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Die Welt · 1899-09-01 · 35 (1.9.1899) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
35 (1.9.1899)
Article
Die Untersuchungen des Kriegsgerichtes in Rennes
Date
1899-09-01
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 35 „Die H Welt“ Seite 11 gerichtes, Oberst Maurel, musste, nachdem auch er von Labori der Lüge überführt worden, zugeben, dass den Richtern des damaligen Kriegsgerichtes in geheimer Sitzung Papiere vorgelegt wurden, die sich indessen als gröbliche Fälschungen erwiesen haben und dass überhaupt damals in der fahrlässigsten Weise „Recht" gesprochen wurde, ßertiilon, der hirnverbrannte Narr, dessen graphologisches Votum sehr viel zur Verurtheilung des Drey fus’ beitrug, hat auch in Rennes seinen Aberwitz mit der behaglichen Selbstgefälligkeit des Halbblöden breitgetreten. An Schrift experten, die den Bertillon’schen Stumpfsinn festgenagelt und die Esterhazy-Herkunft des Bordereaus nachgewiesen haben, hat es nicht gefehlt. Die Berichte betonen unisono die musterhafte, sympathische Haltung des Dreyfus* Seinen kurzen Ausführungen, mit denen er, wenn es nothwendig ist, in die Verhandlungen eingreift, wohnt der Ton der Wahrheit inne. Labori, der sich bereits von den Folgen des tückischen Attentates erholt hatte, ist der denkbar beste Verthei di ger. Die Fälschersippe zittert vor ihm. Du Paty traut sich im Vollgefühle seines schlechten Gewissens nicht in das Lycee. Er simuliert Krankheit und sendet auch dem zweiten Kriegsgerichte gefälschte Papiere — ein Krankheitszeugnis. Im Verlaufe der Untersuchung wird von den einzelnen Zeugen immer wieder hervorgehoben, dass der Antisemitismus die Fallschlinge für D r e y f u s geknüpft hat. — Hoffentlich wird diesmal die Wahrheit ihren Sieg feiern und der Unschuldige rehabilitiert werden. Jüdische „Wunderkinder". Im grossen Saale des New-Yorker „Hebrew-Institute" fand kürzlich ein höchst interessantes Concert statt. Der New-Yorker Musikprofessor Phonaroff war der Veranstalter, und sämmtliche Mitwirkende waren Judenkinder von der East-Side im Alter von 8—12 Jahren, welche durch ihr brillantes Violin-, Clavier- und Flötenspiel ungeheueres Aufsehen erregten. Professor Phonaroff erklärte einem Interviewer bei dieser Gelegenheit, er hätte im Verlaufe von einem Jahre im New-Yorker Juden viertel mehr als ein halbes Hundert eminent musikalisch veranlagter Kinder — darunter viele unter 10 Jahren — gefunden, die ihn durch ihr herrliches Spiel verschiedener Instrumente geradezu verblüfften und denen allen er eine grosse Zukunft prognostiziert. Jüdische Kunst. Unser Gesinnungsgenosse, der bekannte Maler und ausgezeichnete Illustrator E. M. Lilien in Berlin, hat für seine Bibliothek ein kunstvoll verziertes „Exlibris" mit hebräischer Inschrift gezeichnet, das in weiten Kunstkreisen gerechtes Aufsehen hervorruft und u. a. in der bei V elhagen und Klasing erscheinenden „Zeitschrift für Bücherfreunde" eine überaus günstige Besprechung erfahren hat. . Der Wochenbericht des Matrikelamtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 13. bis 19. August 1899 verzeichnet 40 Geburten, 21 Sterbefälle und 14 Trauungen. - Personalnachricht. Herr Gustav Borisevvitz, Juwelier in Wien, hat sich dieser Tage mit Fräulein Etty Friedin ann, Tochter des allseits geschätzten Lectors M. Friedmann, verlobt. