Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 31 (4.8.1899)
- Article
- [Ohne Titel] / Hochfeld, Julius
- Date
- 1899-08-04
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 40 - Für die Aufnahme dieser Berichtigung, und Veröffentlichung des Vertrauensvotums des Vereines „ Chowewe Erez Israel" bestens dankend, zeichne ich mit dem Ausdrucke der vorzüglichen Hochachtung Julius Hochfeld, derz. Vicepräsident des Vereines „Ahawas Zion*\ Tarnow und Mitglied des Landes-Comites in Galizien. Krakau, 16. Juli 1899. Geehrter Herr Hochfeld! Unser Verein „ChoweweErez Israel" hier,, spricht Ihnen für Ihr aufrichtiges und wackeres Auftreten in der „Welt" gegen das Treiben des Herrn Dr. Salz seine Anerkennung und Dank aus. Hochachtungsvoll Für „Ghowewe Erez Israel": Horo wicz m. p., Julius Schönwetter m. p. Schriftführer. Präsident. Weltchronik. Die Organisation der Juden in Amerika. Die bekannte Corruption in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika lässt die staatlichen Institutionen der grossen Republik bekanntlich in.einem recht zweifelhaften Lichte erscheinen. Wenn es in der letzten Zeit oft vorgekommen ist, dass Juden angefallen, ja sogar ermordet wurden, ohne dass die Polizei sich rührte, so ist auch dieses auf die herrschenden politischen Zustände und Parteien zurückzuführen, die, je nachdem, den Juden freundlich oder feindlich gesinnt sind, sie beschützen oder nicht. Ueber solche Art Corruption ereifert man sich in Amerika kaum noch, man findet sie in clen politischen Verhältnissen begründet und geht von ihr zur Tagesordnung über. Dem aber wollen die Juden nun ein Ende bereiten. Sie beginnen sich zu politischen Gruppen zu organisieren, um ein Wort mitsprechen zu können. Man sieht, dass im „freien Amerika“ der Antisemitismus die Juden zu praktischen Menschen erzieht, die das Ding beim richtigen Ende anfassen und zeigen, dass sie Fäuste besitzen, die sie nöthigenfalls auch zu gebrauchen verstehen Jedenfalls ist inNew-York eine „jüdische Partei" ein Factor, mit dem jede herrschende Partei rechnen muss. Und in anderen grösseren Städten wie Chicago, Philadelphia etc., ist’s ähnlich. Die Mission. Infolge der unaufhörlichen Provocationen christlicher Missionäre im Judenviertel New-Yorks und der aufreizenden Sprache einige?: New-Yorker Blätter wurde die Ausübung öffentlicher Missionsgottesdienste seitens der Polizeibehörde untersagt. „Hund! Hinaus! Jud!" Die Wiener „Arbeiterzeitung" brachte kürzlich die Schilderung eines Ueberfalles, der von einigen Offieieren gegen einen jüdischen Arzt insceniert wurde. Einer der Offi eiere „berichtigte" dies, und die „Arbeiterzeitung" veröffentlichte daraufhin folgende Notiz: „Gali zische Soldateska. Der praktische Arzt und Realitätenbesitzer Herr Simon Klaar sendet uns als Antwort auf die vom Corpscommando amtlich zugekommene Berichtigung des Hauptmannes L e g o folgende Zuschrift, der wir gern Raum geben: Stanislau, 25. Juli 1899. Löbliche Redaction! Mit Bezug auf die Berichtigung des Hauptmannes Lego in Ihrem geschätzten Blatte vom 22. Juli 1. J. bin ich so frei, um Aufnahme einer Gegenberichtigung zu bitten. Es ist absolut unwahr, dass ich nicht überfallen und nicht hinausgeworfen wurde. Oder ist es kein Ueberfall, wenn ich mit meinem Sohne bei einem Tische sitze und nach wenigen Minuten wie auf ein gegebenes Commando Hauptmann Lego und circa zehn Officiere zu meinem Tisch kommen, den Tisch umzingeln und der Hauptmann Lego mit zorn sprühen den Augen und mit geröthetem, Gesicht vor mir stehen bleibt und schreit: „Hinaus! Hinaus! Ich befehle es.!" und dann, als ich mich nicht gleich