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Die Welt · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-08-04
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Seite iS Mr. 31 „Die li Aus London wird gemeldet, dass im dortigen deutschen Spital, dessen Patienten zu einem Drittel aus Juden bestehen, eine jüdisch-rituelle Küche eingerichtet werden soll. Die Kosten betragen circa 1000 Pfund Sterling und werden durch freiwillige Spenden aufgebracht. * Ein deutsches Gericht hat — in Uebereinstimmung mit dem Eherecht des neuen bürgerlichen Gesetzbuches — entschieden, dass, wenn auch im allgemeinen die Fähigkeit zur Eheschliessung nach dem Rechte und den Glaubenssatzungen zu beurtheilen sei, welche für die Ehegatten massgebend sind, die besonderen diesbezüglichen Vorschriften des Talmud, als gegen die öffentliche Ordnung und die Staatsgesetze verstossend, nicht hinderlich sein dürfen zur Eingehung einer Ehe mit den Angehörigen eines anderen Religionsbekenntnisses. Tm Annoncentheile der „Antisemitischen Korrespondenz" werden folgende „antisemitische Hotels" empfohlen : H e i 1 i g e n li a f e n : Stadt Hamburg; W arteburg: Kronprinz, Reh ers Hotel, Dunkers Hotel; Leipzig: Klemme; Kissingen: Renner; Ostseebad Niendorf: Villa Hai dt; Chemnit z-s~ Deutscher Krug; Frankfurt a. M.: Polnischer Hof; Berlin: Hopfenblüte. Berücksichtigung gütigst empfohlen. * Jüngst berichteten wir über die einem Juden zugefügte vertragswidrige Entziehung einer französischen Fabrikvertretung für Algier, „weil unter den jetzigen Verhältnissen ein Jude in Algier keine Geschäfte machen könne". Die vorgeschützte Force-Majeur wurde vom Gerichte als nicht vorhanden erklärt und der beklagte Fabrikant zu 3000 Francs Schadenersatz und Tragung der Kosten aller Instanzen veruilhoilt. :l: In Berlin wird die Gründung einer antisemitischen Volkshochschule beabsichtigt, „um der weiteren ,VerjudungÄ des Volksbildungswesens Einhalt zu thun". Eine kaum glaubhafte Nachricht kommt aus Bert in. Dort soll nach der „A. Z. d. J." in den letzten Jahren die Zahl der Mischehen bis zur Höhe von 25"/.. gestiegen sein, es wäre also jede vierte jüdischerseits geschlossene Ehe eine Mischehe. Von den 50.000 iii dem Zeiträume von 1875—1805 in Preussen von Juden resp. Jüdinnen geschlossenen Ehen waren mehr als 5000 Mischehen. * O, diese Juden! Folgender tragikomischer Vorfall ereignete sich in Algier. Dort ist seit vielen Jahren der Gebrauch eingeführt, anlässlich des Nationalfestes an die besten Schüler Geschenke in Form eines Sparcassenbuches zu übergeben. Unter den diesmal in einer Mädchenschule vorgeschlagenen 5 Schülerinnen befanden sich 3 jüdische. Um nun die letzteren zu übergehen, ersuchte die Schulbehörde um die Nennung 5 anderer, in der Meinung, der Schulleiter werde ‘diesen „Wink mit dem Zaunpfahl" verstehen. Er nannte die 5 nächstbesten, aber, o weh! es waren lauter — Jüdinnen! * In einer seiner jüngsten Sonntags-Ausgaben veröffentlichte der „New YorkHerald“ eine Liste derjenigen jüdischen Philanthropen Amerikas, die an ihre Spenden in der Regel die Bedingung knüpfen, dass sie nicht genannt sein wollen. Das Blatt motiviert sein Vorgehen damit, indem es erklärt, ein derartiger Wunsch sei nodh kein Grund, ihn auch zu berücksichtigen. Für die gespendeten Millionen ge büre den Gebern die weitgehendste Veröffentlichung ihrer Namen. Infolge verschiedener gegen die Juden gerichteter Excesse, die, wie bekannt, den Tod eines Juden zur Folge hatten — der dritte seit :{/4 Jahren — war durch den in Chi c a g o täglich erscheinenden „Jewish Courier" eine Massenversammlung einberufen worden, die sich in