Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 32 (11.8.1899)
- Article
- Die Juden in der persischen Hauptstadt Teheran
- Date
- 1899-08-11
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die 2^ Welt“ Nr. 32 ihre Glaubensgenossen in Russisch-Mittelasien gelangen lassen. Unter der persischen Bevölkerung soll sich eine stark antisemitische Bewegung bemerkbar machen. So haben z. B. kürzlich die persischen Kaufleute dem Sadr- Asam iGrossvezier) eine Bittschritt eingereicht.. in welcher sie darüber Klage führen, dass jüdische Männer ünd Frauen in Teheran mit ihren Waren von Haus zu Haus gehen und dieselben so billig anbieten, dass niemand bei den persischen Kaufleuten mehr kaufen wolle. Der Sadr-Asam antwortete hierauf sehr correct, dass Perser wie Juden die treuen Unterthanen des Schahs wären, der Handel der Juden nur auf die Concurrenz gegründet sei, und deshalb kein Anlass vorliege, den Juden den Handel zu verbieten. Die durch diese Ablehnung ihres Gesuches erbitterten Perser begannen nun eine viel weitergehende Forderung zu erheben, nämlich dass sämmtliche Juden aus dem Stadtrayon ausgewiesen und ausserhalb der Stadt in einem besonderen Ghetto angesiedelt werden sollten. Obwohl der Grossvezier wusste, dass hinter den Petenten die gesanmite Geistlichkeit stand, so besass er doch den Muth, auch dieses zweite Gesuch entschieden zurückzuweisen. Die persischen Kaufleute schlossen nun zum Zeichen des Protestes für einen, manche sogar für mehrere Tage ihre Geschäfte, und der Grossvezier hielt es für nöthig, zum Schutze der Juden vor Geh erfüllen starke Truppenahtheilungen nach dem jüdischen Viertel zu werfen. Das Schlimme ist nur, dass die Regierung dieser Truppen nicht ganz sicher ist, und so demnächst schwere Ausschreitungen gegen die persichen Juden durchaus picht unmöglich erscheinen. Jüdisches Auswandererelend. Neununddreissig mittellose jüdische Rückwanderer sind Samstag. 20. Juli abends mit dem Hamburger Dampfer „Viola“ von London nach Hamburg gebracht worden. Das jüdische Hilfscomite nahm sich der bedauernswerten Leute an, indem es dieselben einstweilen in einem Logierhause unterbrachte. lieber die Rechtsgiltigkeit der Ehen zwischen Israeliten und Andersgläubigen stellt eine von der „FrkJ. Ztg.“ mitgetheilte gerichtliche Entscheidung Folgendes fest: Die Vorschrift des Talmud, wonach die eheliche Verbindung eines Israeliten mit. den Angehörigen eines anderen Religionsbekenntnisses nichtig ist, verstösst gegen die öffentliche Ordnung und die Staatsgesetze. Sie kann deshalb bei Beurtheilung einer Ehe und der daraus fliessenden Rechte keine rechtliche Beachtung finden, wenn auch sonst im allgemeinen die Fähigkeit zur Eheschliessung sich nach dem Rechte und den Glaubenssatzungen beurtheilt, welche für die Ehegatten massgebend sind. Obiges im Auslände gefällte Urtheil entspricht auch den deutschen Rechtsgrundsätzen, wie sie im Personalstandgesetze und dem Eherechte des neuen bürgerlichen Gesetzbuches zum Ausdrucke kommen. Austreibungsantrag. Die Antisemiten haben, wie der „Dniewiük Warszawski“ berichtet, in einer Gemeindevertretersitzung zu Mircza im Gouvernement Lublin einstimmig beschlossen, den Kreisvorsteher zu Hrubieszow zu ersuchen, sämmtliche Juden aus der Gemeinde Mircza auszuweisen, weil man in ihnen die Urheber der grössten Raubanfälle und Spitzbübereien erblickt und die Juden anstössige Schaustellungen veranstalten, durch welche die Jugend verdorben werde. Wenn ein christlicher Gemeindeeingesessener einem Juden in seinem Hause Unterkunft gewährt, so solle er dafür 50 Rubel Strafe zahlen. Ein parlamentarisches „Minjan“. Durch die Candiclatur eines Mr. Edward M inliolls für das englische