Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 35 (1.9.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die Welt“ Nr. 35 den Maire von Paris 50.000 Francs behufs Vertheilung an würdige Stadtarme ohne Unterschied der Confession. * In St. P e t e r s b u r g wird demnächst unter der Leitung des Herrn Dr. Grusenber g eine neue jüdische Wochenschrift in russischer Sprache, „Die Zukunft“ betitelt, erscheinen. Aus Lackenbach in Ungarn wird berichtet, dass unbekannte Strolche kürzlich im dortigen jüdischen Friedhofe einen Einbruchsdiebstahl verübten. Sie erbrachen die dort befindliche Spendenbüchse und suchten mit deren Inhalte, circa 20 Gulden, das Weite. * In der Londoner Great Assembly Hall fand am letzten Sonntag ein von mehreren 1000 Personen besuchtes jüdisches Meeting statt, auf dessen Tagesordnung ein Vortrag über die — AFaire Dreyfus stand. Dieses Massenmeeting wurde von Reverend Sheftzick einberufen, welcher auch als Hauptredner fungierte. Der Grandrabbiner von Frankreich, M. ZadokKahn, hielt kürzlich in Paris einen Vortrag über „Die Juden und das Friedensidea 1“. der lebhaften An klang fand und auch als Broschüre erscheint. * Der bekannte Kliniker Dr. Hermann Senator, Vorstandsmitglied der jüdischen Cultusgemeinde Berlin, wurde dieser Tage zum ordentlichen Professor an der medicinischen Facultät. der Berliner Universität ernannt. * Die grösste Frequentantenanzahl unter allen Schulen Englands hat die Londoner jüdische Freischule. Diese Lehranstalt wird täglich von 2800 Schülern besucht. Spenden für hungernde Boryslawer jüdische Arbeiter: Reinertrag des Festspieles in Podhajce.fl. 17.78 Verein Bnei Zion, Czortkow .„ 15.— LindnerRud. in Bielitz, Sammlung bei einem Ausfluge jüd. Abiturienten.„ 3.60 Zionisten in Kowno zu Ehren Nordaus Geburtstag „ 2.54 Summe . ... fl. 38.92 Hiezu die in Nr. 33 ausgewiesenen. „ 474.24 Summe .... fl. 513.16 Für zionistische Zwecke : Jacobsohn S. Kandau.fl. 0 60 Durch Landy Isidor in Stanislau gesammelt anstatt Telegramm nach Basel.„ 3.60 Für das Comite Beth Hasefer in Jaffa. Zum Jubiläum unseres unermüdlichen Vorkämpfers Dr. Nord au der Verein Bnoth Jehudn, Jassy fl. 2.39 Die erste Nummer der Mittheüungen des Actionscomites erscheint in der nächsten Nummer. Die zionistische Bewegung. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionistencongresses, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionistencongresses, Basel zu senden. - Das Actions-Comite. Wygoda. Am 12. August hielt im hiesigen Vereinslocale „Dorsche Zion“ vor einer grossen Versammlung Herr Rabbiner Dr. J. Bergmann einen Vortrag über Zionismus, worin Redner die Lage der Juden schilderte und als Ausweg aus der Judennoth den Zionismus bezeichnete. Der Vortrag wurde mit grösstem Beifall aufgenommen. Stanislau. Das unermüdliche Kreiscomitö der hiesigen Zionisten entfaltet eine umfangreiche agitatorische Thätigkeit in der Provinz. So wurde am 6. v. M. der erste grössere Agitationsausflug nach dem Fabriksstädtchen Ottynia veranstaltet, wohin durch den Verein „Zion“ und den rastlosen Herrn David S o f e r eine V olksver Sammlung einberufen worden war. Dieselbe fand in der grossen Synagoge unter Vorsitz des Herrn Ludwi g Kleinberg statt. Vor einem zahlreichen Publicum, worunter sich viele Damen befanden, sprachen die Herren Dr. R. Jonas (deutsch), Z. S z a p i r a (hebräisch) und cand. ehern. L. Sztencel (polnisch). Nach diesen