Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · p. 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
32 (11.8.1899)
Article
Chinesische Juden
Date
1899-08-11
Page
7 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3315796-3315829-3389836--14294-3389956
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tr Nr. 3f Welt« Seite 7 oder der Gottheit“ bezeichnet. Eingewandert sind sie aus Lj?: M :#m ,:westiicherL; Lande)y..dpph ist das., Iinmigrationsdatuni Unsicher, .-vre^.grossie^VLhrsM.M-? lichkeit;, spricht, für die Periode zwischen 58 und 75 A. D.v zu welcher Zeit das Vorhandensein von Colönien. dieses Volksstammes in K ai- Fun g-Fo o,. H an sh o, Ning-po, Peking undNinghin bekannt wird. Ihre Sprache ist ein Jargon von Hebräisch und Chinesisch mit einem deutlichen Einschlag persischer Sprachelemente. Da. sie sich im Besitze des Buches E s r a befinden, so können sie sich erst n ach dem Datum der Entstehung; dieses Buches von •; ihren Volksverwandten getrennt haben; vom Cliristeüthum haben sie aber nichts, gehört. Nach einer Annahme hätten sie einen Theil der Gefolgschaft von Alexanders des Grössen Armee gebildet, eine andere schreibt ihnen die Einführung der Seidehcultur in China zu. Die erste Entdeckung eines chinesichen Judenthums verdanken wir jesuitischen Missionären, insbesondere dem Patet G dz a n i. In dem Berichte, den der . Letztere über wiesen Gegenstand liefert, wird erzählt, dass sich die chinesischen Juden mit der Erzeugung von Hausgeräthen und mit- Hemdet beschäftigten. Sie pflegten eifrig die von ihrer Umgebung hochgeschätzten Wissenschaften, und einige Inschriften beweisen,./dass', manche Mitglieder der Colonie zu hohem Range gelangt sind. Es hat sogar jüdische Mandarinen gegeben. Eine, dieser. Inschriften, die auf den Beginn des 16. Jahrhunderts zurückdatiert, bestätigt die hohe Achtung,- welche der damalige Kaiser seinen jüdischen Unterthanen wegen ihrer in Treue geleisteten Dienste in der Magistratur, der Armee, der Landwirtschaft, dem Handel und wegen ihres Festhältens an den Vorschriften ihrer Religion entgegenbrachte. '; Fürdas - Andenken des Co nf u ei ns bezeigten diese Juden den grössten Respect,: und in Uebereinstimmung: mit den Gewohnheiten des Landes c a n onisierten sie ihre Vorfahren. Sonst waren ihre religiösen Gebräuche dieselben, wie bei den Juden anderer Länder. Am Sabbathtage machten sie kein Feuer, sondern bereiteten ihre Mahlzeiten am vorhergehenden Tage; Die. Ceremonie, durch welche die Aufnahme in den Bund Abrahams erfolgt, war bei ihnen in Hebung. Sie heirateten nur unter sich. Niemals versuchten sie, Proselyten zu gewinnen. Ihre Synagoge war — noch immer nachdem Berichte des Jesuiten — in einem ähnlichen Stile erbaut, wie der Tempel zu Jerusalem. Er lag auf einem offenen Platze und^ schloss in seinen Bannkreis einen „heiligen Ort“ und ein „Allerheiligstes“ ein. In dem letzteren wurden die Gesetzbuch er aufbewahrt, zu.; denen nur der H o h e p r i e s t e r Zutritt hatte. Rer Hohepriester trug eine Amtstracht; deren ch aräkteristischer Beständtlieil ein aus scharlachfarbener Seide verfertigter Shawl war, der über die rechte Schulter lief und unterhalb der linken durchgezogen wurde. Pater Gozani wohnte einem Gottesdienste bei und fand den Klang der Gebete ähnlich demjenigen, den er von den italienischen Synagogen her im Ohre hatte/ Bemerkenswerterweise glaubten diese Juden an die zu erwartende Ankunft des Messias. Ein and e r e r B er ich t, ' geliefert von einer christlichen Expedition,' enthält ein interessantes Interview, das ein Jesuitenpater mit einem chinesischen Juden aiifnähm. Dieser erkannte die Charaktere einer ihm vorgewiesenen hebräischen Bibel, war aber unfähig^ sie zu lesen. Er erzählte, dass in Peking