Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 31 (4.8.1899)
- Article
- Prätoria (Transvaal)
- Date
- 1899-08-04
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Öie $ Weit“ Kr. 31 tische Erfolg dieser Rede übertraf alle Erwartungen. Ueber 8 00 Shares wurden nach Beendigung derselben in der Synagoge gezeichnet. Am 21. Mai d. J. fand die jährliche Generalversammlung des Vereines „Chowe we Z io n" statt, zu der sich sämmtliche Mitglieder eingefunden hatten. Nach Eröffnung der Versammlung und Verlesung des Protokolles und des Jahresberichtes wurde zur Wahl des Ausschusses geschritten. Als gewählt giengen hervor die Herren: E. L a 11 e r i m a n n (Präsident), Dr. S chapir a. A. R ab in o wi t z (Vicepräsidenten), A. Schlossberg (Cassier) und E. Fried m a n n (Honorar-Seeretär). Ausserdem wurden noch 14 Ersatzmänner gewählt. Nachdem die Wahlen beendet waren, hielt Herr Rabbiner Oh. L. Strunin einen gediegenen und tiefdurchdachten Vortrag über die Mission und das Endziel des Zionismus und ermahnte die aufmerksam lauschenden Zuhörer zur Pflege der geistigen Güter des jüdischen Volkes. H a z i o n i. Vereinsnachrichten. Wien. (Verbindung österreichisch-schlesischer. Hochschüler „Ivria“.) Cand. jur. Alfred Lanzer i. a. B. der „Jvria“ wurde am Samstag, den 22. v. M. zum Doctor der Rechte promovielt. Desgleichen hat cand: ehern. Hugo Werth eim durch Ablegung der II. Staatsprüfung seine Studien beendet. Jassy. Der akademische, zionistischeVerein ^Dr. Moses Gast er" hat am 6. v. M. die Nachwahlen vorgenommen, die folgendes Resultat ergaben: Basile Lupu, Präses; Osias H. Mattes, Vicepräses und Cassier; Leon Holoney, Secretär; S. Glückmann, Bibliothekar; Achille Scharaga, Josef Lande und Leopold Loebel, Ausschussmitglieder. Der Verein veranstaltet an bestimmten Tagen Vortragsabende und beabsichtigt jetzt, eine jüdische Bibliothek zu gründen; er ersucht alle Gesinnungsgenossen, durch Bücherspenden das Werk zu fordern. Da überhaupt noch, keine jüdische Lesehalle oder Bibliothek hier in der zweiten rumänischen Metropole existiert, so ist für ein derartiges Institut ein segensreiches Wirkungsfeld zu gewärtigen. Zeitungen und etwaige BücherZu Sendungen sind an die Adresse: Societatea „Dr. Moses Gaster“, str. de Jos Nr. 27, zu richten. Die Namen der Spender werden in zionistischen Blättern veröffentlicht werden. Neue Vereine. Böbrka (Galizien). Es hat sich hier eine Zionsgruppe „Ahawas Zion“ gegründet. Die Statuten sind bereits von der Statthalterei genehmigt, und am 23. Juni fand die constituierende Versammlung statt. In das Präsidium wurden die Herren A. D. Löwinsohn als Präsident, B. Leder als Vicepräsident berufen. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich bereits auf 54. Die Schekelsainmlung wurde sofort eingeleitet. Spenden für hungernde Boryslawer jüdische Arbeiter: Theilertrag vom jüdisch-zionist. Abiturienten- Commefs in Bielitz . .......... fl. 5.— Friedmann Jolan, Zepce. „ 3.— durch M11 e. Schach, Paris: Mdm. Jkb., Paris, „ 47.60 Mdm. Wormser, Versailles . . .. „ 4*98 heute abgesendet fl. 6058 in Nr. 29 aüsgewiesen „ 413 66 Zusammen fl. 474*24 Für zionistische Zwecke : Weiblowsky L., Memel. fl. 0*59 Bücherwelt. Der unglückliche Heinrich Heine, an dem noch manche Literaturhistoriker als an einem Fremdling herumnagen und ihn stets als Stiefkind in der deutschen Literatur behandeln, ja sogar seinen Stil als unecht-deutschen Stil hinstellen (wie Prof. Koch u. a.) ist, wie wir aus dem neuerschienenen Buche des Prof. HenriLichtenberger(Leipzig,Meissner) über Friedr. Nietzsche ersehen, von dem grossen Philosophen und Schriftsteller unseres Jahrhunderts, ganz anders aufgefasst worden. In der Einleitung, von der Schwester des Philosophen, finden wir folgende interessante Mittheilung : Im Jahre 1888 schreibt Nietzsche über Heine: „Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich H e i n e gegeben. Ich suche umsonst in allen Reichen der Jahrtausende nach einer gleich süssen und leidenschaftlichen Musik. Er besass jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag . . . J. M. .