Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-09-15
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nif, 37 „Die & Welt“ Sette il In Berlin wurde Dr. R. Sternfeld zum a. o. Professor an der philosophischen Facultät der Berliner Universität ernannt und dem Commercienrath Emil Jacob der Rothe Adlerorden IV. Classe verliehen. Die gleiche Decoration erhielt Rabbiner Dr. Goldstein in Mutzig (Eisass). s Wir brachten neulich an dieser Stelle die Nachricht, dass die Zahl der jährlich in New-York verbleibenden jüdischen Einwanderer nahezu 100.000 betrage. Diese aus sonst gut unterrichteten Quellen stammende Nachricht stimmt nicht mit der neuesten amtlichen Statistik über die Einwanderung, die im Jahre 1898 alles in allem 291.814 betrug, darunter nur 27.086 Juden, also noch nicht 10%* Dem in der amerikanischen Stadt Cleveland (Ohio) bestehenden jüdischen Waisenhause stellte der Vorsitzende der Staatscommission der Wohlthätigkeits-Anstalten das Zeugnis aus, „dass er hunderte von Waisenhäusern besucht habe, aber niemals eines gesehen, in dem so allgemeine Liebe und Zuneigung für den Director herrscht, wie hier. Es sei eine Anstalt, die des Besuches wert ist“. Eine Gerichtsverhandlung. Wie unsere Leser sich erinnern, hatDr.Herzl gegenHerrn Dr. S. R. Landau wegen einer beleidigenden Aeusserung am lässlich einer Berichtigungsverhandlung auf Grund des § 19 Pr.-G. die Klage überreicht. Diese Affaire wurde dadurch beendigt, dass Dr. Landau zu Beginn der dritten Verhandlung eine entschuldigende Erklärung abgab. Dr. Herzl hatte erklärt, dass er dem Gegner keinerlei Erklärung geben wolle. Wir bringen im Nachstehenden die vor dem Richter abgegebenen Erklärungen, auf die eine Zurückziehung beider Klagen erfolgte. „Herr Dr. S. R L aifd au erklärt, dass ihm die Herrn Dr. Theodor Herzl beleidigenden Aeusserungen in der Erregung während einer Gerichtsverhandlung entschlüpft sind, dass er dieselben auf das lebhafteste bedaure und zurückziehe.“ „Herr Dr. Victor Rosenfeld erklärt im eigenen Namen, dass die von ihm vorgebrachten Aeusserungen, welche Herrn Dr. Landau beleidigen konnten, in dieser Form aus eigener Initiative ohne Directive des Dr Herzl. vorgebracht wurden, und dass Herr Dr. Rosenfeld dieserhalb Herrn Dr. Landau entsprechende Erklärung gegeben hat.“ Die zionistische Bewegung. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionistencongresses, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionistencongresses, Basel zu senden. - Das Actions-Comite. Wien. An den beiden Nachmittagen des 6. und 9. d. M. bot sich uns die Gelegenheit, Herrn Rabbiner S e ff, einen russischen Delegierten des III. Baseler Zionistencongresses, in den beiden Tempeln „Liwjath Chen“ und Rembrandtstrasse 32 über den Zionismus sprechen zu hören. Redner, obwohl der deutschen Sprache mächtig, zog es vor, im Jargon zu sprechen. Mit zündender Beredsamkeit begeisterte er seinen Hörerkreis, so dass sowohl während der zweistündigen Rede, als auch am Schlüsse derselben ihm von seinem Auditorium rauschender Beifall gezollt wurde. Infolge dieses Vortrages dürfte der Zionismus viele Anhän ger gewonnen haben, deren Beitritt zu zionistischen Vereinen zu erwarten steht. Herlau (Rumänien). Hier hat sich vor Kurzem ein zionistischer Mädchenverein gebildet, der bereits über eine stattliche Mitgliederzahl verfügt. Tapolcza (Ungarn). Unser ehrwürdiger Rabbiner, Herr Dr. Bernhard Singer, hielt am zweiten Tage des vergangenen Rosch-Haschanahfestes eine vortreffliche Rredigt, in der er sich über die* zionistischen Bestrebungen in anerkennender Weise ausspräch und seine Zuhörer zur Pflege des jüdischen Volksbewusstseins aufforderte. Bendery, In Nr. 35 der „Welt“ soll es in der Liste der russischen Actionscomit6mitglieder statt Bangiersky heissen: Dr. Bendersky. Rzeszow« Am 3. September a. c. stattete unser Vereinsobmann Herr K. Kurzmann seinen Bericht über den III. Baseler Congress ab. Auf seinen Vorschlag nahm die Versammlung folgende Resolution an: „Die Zionisten- Versammlung vom 3. September 1899 nimmt den Bericht ihres Delegierten zur Kenntnis, drückt dem III. Congresse ihre vollste Sympathie aus, dankt dem Actions-Comite für seine geleistete Arbeit und drückt den Wunsch aus, dasselbe möge unentwegt fortarbeiten, und es möge den Führern gelingen, uns bis zum ersehnten Ziele zu führen.