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Die Welt · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
34 (25.8.1899)
Article
Die Rede Dr. Max Nordaus
Date
1899-08-25
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Pit <►-< Redaction * Erscheint jeden Freitag. 4 > - ♦ Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petit¬ Wien an die Redaction oder Administration: Wien, IX., zeile 10 kr. IX., Türken strasse 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. ——— Telephon Nr. 14199. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. ♦-- > Manuscripte nicht zurückgesendet. ..- < ■ + RpyirfQnrpiitf ■ Oesterreich- Ungarn: ganzjährig (j fl. 12 Kr., halbjährig 3 fl. 6 Kr. Für das Ausland: Deutsch- DUliUgoj^UUoDa land ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Fr cs., halbjährig 8 Fr cs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Gt. Nr. 34 Wien, 25. August 1899. 3. Jahrgang SIP"* Da Ende dieses Monats eine grössere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. Der dritte Zionisten=Congress. Die Rede Dr. Max Nordaus. Geehrte Versammlung! Die Vertreter des jüdischen Volkes versammeln sich heute zum drittcnmale im gastlichen Basel. Die Stimmung, in der wir uns begegnen, muss nun eine andere werden, wie unsere Aufgaben andere geworden sind. Vor zwei Jahren, auch noch im vergangenen Jahre, haben wir hier etwas wie einen wachen Träum gelebt. Uns schien, wir seien Zeugen eines Wunders, das sich um uns und an uns begebe. Wir zweifelten fast an seiner Wirklichkeit., die wir doch mit allen Sinnen feststellen konnten. Uns war märchenhaft zu Muthe, wie Brüdern, die seit tausend Jahren im Grabe gelegen hätten und nun plötzlich wieder im Fleische vor einander ständen, einander lebendig in die Augen blickten und die Hand drückten. Unser erster Drang war, uns des Wiedersehens, der Wiedervereinigung zu freuen, die Weihe der einzigen Stunde voll zu empfinden und einander zu sagen und zu klagen, was wir als Scheintodte, als lebendig Eingesargte all die Jahrhunderte in unserem Grabe ohne Grabesruhe erlitten hatten. Dann bemühten 'wir uns, über unsere Lage einen vollen Ueberblick zu gewinnen, uns über unsere Verfassung, unsere Beziehungen zu den Völkern, unsere Hoffnungen, Wünsche, Gefahren und Aufgaben Rechenschaft zu geben, klar zu erkennen, wer unsere Freunde, wer unsere Feinde, welches unsere Hilfsmittel, welches unsere Schwächen und Gebrechen sind. Dieses allgemeine Inventar des jüdischen Volkes ist nunmehr ausgenommen. Wir haben es nur noch auf dem Laufenden zu halten. Wir haben nur noch die Aenderungen einzutragen, die in unseren Verhältnissen etwa eintreten mögen. Im vergangenen Jahre sind derartige Aenderungen nicht eingetreten. Es werden auch in absehbarer Zeit keine eintreten, wenn wir sie nicht mit eigener Anstrengung selbst herbeiführen, wir, die Zionisten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir haben die Stellung des jüdischen Volkes inmitten der übrigen Völker beleuchtet. Wir haben gezeigt, dass es trotz der Bemühungen vieler seiner Söhne, ihr Volksthum wirklich zu vergessen, oder mindestens zu verleugnen und unkennbar in ihrer Umgebung aufzugehen, überall als fremd empfunden, vielfach als Eindringling angefeindet wird. Wir haben bewiesen, dass es Verleumdung ist, wenn man den Hass, der uns in den meisten Ländern grausam verfolgt, die zurückscheuchende Kälte, die uns überall umgibt, mit angeblichen schlechten Eigenschaften des jüdischen Volkes zu begründen sucht. Unsere Fehler sind die Fehler aller Menschen, die in dergleichen gesellschaftlichen und geschichtlichen Verhältnissen leben würden, und neben diesen Fehlern, die wir nicht zu leugnen brauchen, dürfen wir uns mancher Vorzüge rühmen, die nicht jedem anderen Volke in demselben Masse eigenthürhlich sind. Wir haben aus alledem den Schluss gezogen, dass man uns basst und verfolgt, weil wir eine leicht zu erkennende Minderheit und überdies von den finsteren Zeiten des Mittelalters her mit fanatischen Ueberlieferungen belastet sind, dass unser Los das Los jeder leicht kenntlichen Minderheit ohne Macht und Prestige ist, und das es nur drei Mittel gibt, es anders zu gestalten. Erstens eine grundstürzende Aenderung der menschlichen Natur, wie sie in der Haltung jeder Mehrheit gegenüber jeder ihr wehrlos ausgelieferten Minderheit zu Tage tritt. Urtheilen Sie, ob eine derartige Aenderung in absehbarer Zeit wahrscheinlich ist. Zweitens die Unkenntlichmachung der Minderheit, d. h. in unserem Falle die Abstreifung aller unserer Besonderheiten, unseres Glaubens, unserer Bräuche, unserer Ueberlieferungen, sogar unserer Gesichtsbildung. Urtheilen Sie, ob dies möglich, und zugleich, ob es wünschenswert ist.

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