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Die Welt · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
32 (11.8.1899)
Article
Zionistischer Studententag in Lemberg
Date
1899-08-11
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 32 „Die A Welt“ Seite 9 II. Sitzung, 3 Uhr nachmittags. Auf Antrag des stud. jur. Rothblum wird ein Begrüssungstelegramm an das Actionscomite in Wien abgesendet Hierauf hält jur. Hass das Referat über „die Aufgaben der zionistischen Studentenschaft Galiziens“. Die traurige Lage der galizischen Juden ruft gebieterisch nach Besserung. Das materielle Elend kann nur dann weichen, wenn ihm eine moralische Gesundung vorangeht. Als Mittel hierzu werden vorgeschlagen: volkstümliche Vorträge, Verscheuchen des Aberglaubens und Stellung der Cultusgemeinden auf nationale Basis. (Beifall.) Stud. med. Schallt hält das Referat: „Organis ation und Agifation.“ Er schlägt die Gründung eines allgemeinen galizischen Bundes zionistischer Akademiker vor. Ais Agitationsmittel empfiehlt er: 1. die Herausgabe populärer Bücher iür die Schuljugend; 2. die Begründung eines Studentenorgans, das sich mit jüdischer Statistik und Folklore beschäftigen soll; 3. eine anzustrebende Reform des jüdischen Theaters; 4. Gründung von Volksuniversitäten in der Provinz. (Lebhafter Beifall.) Eine lebhafte Discussion entwickelte sich über die beiden letzten Referate. Hervorzuheben sind aus denselben die Reden des Dr. Malz und des Dr. Braude. Der E r s t e r e entwickelte den Gedanken, dass wir nicht die Tradition fortsetzen, nicht das Alte erneuern, sondern auf Grund und im Sinne des Alten Neues schaffen müssen. - Unter tosendem Beifalle der Versammelten p ]■ o c 1 a m i e r t e Dr, Braude den Grundsatz: „Nicht lehren, lernen müssen wir. — Unsere Thätigkeit muss mehr eine innere sein, wir m ii s s e n d e n Typus eines jüdischen Akademikers schaffen, der in seine m Denken und F ü h 1 e n, in seinem Thun und Lassen echt jüdisch ist. Es wurde sodann eine fünfgliedrige Commission zur Ausarbeitung eines Orgamsationsentwurfes und eines Programmes gewählt (Dr. Brau d e, Hausmann, K r u h B e r ner, Würze 1). HI. Sitzung, Mittwoch 10 Uhr vormittags. Die Commission legt ein Programm und einen Organisationsentwurf vor. Das Programm umfasst: a) N a c h I n neu: 1. Pflege der Coilegialität; 2. Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins und der eigenen persönlichen Wertschätzung; 3. Pflege der hebräischen Sprache und Literatur, der jüdischen Geschichte und Volkskunde; 4. Beschäftigung mit ökonomischen und socialen Fragen (Statistik); 5. physische Uebungen. b) Nach Aussen: 1. Informative Vorträge mit Berücksichtigung des Interesses der Hörer und des jüdischen Wissens;. 2. Vertiefung der zionistischen Idee und 3. Verbreitung derselben. Es wird ein Centralbureau c r e i e r t, dessen Agenden vom 15. October bis zum 15. Juni eines jeden Jahres die Vereinigung „Bar-Kochba“, in der übrigen Zeit die „jüdische akademische Lesehalle“ in Lemberg führt. Das Centralbureau hat die Aufgabe: 1. Monatliche Rechenschaftsberichte über seine Thätigkeit zu erstatten und solche Berichte von den einzelnen Gruppen zu empfangen; 2. den Austausch von Vorträgen unter den Gruppen zu vermitteln; 3. auf dem Studenten tage Bericht zu erstatten. In der Zeitschrift „Przyszlosc“ wird eine ständige Rubrik „A us Akademiker kr eisen“ geschaffen. Nach längerer Debatte, an der sich auch derRedacteur der „Przyszlosc“ Dr. Gabel betheiligte, wurden sämmtliche Commissi on s an träge an gen onrmen. IV. Sitzung, 3 Uhr nachmittags. Phil. Kr uh referiert über „Sportclubs“. Referent bespricht die einzelnen gymnastischen Methoden und empfiehlt die englische. Ferner schlägt er die Gründung von Turn- und Touristenclubs, ohne einheitliche Organisation, nicht auf akademischer, sondern auf altersgenossenschaftlicher Basis vor. Es sind jährliche SchauundWettturnen zu veranstalten. Der jeweilige Sieger wird Clubobmann. Die Touristenclubs könnten mit der Zeit ihre Ausflüge bis nach Palästina ausdehnen. Eine die Ausführung obiger Vorschläge empfehlende Resolution wird angenommen. Stud. jur. Rothblum legt hierauf das Memorandum an den Baseler Gong ress betreffs Creierung von Agrarstipendien vor. Der Judenstaat, führt er aus, wird vornehmlich ein Agriculturslaat sein, dessen Grundlage der Bauer ist. Ein gesunder Bauernstand kann nur unter Aufsicht geschulter Agronomen heranwachsen. Der C ongress wolle daher Stipendien c r e i e r e n für Akademiker, die sich der Agronomie widmen wollen. Die Absendung des Memorandums wird beschlossen, der Creierungsmodus dem hohen Gon giesse überlassen. Stud. jur. Waschitz referiert über d a s M e m or a n d um an die Universität e n betreffs Anerkennung der jüdischen Nationalität. Nach einigen einleitenden Worten verliest Referent das Memorandum, das an die Adresse des akademischen Senates gelichtet ist. Die hieran geknüpfte Bemerkung: „Wir sind bewusste Juden u n d wollen als solche gelten — das ist die Quintessenz des Memorandums, alles übrige ist B 1 a g u e“ erregt schallende Heiterkeit. Zur endgütigen Redaction des Memorandums wird ein Droiercomito gewählt (Dr. M a 1 z, Dr. B r aude, VV a s c h i t z). Mit der provisorischen Leitung des Centralbureaus wird der akademische Club i n Stanisla u betraut. Für die creierte Beilage zur „Przyszlosc“ (..Aus Akademikerkreisen“) wird ein sechsgliedriges Redactionscomite gewählt. Auf Antrag des Dr. B r a u d e wird eine Petition an den Zionistencongress beschlossen des Inhaltes, es seien nach social demokratischem Mu ster F a e h o r g a n i s ationen zu schaffen. Ebenso wird eine Resolution angenommen dahingehend, es sei die Heb r ä isieru n g d e r j ü d i s c h e n Namen möglichst anzustreben. Jur. P omm er an z beantragt: Der I. galizische zionistische Studententag drückt der Vereinigung „Barlvoch b a“ in W len für .ihre Mühe um die Veranstaltung des Studententages Dank und Vertrauen aus. Jur. Löwenherz stellt folgenden Antrag: Sämmtliehe akademische Clubs der* galizischen Zionsvereine nehmen den Namen „Bar-Kochba“ a n. Beide Anträge werden angenommen. Nachdem noch jur. Schrei b e r an die Versammelten eine Mahnung zur Einigung ergehen Hess, schloss Vorsitzender phil. Kr uh mit Dankesworten für die Gastfreundschaft der Lemberger den Studenten tag. Den 25. abends fand im Festsaale des „Hotel Bristol“ ein Gommers zu Ehren der Gäste statt. Mittwoch, den 26. Hessen sich die Theilnehmer in einer Gruppe photographisch aufnehmen. Die Abendzüge' brachten die meisten Gollegen nachhause. W. Die commercielle Zukunft Palästinas. Von T. Blanco. Wenn wir von der Gultur vorchristlicher Völker ausgehend, die von der modernen Geschichtsforschung

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