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Die Welt · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
34 (25.8.1899)
Article
Rede von Sir Francis Montefiore
Date
1899-08-25
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 34 „Die A Welt“ Seite 13 Die Pionniere fast aller grosser Bewegungen sind immer zuerst als Enthusiasten dem Gespötte preisgegeben worden* Man sollte eben nicht übersehen, dass ohne Enthusiasmus überhaupt kein grosses Werk vollbracht wurde, noch vollbracht werden kann. Ebenso dürfen wir auch nicht vergessen, dass heutigen Tages die Ereignisse schnell fortschreiten, und dass Vieles, das noch vor fünfundzwanzig Jahren für unmöglich gehalten wurde, heutzutage ganz im Bereiche praktischer Politik liegt. Ich leugne allerdings nicht, meine Herren, dass der Zionismus viele Schwierigkeiten zu überwinden hat. Aber, was thut denn das? Ist dies nicht so bei jeder neuen Idee? Und im vorliegenden Falle sind gewiss keine Schwierigkeiten vorhanden, die nicht mit Hilfe jener wesentlich jüdischen Charakter-Eigenschaften, wie Energie und Ausdauer, schliesslich überwunden werden können. Der Weg zu unserem Ziele mag ja rauh und steinig sein, — aber man bedenke nur, mit welch hohem Preise wir belohnt werden: Steht ja doch am Ende des Weges Jerusalem in seiner ganzen Glorie! (Langandauernder stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Lassen Sie sich nicht abschrecken durch die Leute, welche erklären, die Ausführung des zionistischen Programms sei unmöglich und sollte deshalb gar nicht in Betracht gezogen werden. Das ist nichts als eine beklagenswerte Täuschung. Es gibt doch wahrlich noch andere reale und erstrebenswerte Dinge in der Welt, als die Anhäufung von Reichthümern und die käufliche Erwerbung von Titeln! — (Stürmischer Beifall und Händeklatschen). Doch meine hochgeehrten Herren, ich muss mich jetzt kurz fassen, denn es wäre unverzeihlich von mir, Sie noch länger aufzuhalten. Gestatten Sie mir nur, Ihnen noch zu sagen, dass es eine ausserordentliche Freude für mich war, dieser hoch an sehnlichen Versammlung der Elite des jüdischen Volkes beizuwohnen, einer Versammlung, die zu dem edelsten Zwecke hier tagt: Ist es doch der höchste Zweck des Zionismus, das Volle Israel emporzuheben ans seiner gegenwärtigen Stellung in der Welt, emporzuheben zu einer Stellung, die seiner glorreichen Tradition würdiger ist! (Lebhafter Beifall). Ist nicht so der Zionismus der Leitstern, der uns den Weg zeigt nach dem geliebten Lande, das unseren Vätern gehörte, und von dem der Allmächtige geoffenbart hat, dass es uns dereinst wieder angehören soll? Und dann müssen Sie sich organisieren, müssen jeden inneren Zwist meiden, — und dass jeder nicht etwa nur seine eigene Ehre, sondern auch die Ehre unserer heiligen Sache im Auge behalten möge. — (Lebhafter Beifall.) Was meine Person anbelangt, so kann der Zionismus wohl viel fähigere und mächtigere Stützen haben als ich es sein kann, dass er aber gewiss keinen treuer ergebenen Anhänger besitzt, als ich es bin, dessen kann ich Sie versichern. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen). Ich bin von ganzem Herzen und von ganzer Seele mit Ihnen; (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) denn seit meiner frühesten Jugend, wo ich meinen seligen Oheim, Sir Moses Montefiore (Minutenlanger, tosender Beifall und Händeklatschen im ganzen Saale und auf der Gallerte — die Versammlung erhebt sich.) über dieselbe Sache habe sprechen hören, habe ich stets das lebhafteste Interesse für alles empfunden, was das Heilige Land betrifft. — — (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Hochgeehrte Herren, meine Dienste, das können Sie gewiss sein, werden alle Zeit zu Ihrer Verfügung stehen; denn ich werde es als das höchste Privileg betrachten, dieser grossen und glorreichen Sache des Zionismus förderlich und hilfreich zu sein. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen. — Redner wird beglückwünscht.) Auf Antrag eines Congressmitgliedes wird die Drucklegung von Montefiores Rede beschlossen. In der Nachmittagssitzung spricht Herr Buber über die Verbesserung der Agitation. Er wünscht einen Centralausschuss für Agitation, an dessen Spitze ein Mitglied des Wiener Actionscomites stehen soll. Dieses Mitglied des Comites soll sich hauptsächlich mit allen Agitationsfragen befassen. Redner legt hierauf einen ausführlichen Vorschlag über die Organisation dieses Coxnitäs vor. Ferner beantragt der Agitationsausschuss, dass 50% der Schekelgelder in dem Lande bleiben sollten, wo sie gesammelt worden seien. Er beantragt eine Art A-B-C- Buch, in welchem in leicht fasslicher Weise, etwa in der Form von Frage und Antwort das Programm der Zionisten erklärt und seine Begründung gegeben werden soll. Delegierter Usischkin beantragt, der Congress ntöge nur einmal in 3 Jahren stattfinden. Die Delegierten mögen von 200, nicht wie bisher von je 100 Mitgliedern gewählt werden. Die Zahl der Mitglieder des A.