beifällig aufgenommenen Ansprachen und dem Absingen der zionistischen Volkshymne wurde noch ein höchst animierter Gommers abgehalten, geleitet durch die Mitglieder des Actionscomites „Bar-Kochba“ in Stanislau. Zahlreiche Toaste wurden amgebracht und noch manche schöne Rede gesprochen, während jur. Jos. Füllenbaum für den musikalischen Tb eil in vorzüglicher Weise Sorge trug. Vereinsnachrichten. Nikolajeff. Bis vor kurzem gab es hier blos zionistische V o 1 k svereine, zehn an der Zahl, mit etwa 600 Mitgliedern. Es fehlte jedoch an einem Verein von „Intellectuellen“, der die Sache geleitet hätte. Samstag, den 5. v. M. ist nun ein solcher Verein dank der unermüdlichen Thätigkeit des Herrn phil. Dr. M. Kreps ins Leben getreten. Herr Dr. Kreps berief nämlich die jüdischen Honoratioren unserer Stadt zu einer Versammlung und hielt eine zündende Ansprache, die allseits Beifall fand und zur Constituierung des erwähnten Vereines führte. Zum Präsidenten desselben wurde Herr Dr. med. Mandelstamm, zum Vicepräsidenten Dr. med. Rappaport und zu Ausschussmitgliedern die Herren Sacharsohn, Scherr, Aysmann, Gorodinsky und Feldstein gewählt. Als Ersatzmänner wurden ferner die Herren Dr. med. Braun und Skoblyankoff nominiert. Zeitschriftenrundschau. Das in Budapest erscheinende „Jüdische Tageblatt“, ein officielles Organ der ungarischen orthodoxen Landeskanzlei, druckt in seiner Nummer vom 3. August den in unserem Blatte reproducierten Brief Max Nordau s an den Herausgeber des „Siede“, M. Ives Guyot, wortgetreu ab und knüpft daran folgende Bemerkungen : „In obigem Briefe Nordaus ist der Zionismus in einer Weise dargelegt, wie ihm jeder Jude zustimmen könnte. Wir Juden Ungarns haben wohl keine Ursache, uns über Unterdrückung und Verfolgung zu beklagen; wir leben als freie Bürger in einem freien Staate, als gleichberechtigte Kinder des theuren Vaterlandes. Wenn wir aber die überaus traurige Lage bedenken, in welcher sich unsere Brüder in Russland, Rumänien, Galizien und anderen Ländern befinden, bemächtigt sich unser ein Gefühl der Wehmuth und des Schmerzes, des tiefsten Mitleides. Wir möchten ihnen so gerne helfen. Mit Almosen ist ihnen nicht geholfen: sie sollen nicht zu Bettlern gemacht werden, sondern fleissige Arbeiter, redliche, anständige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden. Dazu kann ihnen nur die Colonisation verhelfen. Und dass letztere im Heiligen Lande unserer Väter vorzuziehen ist, als im unjüdischen Amerika, darüber kann doch bei keinem ehrlichen Juden auch nur der geringste Zweifel herrschen. Und da der Zionismus in erster Reihe dazu berufen ist, die jüdische Colonisation in Palästina zu fördern, verdient diese Bewegung unsere ernste Aufmerksamkeit.“ Dass sich nun der zionistische Gedanke auch thatsächlich in den orthodoxen Kreisen Ungarns Bahn bricht, dies geht aus einem Artikel hervor, der einen Herrn J. Stern in Varannö zum Verfasser hat und in der Nummer des „Jüdischen Tageblatt“ vom 9. d. M. zum Abdrucke gelangt ist. Es heisst in diesem „Der Zionismus und die Juden Ungarns“ betitelten Artikel u. a.: „ . . . Auch bei uns in Ungarn sieht es übrigens nur in den grösseren Städten mit den Juden gut aus, aber in den kleineren Ortschaften schiessen die von der Geistlichkeit gegründeten antisemitischen Vereine wie die Pilze aus der Erde hervor, wuchern unter dem zum Deckmantel dienenden Titel „Consumvereine“ solche Körperschaften