zionismus verfolgen, ist bekannt. Der Grossherzog von Baden und der deutsche Kaiser dürften nicht die einzigen Potentaten sein, die sich für den Zionismus lebhaft interessieren. Ein wahrer Jammerbild von Unwissenheit und Interessenlosigkeit bietet dagegen die sogenannte „Judenpresse", ein weiteres Beweis dafür, wie viel Verständnis diese Sorte von Zeitungen für jüdische Angelegenheiten besitzt. Da ist tatsächlich die antisemitische Presse manchmal besser in formiert.?!) as „Berliner Tageblatt," das bei den Antisemiten bekanntlich als Judenblatt an der Spitze seiner Coli eginnen marschiert, brachte über di e Verhandlungen des Gongresses auch nicht eine Zeile. Nachträglich brachte es freilich einen Artikel über den Congress, der von Unkenntnis und Uebelwollen nur so strotzte. Kein Wort über die Verhandlungen selbst und hinterdrein ein absprechendes, absolut falsches Urtheil, das ist wohl der Gipfel der Illoyalität! Ein anderes Organ liess sich aus Russland melden, dass sich daselbst eine neue religiöse Secte unter den Juden gebildet habe, die Zionisten nämlich, die von der Regierung, die sonst das Sectenwesen nicht dulde, freundlich unterstützt würde. Welch ein blühender Unsinn! Der Zionismus hat, was die gesteigerte Zahl seiner Anhänger und den Fortschritt seiner Bestrebungen anbetrifft, auch im vergangenen Jahre einen nicht unbedeutenden Aufschwung genommen. Es ist für den denkenden und fühlenden Juden der Neuzeit schwer, unendlich schwer, dem Zionismus zu widerstreben. Auch dann, wenn der kühle Verstand mit Zweifel und Bedenken herantritt, gewinnt fast immer Herz und Gemüth die Oberhand. Der Gedanke, dass es möglich ist, Millionen unglücklicher Juden Heil und Erlösung zu bringen, er ist zu packend und zu bestechend, als dass man seinem Zauherbarm auf die Dauer sich entwinden könnte. Zu dem Erstarken des Zionismus mögen zumal bei uns noch zwei weitere Factoren beigetragen haben. Der Zionismus hat seinen Frieden mit der jüdischen Orthodoxie gemacht.Im letzten Jahre und auch auf diesem Congresse hat man jedoch auf Seiten des Zionismus das Möglichste gethan. um den Glauben zu beseitigen, als wolle und könne der Zionismus der Religion gefährlich werden. Und weiter hat der Zionismus durch seine Vertreter nach Kräften den Irrwahn zu zerstören gesucht, als behindere der Zionismus seine Anhänger in der Liebe zum Vaterlande, im patriotischen Empfinden und Bethätigen der Bürgerpflichten. Man nennt in gegnerischen Kreisen den Zionismus noch immer eine Utopie. Aber was hat man nicht alles schon Utopie genannt, was nicht alles schon mit Hohn und Spott verfolgt, als unmöglich und undurchführbar verschrieen? Was wirklich einst utopistisch war am Zionismus, hat derselbe längst abgestreift. .. Gewiss sind der Schwierigkeiten viele und ungeheuere, aber in der Politik gibt es keine Unmöglichkeiten. Das Ziel des Zionismus ist billigens- und erstrebenswert. Ueber Einzelheiten mögen die Meinungen auseinandergehen. Vor Jahresfrist konnte man sein Urtheil über den Zionismus dahin zusammenfassen: Tolerari potest. Nach einem weiteren Jahre kann man unseres Erachtens nur sagen: Er verdient unterstützt zu werden. Bücherwelt. Herr A. Ben Je h u d a in Jerusale in, einer der hervorragendsten Hebraisten und Semitisten unserer Zeit, beabsichtigt hinnen kurzem ein grosses, vollständiges Wörterbuch der alt- und neuhebräischen Sprache erscheinen zu lassen, das nebst dem biblischen Hebräisch den gesammten, ungeheueren Wortvorrath der talmudischen und nachtalmudischen halachischen, agadischen, poetischen und wissenschaftlichen Literatur in sich fasst, und das Resultat einer 18jährigen, rastlosen, mit staunenswerter Beharrlichkeit zu Ende geführten Arbeit darstellt. Wer sich von der schier unermesslichen Ausdehnung des Schriftthums, das Herr Ben Jehuda für sein lexicalisches Riesenwerk herangezogen hat, auch nur ungefähr eine Vorstellung machen kann, der wird es kaum begreiflich finden, wie ein Einzelner diese wahre Herkulesarbeit bewältigen konnte. Das Wörterbuch ist bestimmt, eine grosse, schon von dem Begründer der modernen Wissenschaft des Judenthums, L. Z u n z, und wohl noch viel früher schmerzlich empfundene Lücke der hebräischlexicalen Literatur auszufüllen. Es ist auf vier Quartbände berechnet und weist eine musterhafte Anordnung auf, da sich der Verfasser sämmtliche Erfahrungen und Errungenschaften der modernen Lexicographie zunutze gemacht hat. Den einzelnen Wörtern ist eine Uebersetzung in deutscher und französischer Sprache bei gegeben. Die sehr beträchtlichen Herstellungskosten sind th eil weise durch Subscriptionen gedeckt. Wir machen unsere Leser auf dieses monumentale Werk jüdischer Gelehrsamkeit und jüdischen Fleisses