Unterhaus würde bei seiner Wahl die Zahl der jüdischen Mitglieder genau ein „Minjan“ betragen. Der Camiidat gehört der conservativen Partei an und ist Theilhaber eines der bedeu ten rlsten Bau m wo 11geseh äf'te. Monsignore Knab. Dieser Tage ist der ehemalige niederösterreichische Landtagsabgeordnete Monsignore Knab in München gestorben. Clerical in seinem politischen und schriftstellerischen Wirken, perhorrescierte er dennoch den rüden Antisemitismus der Wiener Christlich-Socialen und stimnte einst gelegentlich der Frage der Subvention an jüdische Waisenkinder im Gegensätze zu der sich christlich nennenden Partei zu Gunste.n unserer armen Waisenkinder. Julius Schlesinger. In Swine m ünde rettete ein Berliner Primaner, namens Julius Schlesinger, einen Lieutenant vom Tode des Ertrinkens in der Ostsee. Der neueste „Schwabenstreich“ kommt uns aus dem Rheinlande. In Rheydt ist den jüdischen Metzgern verboten, mehr als je ein Stück Gross- und Kleinvieh per Woche zu schachten. Weil das nun zu wenig ist für die Befriedigung der diversen jüdischen Magen, haben die auswärtigen Metzger den Vortheil davon und bedienen die „nofchleidende“ Kundschaft. Auf die wiederholte Beschwerde gestattet die Rheydter Ortsbehörde den Rheydter Metzgern — nicht etwa das Schächten des für den Bedarf nöthigen Viehes, sondern — das Hereinbringen des geschachteten Fleisches, wenn dasselbe aus einer mindestens 5 Kilometer weit entfernten Gemeinde herrührt. Difficile est . . . Aus Johannesburg wird telegraphisch unterm 1. d. M. gemeldet, dass der Volksraad den Antrag des Präsidenten Krüger auf Beseitigung der mit der Confession zusammenhängenden, Juden wie Katholiken gleicherweise treffenden Beschränkung der politischen (passiven Wahl-) Rechte ab gelehnt hat. Gegen die Mission. In London will man jetzt ein Gegenmittel gegen die Missionärplage an wenden. Es soll darin bestehen, dass einige Mitglieder sich zu jeder Missionsversammlung begeben, um gegen die Thätigkeit der Missionäre zu protestieren. Aus Belgien. Einen officiellen Antisemitismus gibt es bekanntlich in Belgien nicht. Das Nichtnaturalisierungsverfahren gegen die Juden wird nur angewendet, wenn die Gelegenheit vorhanden ist. Der neue Ministerpräsident Doctor Smets dürfte bald Gelegenheit finden, in der Judenfrage Farbe zu bekennen, indem die jüngst von den Kammern auf Betreiben des dermalen Ministeriums veranlassen Verweigerungen der Aufnahme verschiedener Juden in den belgischen Unterthanen verband neuerdings zur Vorlage geplant sind. Im Londoner Ghetto machen sich die hohen Herbstfeiertage bereits bemerkbar. Ueberall sieht man Placate der verschiedenen Vereine, dass sie Festgottesdienst halten werden. Jeder Verein nimmt dabei für sich die Ehre in Anspruch, den „berühmtesten Chasan“ und den „ausgezeichnetsten Prediger“ zu haben. Der, Wochenbericht des Matrikelamtes der israelitischen Cultusgemeinde Wien vom 23. bis 29. Juli vermerkt 42 Geburten. 14 Trauungen und 45 Sterbefälle. Der Ausweis der an das Boiyslawer Hilfscomite bis 30. Juni 1899 eingelaufenen Spenden verzeichnet an Einnahmen 1050 fl. 75 kr., an Ausgaben 1006 fl. 79 kr. Personalnachricht. Am 22. Juli 1899 fand die Promotion des i. A. B. der „Unitas“ Isidor Korn blüh zum Doctor der Rechte statt. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Lemberg. Unser Gesinnungsgenosse Rabbiner Doctor S. Gutmann, einer von den ersten, welche das Wiener Rabbinerseminar absolviert hatten, erhielt jüngstens einen Ruf von der hiesigen Tempel Verwaltung, den Rabbiner Dr. Caro für die Zeit seiner Abwesenheit zu vertreten. Am Samstag nach dem neunten Ab hielt nun Dr. Gut mann vor ein ein vollen Gotteshause seine Antrittspredigt. In einer