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien. Aus Anlass des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. fand Freitag, den 18. August 1899 im Tempel, I, Seitenstettengasse Nr. 4, um 9 Uhr vormittags und im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 3, um 10 Uhr vormittags ein solenner Gottesdienst statt. Bad Ernsdorf (Schlesien.) Sonntag, den 6. d. M. veranstalteten die hiesigen jüdischen Gurgäste im Garten des Herrn Sima chowitz eine Tombola nebst Tanzkränzchc zu wohlthätigen Zwecken, um deren Zustandekommen sich die Comitemitglieder, Frau Sophie N e u f e 1 d, Frau Alexander Horowitz, Frau Alexander Landau, Frau Adolf Pamm, Herr K e m p le r und Herr Weiustock, sich besondere Verdienste erwarben. Das Reinerträgnis von 120 fl. wurde dem Herrn Rabbiner Dr. Thon aus Krakau mit der Bestimmung übergeben, 15 fl. an die hierortige Gemeinde, 50 fl. an hiesige arme Gurgäste, 30 fl. an einen Krakauer Bekleidungsverein, endlich 25 fl. an eine Krakauer Volksküche zu leiten. Wien. (B e t h a u s „L i wi a s Che n", II., Obere Donaustrasse 89.) Der Verkauf der Betsitzkarten findet täglich morgens von 7 bis 9 Uhr und abends von 6 bis 8 Uhr im Vereinslocale, II., Obere Donaustrasse 89, statt Lemberg. (Ein Pendant zu den vorjährigen galizischen Judenexcessen.) Bekanntlich brachen die „Unruhen" traurigen Andenkens im Sandecer Sprengel aus. Dass auch heuer ein in dieser Gegend angesammelter Zündstoff nicht mit den entsprechenden Begleiterscheinungen explodierte, ist dem blossen Zufalle zu verdanken. Mehreren hiesigen polnischen Blättern zufolge erzählten sich auf einem Jahrmärkte in Alt-Sandec die Bauern, dass am 7. Juni bei den Juden abermals werde geraubt werden dürfen. Mehrere dangen daher Handlanger aus dem benachbarten Moszczenica, versahen sich mit einer Anzahl von Aexten und Säcken und begaben sich nach Alt-Sandec, um das ruhmvolle und lohnende Werk auszuführen. Im Vorgefühle der reichhaltigen Beute, die ihnen bald zutheil werden sollte, erlaubten sich die Helden, antiquo more polonico, ein Gläschen zuviel des Guten zu gemessen. Zufälligerweise gieng aber vor ihrem „Lager" ein Gendarmerieposten vorbei, der, nachdem er ihren löblichen Plan erfahren hatte, in Bezug auf die Realisierung desselben mit ihnen nicht übereinstimmte und sie von dem edlen Vorsatze abbrachte, indem er sie nach Neu-Sandec behufs weiterer Untersuchung transportierte. Am 9. August fand nun dieserhalb die Gerichtsverhandlung statt, bei welcher zwei Rädelsführer verurtheilt wurden. Allerlei Nachrichten. Aus dem Y e m e n wird gemeldet, dass sich die Lag« der dortigen Juden seit kurzem ein kleinwenig gebessert habe, was auf die Intervention des englischen Consuls zurückzuführen ist. * Bekanntlich existiert in Russland seit dem Jahre 1881 eine Verordnung, die den Leitern der Gliedarim verbietet, in russischer Sprache Unterricht zu ertheilen. Wie nun „W oschod“ meldet, ist diese Verordnung durch eine neue umgestossen worden, welche die russische Sprache als obligatorischen Lehrgegenstand auch für die jüdischen Schulen erklärt. * Im Juni dieses Jahres wurden in Ungarn 29 Mischehen zwischen Juden und Christen geschlossen. In 13 Fällen war der Bräutigam, in 16 Fällen aber die Braut jüdischer Confession. * Nach dem officiellen Berichte der New-Yorker Einwanderungscommission sind im Monate Juni d. J. 3865 Juden nach Amerika ein gewandert. Von diesen verblieben 2933 in New-York, während sich 932 ins Innere des Landes begaben. Der grösste Th eil dieser Einwanderer stammt aus Russland, Rumänien und Galizien und nur ein ganz kleines Contingent stellen Deutschland, Frankreich, Grossbritannien. * Die Brüder Rothschild in Paris übersandten aus nAnJars des Todes ihrer Mutter im vergangenen Monate an

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