Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 36 (8.9.1899)
- Article
- Palästinabäume
- Date
- 1899-09-08
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 36 Seite 7 „Die H Welt** gestellten lebenden Bäume aus den palästinensischen Colonien wurden nach Beendigung der Ausstellung dem botanischen Garten als Geschenk überwiesen. Für jeden Freund unserer Colonien dürfte es nun von Interesse sein zu erfahren, dass die Bäume ausserordentlich gedeihen und während des herrlichen Sommerwetters im Freien ihren Platz erhalten haben, wo sie die Bewunderung von Sachkennern hervorrufen. In Berlin ist eine jüdische „Pensionsgesellschaft auf Gegenseitigkeit“ gebildet worden, deren Tendenz darin besteht, älteren Frauen und Männern guten Mittelstandes ein angenehmes Heim zu bereiten und gute bürgerliche rituelle Kost und Wohnung zu beschaffen. In Rhoden (Waldeck) steht ein altes, dem Fürsten gehöriges Schloss, an dessen Südportal der Buchstabe yp sechsmal angebracht ist. Man weiss, dass der Ort früher viel von Juden bewohnt wurde. Die Bedeutung der Buchstaben ist in Dunkel gehüllt. Sommerannehmlichkeiten. In dem bekannten „judenreinen“ Nordseebade Borkum werden auch öfters Christen für Juden gehalten und molestiert. Diese Thatsache wird von dem Betroffenen in einer an die „F. Z.“ eingesendeten Jeremiade bestätigt. Das königl. Badeeommissariat schaut dem sinnlosen Treiben mit verschränkten Armen zu. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 20. bis zum 20. August verzeichnet 53 Geburten, 13 Trauungen, 47 Sterbefälle. Personalnachrichten. In Wilna starb unser verdienstvoller Gesinnungsgenosse Dr. B. Finn. — Fräulein Bertha Schallin ge r, Tochter unseres verdienstvollen Gesinnungsgenossen und Vertrauensmannes Dr. Lazar Schallinger, Districtsarztes in Kunowitz, Mähren, hat sich mit Herrn Aron Schnürmacher, .Religionslehrer, Dienstag, den 29. August 1899 vermalt. Die Trauung fand im Tempel L, Seitenstettengasse 4 statt. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Teschen. Am 29. August veranstaltete hier die jüdischakademische Verbindung „Ivria“ einen Discussionsabencl, der von allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung besucht wurde. Diesmal hatten sich im Gegensatz zu den bisherigen zionistischen Veranstaltungen auch mehrere Cultusvorstände eingefunden, die ihren gegnerischen Standpunkt früher durch Fernbleiben kennzeichneten. Der NamedesHerrn Dr. Leopold Kahn aus Wien, der über den „gegenwärtigen Stand der zionistischen Bewegung“ referierte, war die Anziehungskraft des Abends, Nachdem der Vorsitzende Herr cand. pliil. N. Rübenstein, die Versammelten hegrüsst hatte, fesselte Herr Dr. Kahn durch einen nahezu zweistündigen Vortrag die aufmerksam lauschende Versammlung. Der Referent besprach eingehend den „religiösen“ und den sogenannten „praktischen Zionismus“, der sich als undurchführbar erwies. Die Judenfrage kann eine definitive Lösung nur im „politischen“ Zionismus finden. Die drei Baseler Congresse haben uns gezeigt, dass wir am jüdischen Volke den erforderlichen Rückhalt haben. Unsere positiven Errungenschaften sind die Wiedererweckung des jüdischen Nationalbewusstseins, die Organisation aller Zionisten, die Colonialbank und die Sympathien, welche berufene Machtfactoren Europas uns entg tgenbringen. Wir haben die Einigung der Judenbeit, die dem Zionismus ergeben ist, zuwege gebracht, indem wir in religiösen.Fragen vollständige Toleranz üben.