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Die Welt · 1899-09-15 · 37 (15.9.1899) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
37 (15.9.1899)
Article
[Ohne Titel] / Trietsch, Davis
Date
1899-09-15
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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•WfÄWettK Seite 7 Nr. 37 d ar st e il t, eme Sonderbestrebung'zu machen und an Stelle der erst geschaffenen jüdischen Autorität eine neue zu setzen? Hätte ich das gethan, so wären die lautesten Schlussrufer von heuer meine lautesten Ankläger geworden im nächsten Jahr. — Das aber sei ferne von mir, dass ich die schöne zionistische Bewegung, die ich" zu meinem Theil habe machen helfen, beeinträchtigen, verkleinern, bekämpfen sollte durch die Erfolge, die ich habe. — Nein, sondern vergrößern und stärken will ich sie, und sei es auch gegen den Willen der Mehrheit von heute. - Der Zionismus war bisher eine Partei, die keine Spaltungen vertragen konnte, — dazu war er noch zu jung und zu klein. Das soll und muss anders werden. Der Zionismus muss in Zukunft Parteien enthalten können — sonst bleibt er selbst nur Partei .. . Und soll doch das ganze Judenthum sein. Diesen umfassenderen, stolzeren und grösseren Zionismus will ich herbeiführen auf dem Boden meines grösseren Palästina. Wir haben auf dem Congress das freie Wort gehört von der „antizionistischenBewegung“ — eine andere Neuprägung war die „kleinzionistische Bewegung“ — die „zionistische“ kannten wir schon. — — Aber alle diese — wie überhaupt alle jüdischen Bestrebungen — finden Raum in dem Zionismus der Zukunft, dem gröseren Zionismus, an den ich denke — in der g r o s s z i o n i s t i s c h e n Bewegung. D. Trietsch. *) Wir glauben den Ausführungen des Herrn Trietsch, obwohl wir uns nicht mit ihnen identificieren, unser Blatt nicht verschliessen zu sollen. Boryslav, 3. September. Löbliche Redaction! Die Gefertigten statten hiermit für die hochherzige Geldspende von 963 Francs für die Nothleidenden Boryslaws der Vereinsleitung des Baseler Kongresses ihren ergebensten Dank ab. Mit vorzüglicher Hochachtung: Josef Goldhamer, Ohaim Prie dmann, Israel Stegmann, Abraham Nadler. Dolina, 9. September. Eine schändliche Mordthat, welche unsere Glaubensgenossen in die grösste Aufregung versetzte, würde hier Samstag, den 9. d. M., auf offener Strasse begangen. Zwei christliche Maurer passierten nämlich gegen .1 Uhr nachmittags ein Haus, vor dem drei jüdische Knaben sassen. Einer der Maurer verlangte von den Knaben Streichhölzchen, und die Knaben antworteten, dass sie Samstag keine bei sich tragen. Der Maurer drohte hierauf, die Knaben zu misshandeln, wenn sie ihm keine Zündhölzchen geben. Ein jüdischer Fuhrmann, namens Abraham Sternberg, der zufällig vorbei gieng, fragte die Maurer, was sie eigentlich von den Knaben wollen, worauf ein Maurer den Juden am Arme packte und der zweite ihm einen Messerstich in die Herzgegend versetzte. Sternberg sank bewusstlos zu Boden und gab alsbald den Geist auf.;Der Mörder flüchtete sich in ein nahes Haus, es gelang jedoch der Gendarmerie, des Mörders habhaft zu werden und ihn dem Gerichte einzuliefern. Der Ermordete hinterlässt eine arme Witvye mit sechs Kindern, von denen das älteste kaum 10 Jahre zählt. Es ergeht daher an unsere hochherzigen Glaübieiis- und Stammesgenossen die Bitte, der bedauernswerten Witwe des Ermordeten, die ihres Ernährers beraubt ist und ohne jede Stütze dasteht, nach Kräften bei?ustehen. Auch die kleinste Gabe ist willkommen. Spenden nimmt der Unterzeichnete Verein dankend entgegen. Hochachtungsvoll -Verein „Bnei Zdön“, Dolina (Galizien). , L. Litwak. l j. Ehrlich. Weltchronik. Der Sohn Ahasvers. In Linz-Urfahr