hinausbegeben; wollte, mich beim Arm fasste, an die Wand presste, mir. einige Rippenstösse versetzte und mich hin auswarf? Wie soll man solche Thätlichkeiten sonst bezeichnen? Ich schlug keinen Lärm, weil der Skandal für mich, als einen alten Bürger und Arzt, eine grosse Schande war. -r Es ist nicht wahr, dass ich mich unschicklich, demonstrativ und provoeatorisch benommen hätte, sondern es ist wahr, dass beim ersten Zusammenstoss Hauptmann Lego fort und fort > herüberguckte und mir zurief: „Hund! Hinaus! Jud!" Weil ich mich beim Herrn General hier am. 27. Juni beschwert habe, hat sich Hauptmann Lego am selben Abend mit dem Ueberfall und Hinauswurf revanchiert. Ich würde’ mich übrigens schämen, etwas in die Oeffentlichkeit zu bringen, was auf Unwahrheit beruhen sollte; nur die Schmach und der Schmerz über die . mir zugefügte Unbül vöranlassteh mich, alle möglichen Schritte; gegen den Hauptmann Lego zu machen. Für die Aufnahme dieser Gegenberiehtigung meinen besten Dank. Sollte Hauptmann Lego abermals berichtigen, so werde ich nicht mehr darauf antworten. Ich werde der Oeffentlichkeit nur noch das Urtheil bekanntgeben, das über Hauptmann Lego gefällt werden wird. Mit Hochachtung Simon Klaar, praktischer. Arzt und Realitätenbesitzer. — Wir: haben dieser Berichtigung nichts hinzuzufügen. Sie ist die beste Antwort auf die „Berichtigung" des Hauptmannes Lego, der heute gern mit Hilfe des § 19 des Pressgesefczes Thaten aus der1 Welt schaffen möchte, die ihn voraussichtlich jnitvganz anderen Paragraphen des Militärstrafgesetzes in Conflict bringen werden. . Oder wird man sich auch ih diesem Falle damit begnügeh, Gras darüber wachsen zu lassen?“ Das geheimnisvolle Zidakel. Beäürepair e s Faseleien bereiten M er cie r und anderen Revisionsgegnern schwere Verlegenheit. Die bizarrste Enthüllung Beaurepaires ist, dass Dreyfus in Bourgesvon.der Cantiniere ein jüdisches Skapulier, nämlich ein sogenanntes Arba-Kanfes mit offenen Taschen anfertigen liess. Ein antisemitischer Dienstmann. Das „Wiener Tagblatt" vom 29. Juli erzählt : Grosse Empörung erregte gestern nachmittags das rohe Vorgehen des in der Rothenthurmstrasse Nr. 25 postierten Dienstmannes „Express" Nr. 45. Sein College, der Dienstmann Emanuel S zig all, kam ermüdet von einem Wege zurück und wollte sich auf dem Band wagen des Ersteren ausruhen. Derselbe stiess ihn jedoch, indem er ihn mit antisemitischen Schimpfworten belegte, hinunter. Es entspann sich zwischen beiden ein Wortwechsel, in dessen Verlauf Szigall von seinem Gegner 80 übel zugerichtet wurde, dass er blutüberströmt zusanuhenstürzte. Diese Scene hatte eine grosse Menschenansammlung zur Folge. Unter den Juden der TransvaäMRepublik wird eine intensive Agitation betrieben, bezüglich des Wahlrechtsgesetzes. Dieselbe nimmt stellenweise einen sehr erregten Charakter an. Es wird namentlich darauf hingewiesen, wie selten man unter den Juden einen Analphabeten findet, während das von den Boers gerade nicht zu sagen ist. Sollte sich Präsident Krüger nicht entschliessen, den Juden das active und passive Wahlrecht zu verleihen, so könnte das zu ungeahnten Consequenzen führen. Der Process Dreyfus. Behufs Aufrechterhaltung der Ordnung und Ruhe in Rennes während der Dauer des Proce8668 Dreyfus wurden von den dortigen Civil- und Militärbehörden die umfassendsten Vorkehrungen getroffen. Insbesondere kehrt das 7. Artillerie-Regiment, das bis zum 18. August im Lager von Coetquidan Schiessübungen machen sollte, am Tage vor - dem Beginne des Processes nach Rennes zurück. Ausserdem wird das 24. Dragoner- Regiment von Din an ein Lager beziehen, um sich auf