Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 33 (18.8.1899)
- Article
- Vom Gedanken zur That
- Date
- 1899-08-18
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Die M Welt 4-----1 Redaction Erscheint jeden Freitag. 4 Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht anlSmzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petit¬ Wien an die Redaction oder Administration: Wien, IX., zeile 10 kr. IX.) Türkenstrasse 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. ——— Telephon Nr. 14199. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. ♦--—i > Manuscripte nicht zurückgesendet. < >-♦ RpyilÖQHI'AlQA1 Oesterreich -Ungarn: ganzjährig 6 fl. ==>Jj2 Kr., halbjährig 3 il. ----- 6 Kr. Für das Ausland: DeutschllQ/iugdpiulüOa land ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 MkVSB Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Ct. Nr. 33 Wien, 18. August 1899. 3. Jahrgang Vom Gedanken zur That. Von Leo Raphaels. ''Greben wir uns keiner Täuschung hin. Wir sind in Gefahr, viele Zionisten unserer Sache zu entfremden. Wir sind auf dem Wege zur That. Diese Begründung mag paroclox klingen, diejenigen aber, welche die jüdische Volksseele kennen, wird sie nicht überraschen. Es ist eines unserer unterscheidenden Merkmale, dass unser Denken unserem Thun stets um riesige Entfernungen voraus ist, dass wir die Neigung haben, wie die Natur ihre Samen, .unsere Ideen auszustreuen, und sie dann sich selbst urid dem Zufälle zu überlassen; dass es uns grössere Genugthuung bereitet, mit der in dem Ge-'* danken schlummernden Möglichkeit zu spielen, als der unerbittlichen Wirklichkeit einer vollendeten Thatsaehe ins Auge zu sehen. Als das erlösende Wort von einem selbständigen jüdischen Gemeinwesen zum ersten male ausgesprochen wurde, schlug es wie ein Blitz in jedes bessere. Gemüth, und flammende Begeisterung trug im Verlaufe weniger Monate den zionistischen Gedanken in die entlegensten Winkel der Erde. Wenn in unserer alten Heimat, als noch der zweite Tempel bestand und das Synhedrion zu Jerusalem tagte, der Neumond erwartet wurde, stand von Judäa bis zu den nördlichsten Grenzen des Reiches auf jedem Berge ein Holzstoss bereit; sehnsüchtig sah man dem jungen Gestirn entgegen, und sobald das Synhedriön die Ueberzeugung von dem Erscheinen des Neumondes gewann, flammten die Zeichen auf den Bergen auf und trugen in einer Nacht die Kunde durch clas Land. Geradeso leuchtete das Wort vom Judenstaate in die ärmsten und entferntesten Gemeinden hinein, und aufathmend sagten die Gebeugten: Die neue, die langersehnte Zeit ist gekommen. Das war vor Jahr und Tag. Nur die ganz Beschränkten, ganz Ungebildeten, Unverbesserlichen blieben gleichgültig, sonst schwärmte jedermann für den neuen Gedanken, sowohl jene, welche äusserlich und innerlich dem Judentlium entfremdet waren, als auch jene, die am Ghetto niemals etwas auszusetzen gehabt hatten. Sogar moderne Rabbiner waren von Begeisterung für den Judenstaat ergriffen. Von diesen begeisterten Leuten stehen heute recht viele dem Zionismus kühl, wenn nicht feindlich gegen^ über. Was hat sich inzwischen ereignet, um ihren Enthusiasmus zu dämpfen, was hat den Umschwung in der Gesinnung oder in den Gefühlen dieser einstigen Zionisten bewirkt? Die Erklärung ist sehr einfach: Diese Herren scheuen den Schritt vom Gedanken zur T h a t. Der Zionismus der letzten drei Jahre hat mit unwiderstehlicher, aufopfernder Energie die Arbeit unternommen, die zweitausendjährige Idee endlich in Wirklichkeit umzusetzen, er schafft sich mit unermüdlicher Emsigkeit seine Werkzeuge und sein Material, er bahnt Weg; und Steg durch das diplomatische Urgestrüpp, mit jedem Tage nähert er sich um Riesenschritte dem grossen Ziele, mit anderen Worten: der Zionismus ist über das unendlich lange erste Stadium hinaus, er ist nicht mehr eine abstracte Idee, sondern eine politische Thatsaehe von mehr als europäischer, im Rathe der grossen Culturvölker anerkannter Bedeutung. Wahrhaftig, wir Juden sind ein wunderliches Volk! Wie ist es möglich, dass die zionistischen Erfolge der letzten drei Jahre nicht unsere gesammte Intelligenz mit Elementargewalt zu jener einmüthigen Theilnahme hinreissen, deren unsere grosse Sache bedarf? Die Grossen der Erde, der deutsche Kaiser, Lord Salisbury und in jüngster Zeit der Grossherzog von Baden haben es offen ausgesprochen, was sie von unserer Bewegung erwarten, und alle politischen Ereignisse der letzten Jahrhunderte zeigen uns, was ein Volk vermag, wenn es ernstlich will, nicht in einzelnen Vertretern, nicht in Gruppen, sondern in seiner Gesammtheit — und noch gibt es Juden von Herz und Geist, die fernab stehen und zaudern, während die Lage kräftiges Eingreifen, entschlossenes Handeln verlangt Je grösser das bereits Erreichte ist, desto beschämender ist die Lauheit jener Männer, die den Gedanken mit so überschwänglichem Jubel begrüsst haben und jetzt vor der That kleinrnüthig erschrecken. Wir haben durch die That die grosse Menge gewonnen, nicht den blinden, gedankenlosen Haufen, sondern jene Leute, die ganz von den Interessen des Tages in Anspruch genommen sind und nicht genug Flugkraft besitzen, um sich über den Augenblick zu erheben. Diese waren für den blossen (Jedanken nicht zu erwärmen; ■doE. .war .ein Traum, .eine Utopie.. Jetzt, da nach Jahren