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Die Welt · 1899-08-18 · 33 (18.8.1899) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
33 (18.8.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-08-18
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „Die Hc Welt“ Nr. 33 besuchen, Die Eede Herzls widerlegt in bündiger, klarer Weise die grundlegenden „Glaubenssätze" dieser Opposition. * * * * Nach der Rede Herzls wurde die Wahl des Bureaus und der Ausschüsse vorgenommen. — Dr. Herzl wird per Acclamation zum Vorsitzenden des Kongresses gewählt, zu Vicepräsidenten Dr. Max Nordau und Di*. G aste r. In den Finanz-Ausschuss wurden gewählt: Dr. Solis Cohen, Philadelphia; Wolfsohn, Cöln; Kremenetzky, Linz; Dr. Kornhäuse r,~ Jaslo; Ing. Kessler, Johannesburg (Transvaal); Schallt, Riga; M o t z k i n, Kiew; Nachmias, Bukarest; Bellcovsky, Petersburg; Moses, Kattowitz; Gustav Cohen, Hamburg. In den Legitimations -Ausschuss wurden gewählt: Rosenbaum,Minsk; Ing.Bruck, Jekaterinoslaw; J. Stern, Bukarest; A. Lindenberg, Bukarest; Kurzmann, Rzeszow; Meyer, New-York; Seidener, Wien; Dr. Friedemann, Berlin; W o 1 p e, Gorlice; Dr. Rosen heck, Kolomea; R i n t e 1, Rustschuk. * * * Nach den Ausschusswahlen betrat Dr. Nordau die Rednertribüne und hielt einen zündenden Vortrag über die allgemeine Lage der Juden*) Nordau zeigte in seinem Vortrage, dass die Lage der Juden eine immer gleichbleibende, unsichere sei, dass in absehbarer Zeit weder eine judenfreundlichere Haltung nichtjüdischer zu antisemitischen Ausschreitungen bereiter Volksmassen, noch auch andererseits eine Amalgamierung der Juden zu erwarten sei. Ausweg aus dem Dilemma: Zionismus. Während der Rede Nord aus wiederholten sich die gleichen Beifallsstürme wie hei der Rede Herzls. Dramatisch wirkte der Th eil der Rede, wo Nordau sich mit directer Ansprache an die anwesenden Rabbiner wandte und sie zur Propaganda für den Zionismus aufforderte. Die Eintheilung der Juden in „Vulkanisten" und „Neptunisten" wurde lebhaft acclamiert. Auch in Nordaus Rede wurde der versöhnliche Ton, den der Redner bei der Kritik der Nichtzionisten anschlug, sehr sympathisch vom Congresse aufgenommen. Stellenweise erweckte die treffende Beschreibung der Zionsgegner Heiterkeit. Unter dem grossen Eindrücke der Rede Nordaus wurde die Vormittagssitzung geschlossen. * * * Nach Schluss der Vormittagssitzung konnte man Dr. N o r d au im eifrigen Gespräche mit einigen orthodoxen russischen Rabbinern sehen. Es war ein merkwürdiger Anblick. Der Freidenker, der Verfasser der „conventionellen Lügen“, in intimem Gespräch mit den Vertretern des strengsten religiösen Judenthums. Nordau erklärte den Rabbinern, wie sie für. den Zionismus wirken könnten. * * * II. Sitzung. Dienstag Nachmittag. Der Präsident Dr. Herzl hält den beiden dahingeschiedenen Gesinnungsgenossen B. Donreich (Wien) und Meir Aronowsky (Odessa) einen kurzen Nachruf. Hierauf folgt die Verlesung der Zustiinmungsknndgebungen an den Congress. Es ist eine grosse Menge Telegramme, Zuschriften etc. aus allen Ländern an den Congress gekommen. Bei der Discussion über die Geschäftsordnung des Congresses wird die vorliegende Geschäftsordnung mit einem kleinen Amendement en bloc angenommen. *) Anmerkung der Redaction: Es ist uns erst in nächster Nummer möglich, die Rede Nordaus zu bringen. Den folgenden Rechenschaftsbericht des Actionscomites hält Herr Architekt Marmorek: Rechenschafts-Bericht des Actions-Comites Ober seine Thätigkeit im Jahre 1898/99. Als der Zionistencongress in dieser herrlichen