“ Auf Antrag des Herrn Apfelbaum wurde dem Berichterstatter von der Versammlung der Dank ausgesprochen, K. Bolechow. Am 24. v. M. erstattete Dr. K. L i p p e aus Jassy im DolinaerBeth Hainidrasch vor einer zahlreichen Versammlung der Dolinaer, Boiecho wer, Wigodaer und Rozniatower Zionisten, sowie auch vieler Nichtzionisten seinen Wählern den Rechenschaftsbericht über den dritten Baseler Congress. Die Begrüssungsrede hielt Herr N. Lothringer, Präsident des Vereines „Chowewe Zion“ in Bolechow' Der Enthusiasmus, denn Dr. Lippe durch sein heiteres Wesen, seinen glänzenden Esprit und seine anschaulichen Schilderungen hervorrief, ist unbeschreiblich. Der Versammlung wohnte ein Regierungs- Commissär bei, welcher mit Dr. Lippe nach dessen Rede längere Zeit über den Zionismus discutierte. Mit einem Hoch auf Dr, Herzl und Dr. Lippe schloss der Vorsitzende die. Versammlung. Der Commers, den die „Bnei Zion“ in D olin a und die „Chowewe Zion“ in Bole cho w zu Ehren des geehrten Gastes gaben, gestaltete sich sehr glänzend. Herr Lothringer brachte einen glänzenden Toast auf Dr. Lippe aus. den derselbe in geistreicher Weise erwiderte. Audi hebräische Trinksprüche wurden gehalten. Herr Dr. Lippe dürfte mit dem überaus herzlichen Empfange der Zionisten und auch der Nichtzionisten sehr zufrieden sein. Jaroslau. Die am 24. August d. J. vorgenommenen Wahlen in den Ausschuss der akademischen Verbindung „Bar-Kochba“ in Jaroslau ergaben folgendes Resultat: stud. jur. Ebersohn, Präses; stud. jur. Ettinger, Vicepräses; stud. jur. Gottlieb, Schriftführer; stud. jur. Berner, Obmann des Ehrengerichtes; stud. med. S i 1 b e rmann, Obmann-Stellvertreter des Ehrengerichtes. London, 8. September. In einer gutbesuchten V er Sammlung der Bnei Zion Association erstatteten die Herren Delegierten Dr. Ga s t e r, T. M. Cohen und J. de Haas ihren Congressberieht. Herr J. d e H aas schilderte dieThätigkeit des Congresses von Tag zu Tag. Die auf mancher Seite laut geworden Befürchtung, es werde der Congress mit der Zersplitterung der Bewegung endigen, habe sich nicht erfüllt. Colonisation und Religion seien als gefährliche Klippen bezeichnet worden. In Basel habe sich aber das Gefühl der Einigkeit mächtiger erwiesen, als alle Differenzen. Dr. Gast er betonte die Fortschritte, welche der Zionismus trotz der Pressangriffe und des Widerstandes der deutschen Protestrabbiner gemacht habe, und erwähnte sodann die unmittelbar vor dein Congresse lancierte Nachricht von Differenzen zwischen ihm und Dr. Herzl. Ja, es gebe gewisse Meinungsverschiedenheiten — was bei Leuten von starken Ueberzeugungen weder befremdlich noch für das Interesse der Sache schädlich sei. Niemals aber würden diese Verschiedenheiten imstande sein, ein gemeinsames Wirken zu hemmen. Die Gruppen, die sich vom Congress fern geh alten, hätten unrecht gethan, sich selber auszuschiiessen. Dr. G a s t e r wiederholte sodann in grossen Zügen die Gedanken, die er in seiner Congressrede zum Ausdruck gebracht. Neben der politischen Aufgabe, die in Dr. Herz Ts Händen gut aufgehoben sei, müsse auf Hebung mul Neubeiebung der jüdischen Cult u r hinge wirkt werden, damit die Juden nicht nur von äusserem Drucke befreit, sondern auch innerlich frei nach Palästinaheimkehren können, als ein Volk, das die Eignung besitze, das alte, grossartige Volksleben neu aufzunehmen und fortzuführen. An dieser erhabenen Aufgabe können alle mitarbeiten. in jedem Lande, nach Massgabe der geistigen und culturellen Hauptbedürfnisse. . Im, Wesentlichen sei es ein Werk der Erziehung,* das er fordere. (Beifall.) — Zum Schlüsse wurde den Delegierten der Dank ausgesprochen und Mr. T. M. Cohen zu seiner Wahl ins Actionscomite beglückwünscht. Vereinsnachrichten. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria“ eröffnet am 1. O et ob er sein Wintersemester. Der Verein, der sieh die Pflege der jüdischen Literatur und Geschichte zur Aufgabe gemacht hat, wird auch in diesem Semester bestrebt sein, sein Programm nach jeder