-QJ riöns bp }T5£ "fV „Ein Zionslied auf fremdem Bode n“, so betitelt sich die hebräische Nationalhymne, die letzthin in Kiew erschienen und Professor M. Mandelstamm gewidmet ist. Der schwungvolle Text hat den rühmlich bekannten Poeten I. Rozet zum Verfasser, die rhythmische Musik ist von J. Blochin. Die Hymne ist aus Anlass der Gründung der jüdischen Colonialbank gedichtet worden und eignet sich vorzüglich zum Vortrag in zionistischen Versammlungen. X. „Israel“, von Gyp. Frau Gyp hat kürzlich ein Buch gegen die Juden geschrieben. Sie nannte es „Israel“ und hatte offenbar die Absicht, mit diesen kleinen Dialogen, die sie nach ihrer alten Manier lose aneinander reiht, irgendein Ding zu beweisen, das die Juden zu compromittieren geeignet wäre. Wenigstens scheint sie im Anfänge, als sie den Plan zu „Israel“ fasste, ein Grundgedanke geleitet zu haben. Aber kaum sie zur Feder griff, wurde sie von einem bedauerlichen Unwohlsein überwältigt, aus welchem sie bis zum Schlusspunkt nicht mehr zur Besinnung kam. Für gewöhnlich sind es ja gerade die temperamentsvollen Leute, welche die besten Pamphlete schreiben. So ein Pamphlet kann einem zornigen Ausbruche sein Dasein verdanken und gerade durch seinen Impetus hinreissend wirken. Oder es kann im Hasse entstanden sein, in einem Hasse, der lange verhalten und zur Tüchtigkeit erzogen wurde, den man sorgfältig genährt und trainiert hat. Ein Hass, der sich zu äussern zögert, ehe er seinen vollendetsten Ausdruck gefunden. Auf dem Wege so künstlerischer Uebung sind schon Meisterwerke entstanden. Dann gibt es Pamphlete, welche in der ersten Rage einer Entrüstung niedergeschrieben wurden. Sie sind nicht immer die besten, aber sie können durch ihre Ehrlichkeit in gewissem Sinne überzeugend wirken. Zuletzt gibt es Schmähschriften, welche sich als Speculations-Unternehmen qualificieren. Diese sind die schwächlichsten. Gegen einen Menschen gerichtet, der so unbeliebt oder so hervorragend, oder beides zusammen ist, dass seine Beschimpfung rentabel zu werden verspricht, arbeiten diese Pamphlete mit den billigsten Mitteln bloss auf den Gewinn hin, sind für rohere Instincte berechnet, und lassen sich mit Schimpf- und Schlagworten genügen, die früher einmal geistreich waren. Gegen die Juden gibt es Pamphlete von allen Sorten, und wenn mir auch ein Meisterwerk augenblicklich nicht in Erinnerung ist, so bleibt es doch unbestreitbar, dass sich gerade gegen die Juden dieses Meisterwerk schreiben Hesse. Frau Gyp hat mit ihrem „Israel“ nichts von alledem zuwege gebracht. Ihr Buch ist weder im Zorne, noch in Wuth oder Hass geschrieben. Es ist einfach in einem Tobsuchtsanfalle abgefasst. Sie hätte ebensogut einen jüdischen Branntweinladen plündern und änzünden mögen, als das Rasen anhob, oder einem Juden in die Haare fahren, ihn heissen, anspucken und zerkratzen können. Frau Gyp ist jedoch eine Gräfin und ist Schriftstellerin. Als Gräfin hat sie nicht die Gepflogenheit, Branntweinläden zu plündern, und da sie Schriftstellerin Jst, kann sie selbst ihre Tobsucht in nie versiegenden Tintenströmen sich ausleben lassen. So hat sie denn, als der Anfall über sie kam, auf dem' allzeit geduldigen Papier mit Feder und Tinte arge Verwüstungen ängerichtet. Allein in diesem bedauerns-