Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 31 (4.8.1899)
- Article
- London
- Date
- 1899-08-04
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315828--14223-3389779- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 1L „Die H Welt“ Nr. 31 theilungen, so trivial sie vielleicht diesem oder jenem Vorkommen mögen, doch mit Absicht vor Augen geführt. Denn so wie die „Jüdische Colonialbank“ factisch als Unicum unter Gründungen, an Grösse des Entwurfes und der Ausführung, an Subscribentenzahl, an geschäftlicher Moral, in der Wahrung der Interessen der Zeichner, selbst zum Nachtheile der Gründer dastellt, so steht der Zionismus da, einzig in seiner Art. einzig in seinen Principien, einzig in seinen begeisternden Zielen, alleZionshrüdereinigend in dem Bestreben, die leidende Judenheit zu schützen und aufzurichten, ein Gedanke, ein Gefühl und ein Herz! Frankreich. Paris, 1. August. (Die Freilassung du Paty de C1 a m's.) D u Paty de Clam wurde infolge der Einstellung der gegen ihn eingeleiteten Untersuchung gestern in Freiheit gesetzt. Rennes, 30. J uli. Nach einer antisemitischen Versammlung kam es zu Schlägereien, in deren Verlaufe zwei Personen leicht verwundet wurden. Belgien. Brüssel, 31. Juli. Die „Independance Beige" veröffentlicht ein Interview mit dem ungarischen Deputierten Karl E ö t v ö s über die Dreyfus-Affaire. Eötvös verglich die Dreyfus-Angelegenheit mit der Aftaire von Tisza-Eszlar; er sprach sich über den Einfluss der Zeugen, der Sachverständigen und besonders der öffentlichen Meinung in diesem Process aus und schloss seine Ausführungen mit der Bemerkung, es sei ein Glück für Dreyfus gewesen. dass der U 11 r a montanis m u s und die Royalisten die A f f a i r e für sich auszuiiützen suchten und somit die Republikaner sich zur T h a t gegen den Feind a u fr affte n. Russland. Odessa. Kürzlich gelangte zum erstenmal ein Drama, betitelt „Söhne Israels" in dem hiesigen Theater zur Aufführung. Stoff des Stückes: Aftäire Dreyfus. Das ganze Stück ist in antisemitischem Sinne geschrieben. Das Stück erfreute sich eines grossen Misserfolges. Das Publicum lohnte die Aufführung mit Pfeifen und Zischen, und die Unruhe der Besucher steigerte sich soweit, dass Polizei einschreiten musste, um die Ruhe wieder herzustelien. Das Stück wurde vom Repertoire abgesetzt und ist, wie die Odessaer Zeitungen melden, ein für allemal in Russland verboten. Afrika. Johannesburg, Ende Juni. Eine der grössten Versammlungen, die jemals von den hier lebenden Juden abgehalten worden sind, fand auf Einberufung des jüdischen Arbeiterclubs und der Friendly Association zu dem Zwecke statt, um gegen die Regierungsvorlage zu protestieren, welche den Juden nur in dein Falle das Transvaaler Bürgerrecht zugestehen will, wenn sie dasselbe bereits in ihren früheren Vaterländern besessen. Der Vorsitzende, Couneillor Harry Solomon betonte die weittragende Bedeutung der Tagesordnung und brachte Telegramme und Briefe mehrerer Transvaaler Juden gemeinden, sowie der Grossen Dr. Herz 1-L o g e zur Verlesung. Es waren ferner die zionistischen Gesellschaften des Landes durch Delegierte vertreten. Die Versammlung protestierte ganz besonders dagegen, dass den russischen Juden, die einen aufgeklärten,arbeitsfreudigen und ordnungsliebenden Theil der Bevölkerung darstellen, das Bürgerrecht vorenthalten werden solle. Es gibt, sagte der Vorsitzende unter lebhaftem Beifalle, keinen Unterschied zwischen einem russischen und englischen Juden: Juden sind wir alle. Das Staatssecretariat verwahrt sich ganz umsonst dagegen, die russischen Juden als eine besondere Classe zu behandeln. Der Vortheil einer Rupublik liegt in der uneingeschränkten Gleichstellung aller Bürger. Wir Juden werden nicht dulden, dass einem von uns Unrecht geschehe. Dr. Hertz bezogt sich auf gewisse, die russischen Juden verletzende Aeusserungen, die dem Sir Alfred Milner in den Mund gelegt werden. Mr. B e b r o, der Zionistenführer, Veranlasse, dass diese Angelegenheit zur Kenntnis des britischen Agenten in Pretoria gebracht werde, es kam ein Interview mit dem Staatsmanne zustande, und das Ergebnis war der folgende Brief des Mr. Green (Beamten der Agentur) an Dr. Hertz: „Ich habe folgendes Telegramm vom High Commissioner erhalten und bringe Ihnen dasselbe im Aufträge Seiner Excellenz zur Kenntnis: Zu meinem Bedauern höre ich, dass gewisse von mir unlängst gethane Aeusserungen zu Ungunsten der russischen Juden im allgemeinen gedeutet wurden. Nichts lag mir ferner.“ Dr. Hertz führte nun in packender Zusammenstellung die Verdienste an, die sich russische Juden um die Culfcur erworben und beantragte eine der politischen Sachlage entsprechende Resolution, die einstimmig angenommen wurde. 4- * Eine jüdische Deputation sprach in derselben Angelegenheit beim Präsidenten vor, der sie freundlich aufnahm und versprach, die Beschwerden der Juden vor den Volksraad zu bringen. Allerlei Nachrichten. In Berlin stehen für den kommenden Winter die Wahlen von 70 Stadtverordneten vor der Thür. Die ersten auf dem Plane sind die Antisemiten. Sie wollen einen Bund aller befreundeten Elemente gründen, um das „Rothe Haus“ zu stürmen. In Balta (Russland) hatte der Gouverneur die Gründung eines jüdischen Unterstützungsvereines verboten. Der Senat hob die Entscheidung auf, mit der Begründung, dass eine behördliche Bestätigung von Unterstützungsvereinen nicht erforderlich sei. ln der jüdischen Colonie bei Nikoiajeff soll eine Hungersnoth ausgebrochen sein. Die Behörden der umliegenden Orte treffen Massregeln zu ihrer Bekämpfung. -i- In Teheran gab es wieder Jüdenexcesse, die von unzufriedenen Beamten und der niederen Geistlichkeit angezettelt waren und nur dadurch — vorläufig — beigelegt werden konnten, dass die Juden den bekannten tiefen Griff in ihre Taschen thafcen. Die Regierung hat mit den Angreifern ein Compromiss abschliessen müssen, um den Juden Ruhe zu verschaffen — bis die Angriffe sich erneuern. * ln St. Moritz (Engadin) wurde der dort zur Gur weilende Gelehrte Dr. A. Berliner vom Grossherzog von Baden in dreiviertelstündiger Audienz empfangen. * Die Landwirtschaft in Preussen — verjudet. Diese neueste Schreckensnachricht kommt aus dem alten Kurhessenlande. In Hanau wurden zehn von den vertheilten elf Preisen der landwirtschaftlichen Ausstellung an Juden vergeben. * Anlässlich der jüngsten französischen Nationalfeier wurden — zum erstenmale wieder seit mehreren Jahren — zahlreiche jüdische Officiere und Beamte befördert und mit D ecorat Ionen bedacht. 4-