-C. soll nicht übersteigen dürfen. Delegierter Chi sin wendet sich gegen die Bestimmung des Organ isafcionsent wurfes, dass das passive Wahlrecht erst nach vollendetem 24. Jahre ausgeübt werden könne. Er wünscht, dass das Wiener A. C. nur aus drei Mitgliedern bestehe. Delegierter Rapopor t und Prof. Gottheil berichten über eine Sitzung der amerikanischen Delegierten. Hierauf nimmt Dr. Kahn das Wort, um über die Culturfrage zu sprechen. Nach ihm begründet Rabbiner Reines aus Ly d a seinen orthodoxen Standpunkt in Bezug auf die Culturfrage und er beantragt, die Zahl der russischen Delegierten auf 12 zu erhöhen, weicher Antrag angenommen wird. Anstatt des Finanzausschusses werden 2 Revisoren ernannt: Herr Gustav Kahn und C o w en, als Ersatzmänner Feldstein und Nachmias. Dr. H e r z l bittet, in den Bankausschuss anstatt seiner Herrn Dr. Schauer- Mainz zu wählen. Es geschieht. Namens der zum Berichte des Organisations-Ausschusses gemeldeten Redner spricht als General redner pro Dr. S i 1 b e r s t r o m. Er erklärt, der Bericht der Commission sei das Gründlichste, was zu schaffen gewesen. Der Congress soll nur einmal alle 2 Jahre abgehalten werden und je 100 Mitglieder einen Delegierten wählen und nicht, wie Ussischkin will, je 200, indem manche westeuropäischen Städte nur 100 Schekelzahler aufweisen. Er bittet um Annahme en bloc, weil alle Staaten berücksichtigt seien. Dr. Boden heim er als Cotraredner erklärt, dass er gegen 5 Punkte, die er namentlich aufzählt, Bedenken habe. Dr. J. W. Marmor ek vertheidigt den als Comprpmiss ein gebrachten Organisationsentwurf. Man solle bis zum nächsten Congresse erst praktische Erfahrungen damit machen. Es wird über den Entwurf des Organisations-Ausschusses abgestimmt, und zwar zunächst für den unbestrittenen Th eil, sodann für den bestrittenen, mit den vom Actionseomite acceptierten 3 Punkten. Beide Anträge werden angenommen. Die Anträge des Agitationsentwurfes werden als Resolution angenommen. Dr. Tschlenoff berichtet namens des Colonlsations-Ausschusses, der seine Beschlüsse einstimmig gefasst habe. Er empfiehlt dem Actionseomite oder der Colonisations-Commission, mit den bestehenden Colonisations-Gesellschaften in Fühlung zu bleiben und namentlich die in Palästina wohnenden Juden in erster Linie zu berücksichtigen. Es sei eine Commission von 16 Mitgliedern zu wählen mit dem Rechte, sich zu cooptieren. Diese Commission habe in Palästina ein Bureau zu errichten, und Palästina und Syrien behufs Colonisierung zu erforschen. Auch solle es einen Juristen heranziehen, um auf wissenschaftlichem Wege Untersuchungen anzustellen. Die nöthigen Mittel habe das Actionseomite zur Verfügung zu stellen. Er beantragt folgende Resolution: Mit aufrichtiger Freude habe der Congress Kenntnis genommen von beabsichtigten Erwerbungen in Palästina. — Auch möge gut situierten Juden in Palästina Credit gewährt werden. Er bedauert die Missverständnisse, welche bezüglich der verschiedenen Colonisations-Gesellschaften vorgekommen seien. Dr.Her z 1 bittet uin die Ueberweisung der Resolution an das Actionseomite, da durch die grosse Anzahl neuer Gesichtspunkte, die darin zum Ausdruck gekommen sind, eine Discussion heute zur Unmöglichkeit gehöre. Mr, G r e en b e r g, namens der vom vorigen Congresse gewählten Colonisations-Commission, bemerkt, dass die Commission leider bis jetzt wenig Gelegenheit zur Arbeit hatte. Sie wollte die Makkabäergräber in Modln erwerben, wozu ein Betrag von 1000 Pf. St. nothwendig sei. Die Commission hofft jedoch, den Zweck zu erreichen. Ein Unterstützungsgesuch einer kleinen Colonie bei Jericho konnte berücksichtigt werden, womit die Commission ein Zeichen der Sympathie für die bereits beschlossene Colonisation ausgedrückt hat. Hr. Davis Tr i e s c h wollte zur Colonisation von Cypern das Wort ergreifen, wurde jedoch durch Schlussrufe unterbrochen, so dass der Präsident sich schliesslich genöthigt sah, an den Congress die Frage zu richten, ob er Herrn Triesch weiter anhören wolle, was verneint wurde. Von den Obmännern der verschiedenen Commissionen werden die Anträge auf Besetzung der Commissionen eingebracht, die angenommen wurden. Ebenso beharrt die Permanenzcommission auf der Nominierung der von ihr bereits vorher namhaft gemachten 5 Herren des engeren

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