wurde unlängst ein Landstreicher eingezogen, welcher an gab er heisse Richard Frey, sei im Jahre 1831 zu Jerusalem geboren und ein Solm des ewigen Juden Ahasverus. Sein Vater sei endlich gestorben und nun müsse er die rastlose Wanderung desselben fortsetzen. Zu anderen Angaben war der Mann nicht zu bringen. Er machte den Eindruck eines an religiösem Wahnsinn Leidenden, und bestätigten einige auswärtige Gerichte, bei denen er schon früher wegen Vagabundage in Haft sass, dass die Gerichtsärzte bei dem Unbekannten thatsächlich Irrsinn constatierten. Von einer Bestrafung wurde daher abgesehen. Die 50. Aufführung der Oper „Sulamith“. Welch grosser Popularität sich die G o 1 d f a d e n’sche Oper „Sulamith“ in Budapest erfreut, bewies am glänzendsten die Jubiläums- Voi’stellung im Kisfaludy-Theater, über die wir. bereits in Kürze berichtet haben. Fünfzigmal hintereinander gieng dieses Werk in Scene, und 50mal war das Haus bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Der glänzende Erfolg der Oper „Sulamith“ bildet immerhin ein Unicum in der Buda*- pester Theatergeschichte. Auf einer bis dahin dem grossen Publicum fast unbekannten Bühne gieng das Werk mit sehr bescheidenen Ausstattungsbehelfen in Scene, doch die harmonische Bearbeitung der originellen uralten Motive bezauberte selbst ein verwöhntes Theaterpublicum, wie das Budapester. Dieser schöne Erfolg ist den Schöpfern der Oper, dem Director Albert K ö v e s sy und seinem begabten Capellmeister Eduard Donäth zu verdanken. Die Jubiläums-Vorstellung gestaltete sich zu einem erhebenden Theaterfest, hei welchem das übervolle Haus sowohl die Autoren, als auch die Träger der Hauptrollen mit Beifall und Ovationen überschüttete. Auf dem Dirigentenpult Donäths prangte vor Beginn der Vorstellung ein herrlicher Lorbeerkranz. Nach jedem Actschluss wurde Director K ö v e s s y und D o n ä t h stürmisch acclamiert. Es dürfte für unsere Leser nicht ohne Interesse sein, dass Eduard Donätli, der verdienstvolle Bearbeiter der Oper ein eifriger Zionist ist. In einer Sondersitzung des Vorstandes des Londoner Hospitals wurde bekanntgegeben, dass Mr. Edward Raphael die Summe von 10.000 Pf. St. zur Einrichtung eines neuen Krankenzimmers gestiftet habe, das zur Erinnerung an den Spender seinen Namen für alle Zeit tragen wird. — Von den Testaments-Executoren der sei. Baronin de Stern wurden 60.000 Pf. St. für die Errichtung eines Reconvalescentenheims gewidmet. Es wurde beschlossen, in der Nähe des Hospitals einen geeigneten Grund, der für 10.000 Pf. St. angeboten \vurde, zu kaufen und die Testierenden 50.000 Pf. St. für die Erhaltung des Hauses zu reservieren. Das Hospital wird von Jahr zu Jahr grösser. Heute beträgt die Anzahl der ambulatorisch während des letzten Vierteljahres behandelten Kranken 18.000. . Ist das Schimpfen auf die Juden strafbar? Diese Frage lag dem Friedensrichter des russischen Städtchens Luzinez (Gouvernement. Podolien) vor kurzem zur Entscheidung vor. Ein dortiger hoher Militär, der Oberst Witkowsk y, wurde nämlich, von dem jüdischen Kaufmann M a r g u lies wegen Beschimpfung der Juden, die.in seiner Gegenwart erfolgte, belangt. Die Sache trug sich .folgendermassen zu: Oberst W itkowsk.y glaubte sich eines Tages von einem jüdischen Kleinhändler übervortheilt, und begann auf offener Strasse laut gegen die Juden loszuziehen. Margulies, der eben des Wegs dahMkam, wies ihn gelinde zurecht, indem er bemerkte, es gehe nicht an, wegen eines Einzelnen die ganze" Judenschaft zu beschimpfen* zu der auch er, Mar gu.Ii e s, gehöre. Ferner sagte M ar gulie s, die Epaületten gaben noch .keinem das; Recht, eine ganze .Classe

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