schärfster Weise gegen die antisemitischen Angriffe aussprach und zur Selbsthilfe zu schreiten beschloss, für den Fall, dass die Polizei in ihrer zur Schau getragenen Lässigkeit beharren werde. * Die seitens der englischen Regierung für das Jahr 1898 an die verschiedenen jüdischen Gemeinden gezahlten Subventionen beliefen sich auf fast 3000 Pfund Sterling, eine immerhin nicht unbedeutende Summe, die aber umsomehr ins Gewicht fällt, als sich darin das Interesse der englischen Regierung bekundet, den daran hauptsächlich, participierenden eingewanderten Elementen eine möglichst gute Schulbildung zutheil werden zu lassen. Die zionistische Bewegung Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionistencongresses, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionistencongresses, Basel zu senden. - Das Actions-Comite. Frumusica (Rum.) Am 22. Juli fand in der grossen Synagoge die Wahl des Delegierten zum 3. Baseler Congress statt. Gewählt wurde der Ehrenpräsident des hiesigen Zions Vereines Herr J. J. Sch a p i r a. Lodz (Russland). Die Zionisten unserer Stadt sind eifrig an der Arbeit. Es werden noch immer massenhaft Shares der Jüdischen Colonialbank gezeichnet. Auch die geistigen und culturellen Interessen des Judenthums erfreuen sich t hat kräftiger Pflege. Der Ausschuss unseres Zionistenvereines unterhält seit einem halben Jahre zwei Lehranstalten, an denen allabendlich für erwachsene Leute, meist Arbeiter, Vorträge gehalten werden. Die Gegenstände dieser Vorträge sind ausser der jüdischen Geschichte auch die Grammatik der hebräischen und .der Landessprache. Auch unsere Damen sind mit löblicher Rührigkeit am Werke. Der zionistische Frauenverein veranstaltet allwöchentlich anregende Vortrags¬ und Discussionsabende und kürzlich eröffnete auch dieser Verein, durch das Beispiel der Männer angefeuert, einen Abendlehrcurs für Arbeitermädchen, der sich lebhaften Zuspruchs erfreut. Galveston (Tex.) Bisher sind hier 200 Shares gezeichnet worden. Durch Vermittlung der Herren B. Feld und Gel ln er sind in Housten (Tex.) 50 Shares gezeichnet worden. Rzeszow, 4. Juli. Am 2. Juli hielt der hiesige Verein „Chowewe Zion" unter Vorsitz des Herrn J. J.esower eine Versammlung ab, in welcher der Präsident des Vereines H.K. Kurzmann einen beifällig angenommenen zionistischen Vortrag hielt. Prätoria (Transvaal). Der hiesige Verein „C h o w e w e Zion", der vor Jahrestrist gegründet wurde und auf dem Boden des Baseler Programmes fusst, hat während der Zeit seines Bestandes ansehnliche Fortschritte gemacht und zählt gegenwärtig bereits über zweihundert Mitglieder. Der Verein entfaltet eine überaus rührige Thätigkeit und macht sich insbesondere um die Verbreitung der Kenntnisse in der Wissenschaft des Judenthums und der hebräischen Literatur sehr verdient. All sonn täglich veranstaltet derselbe in der grossen Synagoge zionistische Volksversammlungen, wobei entweder Vorträge über ein Thema aus der jüdischen Geschichte oder national-zionistische Reden gehalten werden. Unlängst wurde hier auch ein zionistischer Frauen verein „Benoth Zion" gegründet. Dieser Verein schickte vor einigen Tagen für seine 40 Mitglieder den Schekel an das zionistische Actionscomite in Wien. Am 30. April d. J. fand hier in der grossen Synagoge eine zionistische Versammlung statt, in welcher Herr Rabbiner Ch. L. Strunin der Baronin Clara Hirsch einen rührenden Nachruf hielt und zum Schlüsse seiner Rede die Versammelten in begeisterten Worten aufforderte, sich an der Subscription für die Jüdische Colonialbank nach bestem Können zu betheiligen» Der präk-

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