lind gastlichen Stadt zum erstenmale zusammentrat, als das schier Unmögliche zur Wirklichkeit geworden war und der Zionismus einen sichtbaren Ausdruck gefunden hatte — da erfasste alle Anwesenden eine Begeisterung, ein Enthusiasmus, den nur diejenigen ganz begreifen können, welche das Glück hatten, dieser historischen Versammlung beizuwohnen. Aber glücklicherweise ergriff“ die Begeisterung nur die Herzen der Mitglieder unserer constituierenden Versammlung, nicht ihre Köpfe. Mit einer Klarheit und Schärfe, die unübertroffen sind, und mit einer Bedachtsamkeit und Sorgsamkeit, die in späteren Zeiten noch Bewunderung erregen werden, wies der erste Congress die Wege, welche das von ihm eingesetzte Actions-Comite zur Erreichung des heissersehnten Zieles zu gehen habe, und alle Nachfolger können nichts Besseres thun, als den eingeschlagenen Pfad weiterschreiten. Nach dreierlei Richtungen hat sich darnach die Thätigkeit des Actions-Comites hauptsächlich zu erstrecken: die öffentlich-rechtlichen Garantien und die Erwerbung des theueren Bodens zu erstreben und dieliiefür nöthigen Mittel zu beschaffen — aber beides wird umso leichter und rascher möglich sein, wenn erst die dritte Aufgabe erfüllt, das ganze jüdische Volk zum Zionismus gelangt ist. Darum hat auch das zweite vom Zionistencongress gewählte Actions-Comite gleich seinem Vorgänger als eine seiner hauptsächlichen Aufgaben die i n nere P r op a g a n d a erkannt, und wir haben die Bestrebungen zur Ausbreitung des Zionismus im Judenthume mit aller Kraft fortzusetzen uns bemüht. Ist es traurig genug, dass ein Theil. unseres Volkes das Zusammengehörigkeitsgefühl zum eigenen Stamme verloren hat, so ist es noch trauriger, dass gewisse Kreise und Organe, die sich angeblich die Pflege jüdischen Geistes und die Stärkung des Judenthums zur Aufgabe gemacht haben, diese Aufgabe zu erfüllen meinen, indem sie durch Entstellungen und Unterstellungen die zionistische Bewegung zu discreditieren sich bemühen. Das Volk über die wahren Ziele des Zionismus und dessen ehrliche Absichten aufzuklären, waren wir im letzten Iah re mit Erfolg bemüht. Alle Mittel der Propaganda: Presse, Broschüren, Flugschriften, Versammlungen, festliche Veranstaltungen und Wandervorträge — alle diese Agitationsmittel wurden in ausgiebigster Weise in den Dienst der zionistischen Sache gestellt. Das Congressprotokoll, welches ein deutliches Bild unserer Gedanken und Bestrebungen gibt, wurde in vielen Tausenden von Exemplaren in der deutschen und den hervorragendsten Sprachen verbreitet; ebenso wurden die Gong ressreden der Herren Dr. Herzl, Dr. Nor d a u, Dr. M a n d e 1 s t a m m und Dr. G a s t e r dem jüdischen Volke um einen geringen Preis zugänglich gemacht und viel gelesen. Die Schekelzahler erhielten ausserdem die für sie bestimmten „Zionistischen Mittheilungen“ zugestellt. Ebenso wurden mehrere zionistische Zeitungen unterstützt und gefördert; das unter der Aegide des rührigen Verlages „Achiasaf" neu entstandene und nunmehr stark verbreitete Jargonblatt „Der Jude" begnügte sich mit der Zusicherung unserer moralischen Unterstützung, ausserdem wurden zwei neue Zeitungen, eine spaniolische und eine französische, ins Leben gerufen. Was das spaniolische Blatt betrifft, so hielten wir insbesondere dessen Creierung für eine Nothwendigkeit. Von unseren Gegnern wurde unter den türkischen Juden verbreitet, dass die zionistische Bewegung gegen das .türkische Reich gerichtet sei. Es ist klar, dass die türkischen Juden

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