“ Den Ausführungen des Herrn Dr. Kahn folgte stürmischer Beifall; die populäre Tonart sowie die bibelgewandte Dialectik des Vortrages hatten zündend gewirkt. Nun erhob sich der Rabbiner Dr. Lei md ö rfer und erklärte öffentlich seine Zugehörigkeit zum Zionismus, der jedem Juden ein Gebot der Pflicht sein müsse. Herr F a s s e 1 forderte zur Gründung eines zionistischen Vereines auf. Es wurde sogleich ein vorbereitendes Gönnte gewählt, bestehend aus den Herren : Heinrich A11m a n u, Bernhard K o h n, Moriz Reben wurzl, Friedrich Fas sei, Simon A1 tm a n n. Dr. Reichert und Moriz F a s s el. 128 Theilnehmer — Herren und Damen — erklärten sich bereit, dem Vereine „Zion“ beizutreten. In der Discussion sprachen noch ein jüdischer Handelsangestellter, Herr Karp el es, und ein Jude aus Ungarn, Herr Neu. Beide Redner erklärten sich solidarisch mit dem Programme der politischen Zionisten und verlangten einige Aufklärungen, unter anderem darüber, ob sich das jüdischreligiöse mit dem zionistischen decke. Der Referent gab bereitwilligst über alles Aufschluss. Um die Mitternaehtsstunde wurde der Discussionsabend geschlossen. Herr Dr. Kahn konnte aus Teschen scheiden in dem Bewusstsein, dem Zionismus neue und ergebene Anhänger erworben zu haben. Loseflitz (Mähren.) Am 15. v. M. fand die feierliche Installation unseres neugewählten Rabbiners, Herrn Dr. J. Bergmann, statt. Ein langgestreckter Zug von Wagen, die den vollzähligen Ausschuss der Betvereine Muglitz und Littau, die Vertreter der hiesigen Ferialverbindung jüdischer Hochschüler „Severitas“ etc. trugen, war dem neuen Rabbiner zum Bahnhofe entgegen gefahren und geleitete ihn dann zum jüdischen Gemeindehause, wo die gesammte Judenschaft bereits Aufstellung genommen hatte. Hier begrüsste der Vorstandstellvertreter, Herr David Hirsch, in äusserst schwungvollen Worten den Rabbiner im Namen der Cultusgemeinde und bat denselben, für die geistige und moralische Hebung der langverwaisten Gemeinde zu sorgen und die alten Ideale neu zu beleben, Hierauf gab Ortsschulrath, Herr Carl Ehrlich, in einer ergreifenden Ansprache der Hoffnung Ausdruck, für unsere jüdische Jugend im neuen Seelsorger den wahren Erzieher und Bildner gefunden zu haben, der die Jugend nicht nur zu guten Menschen, sondern auch zu wahren Juden heranbilden werde. Nachdem noch ein Schulmädchen unter Ueberreichung eines Blumenstrausses sinnige Worte an den neuen Rabbiner gerichtet hatte, begab sich der Zug in den Tempel. Hier nun, vom Tempelvorstande Herrn Moses Stern begrüsst, hielt Rabbiner Dr. Bergmann unter gespannter Aufmerksamkeit der dichtgedrängten Zuhörer seine An trittspredigt, in welcher er ausführte, wie der Rabbiner der Gegenwart, der Zeit der allgemeinen nationalen Rückkehr, der Gemeinde den wahren Weg vorzeichnen soll, den wahren Weg, den unsere Väter gewandelt. Die Auseinandersetzungen des Predigers übten einen mächtigen Eindruck aus. Dem Festgottesdienste schloss sich ein Bankett an, an welchem auch der Vorstand der Cultusgemeinde M.-Aussee, mit Herrn J. Stern an der Spitze, theilnahmen. Nachdem daselbst Herr Leopold N e 111 in geistvollen Worten die Begriissungsrede gehalten hatte, ergriff Herr Dr. Bergmann neuerdings das Wort und förderte in zündenden Worten zum harmonischen Zusammenwirken der Alten mit den Jungen auf, indem er als besonderes Charakteristiken der jüdischen Volksseele das jederzeitige harmonische Zusammenklingen, der idealen Begeisterung der Jugend mit der nüchternen Erfahrung der Alten bezeichn et 6. Als Vertreter der Ferialverbindung „Severitas“ zog Herr cand.jur. Emil Hirsch einen Vergleich zwischen den Assimilationstheologen und den Theologen, die der zionistischen Richtung angehören und beglückwünschte seine Muttergemeinde, dass sie zu ihrem geistigen Führer einen aus der Reihe der letzteren genommen habe. Den Schluss bildete eine Damenkneipe, die in äusserst animierter Weise verlief. I emberg. (Ein Antrag auf Einführung jüdischer Curirii.) Der hiesige Profe sor c|er technischen Hochschule,