zehn oder Wölf Familien lebten, die im Besitze einer Synagoge und einer über fünf Jahrhunderte alten Thorarolle waren, j.Ferner, existierte in Hans hq eine starke jüdischeiBevölkerung mit mehreren Synagogen., Dagegen waren in anderen Theilen des Reiches der Mitte die Juden, im .Abnehmen begriffen, und der Grund lag bezeichnenderweise in dem Mangel an geeigneten Plätzen für den "Göttesdienst. Sie besassen den Pentateuch, den sie das canonische Buch nannten, Esther, Esra und die Makkabäer-Bücher. Baron de Lacy schätzte das Alter der Thorarollen als bestenfalls auf das Jahr 1620 zurückreichend. Im Jahre 1642 wurden sie durch eine Feuersbruhst stark beschädigt. Die frühere Vorlage war schon um 1600 ebenfalls durch Feuer zerstört worden und eine noch ältere gerieth während einer Ueberschwemmung des Hoang-ho im Jahre 1446 in Verlust. In einem Berichte, der in der nordchinesischen Äbtheilung der Königlichen Asiatischen Gesellschaft im Jahre 1859 zur Verlesung gelangte, wurde einer alten Darstellung gedacht, die einen Gottesdienst der „Anbeter des Heen“ schilderte. Dieser Gottesdienst wurde in einer nicht-chinesischen Sprache gehalten und von Cultusbeamten zweier Grade (Rabbiner und Sofrim Schreiber) geleitet. Eine andere Autorität, Rarro w, constatiert, dass;.:,,viele von ihnen, ihrer Religion treu bleibend, zu hohen Stellungen im Staate gelangten. Nur wenige, von ihnen,, die Rabbiner ausgenommen, hatten Kenntnisse in der hebräischen Sprache.“ b. .... .Die einzige Gemeinde, die sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat, scheint die vonKai-Fung-Foo zu sein. In dieser Stadt waren ursprünglich nicht wenigerals 70 Familien, doch ist ihre Zahl inzwischen beträchtlich zurückgegangen. Jetzt sind es schwerlich mehr als sieben Familien. Die benachbarten Chinesen halten sie für eine mohammedanische Secte. Seit Beginn des Jahrhunderts haben sie keinen Rabbiner, ihre alten Synagogen liegen in Trümmern, und sie leben in drückendster Armut. Die letzten Nachrichten findet man; in dem Buche „Der Taipin<?-Aufstancl in China, 1862“, wo Kai-Fung-Foo als eine für Europäer dadurch merkwürdige Stadt erwähnt wird, dass daselbst der kleine Ueberrest chinesischer Juden lebe und seine religiösen Gebräuche ausübe. „Israel.“ Die Woche. Wien, 9. August 1899. Ueber den Mann, der seit vielen Monaten auf der , ganzen Erde «von Millionen Menschen schuldig- oder freigesprochen wird, werden jetzt in Rennes ein halbes Dutzend •Menschen ein rechtskräftiges Urtheil fällen. Eigentlich ist das ein Missverhältnis. Der Fall Dreyfus, der heute eine innere Angelegenheit der gesammten „Cultufmenschlieit“ darstellt, wäre eigentlich vor einem internationalen Schiedsgerichte zu erledigen. Auch eine Art Ostracismus an einem bestimmten Tage auf der ganzen Erde wäre denkbar. Die Betheiligung wäre gewiss eine ungeheuere. Die Schiffe und; Eisenbahnen würden unendliche Massen beschriebener Stimmscherben nach Rennes bringen, und die Herren vom Kriegsgericht hätten dann das nicht unbeschwerliche Amt von Scrutatoren, die das Material des Menschheitsplebiscits ‘zu sichten hätten. Die Täfelchen mit „Schuldig“ in eine besondere Riesenurne, ebenso die Täfelchen mit „Unschuldig“, und in eine dritte bedeutend kleinere Urne die leeren Stimmzettel. — Vielleicht wird es einmal in späteren Tagen bei Rechtsfällen, die sich zu einer Angelegenheit der Gesammtmenschheit herausbilden, zu derartigen abenteuerlich scheinenden Aller Weltsabstimmungen kommen. --Dem Kriegsgerichte fiele es dann leicht, den Befähigungsnachweis für . eine correcte Amtierung zu erbringen. * * * Das Erscheinen des Dreyfus vor dem Kriegsgericht zu Rennes wird von der juden feindlich en Pt esse aller Länder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.