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Die Welt · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Article
Zionistische Colonisationsvereine
Date
1899-08-04
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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M- M „Ölfe'^WÄ*- Seite11;; r. -Credit 'gtzwäM^soloh'su'Familien, die sich in vorübergehender Noth befinden. Für Krankengeld und Begräbniskosten kommt der. Verein auf etc-. etc.— :,: Für die Yorarbeiien in^ Palästina -liegt gleichfalls ein bis ins, Detail; ausgearbeiteter: Plan'vor. Zehn DessjatinenJjand sind für jede Familie vorgesehen. Bin Fünftel des-' ganzen Colonieterrains ist für Weinpflan zungen in * Aussicht genommen. Die Weinstöcke werden im zweiten Jahre des Unternehmens, unmittelbar nach dem Landkau^ -gepflanzt.. (Eine Million Stöcke). Beypr «noch die Uebersiedlung beginnt, im fünften und sechstel Jahre des 1 Unternehmens; tragendiese Weinstöcke seh<p.n. Trauben3 äderen. Ertrags mit 25.000 Dollars im Voranschläge der Gesellschaft eine Fülle spielt. - Geber die Kosten, die eine Colonie in Anspruch rdmmt, liegen die genauesten Angaben vor, die man sich vom Odessaer Colonisations-Gomite. hatte kommen lassen. :; In Betracht gezogen ist: auch der Erlös aus dem Geschäftsverkauf, : der : vor f.der Uebersiedlung bew erk stelligtrwird::. j.;. - : -• - «- Und die Geschichtedieses Vereines? Aus'dem mitgötheilten Titel der Brochüre geht hervor, dass die Urheber des Projectes an eine Colonisation in Palästina dachten:' Und am Schlüsse des:Heftchens ist noch einmal in besondei-tz starker- Wtzise als Gfündbedingung des Vereines aufgestellt, dass, es sich nur um eine palästinensische Golonisation handeln dürfekei n M a j ori.tä t sb e s ch 1 u s s sollt e di es e s G r un d g es e t z ändern diir fenb v mo;,:.,v --.v.• •;.; . - , 0' Dies war dann; die. Ursache, weshalb der. Verein nicht zu Stande-kam. — Der zionistische Gedanke hat£e zur Zeit, als das Project auftauchte^ noch; nicht die gewaltige Werbekraft, wie heute. In: einer Versammlung der in Aussicht genommenen .Mitglieder, wollte . man., r sich nicht; dazu verstehen, die Colopisatipnsthätigkeit ■ des .Vereines unwiderruflich mit der Palästina-Idee .zu verketten. . Und für den Fall einer anderweitigen- Colonisation weigerten sich die Urheber des Planes, sich an dem Unternehmen zu betheiligen. — Diese Männer aber waren so. sehr die geistigen Führer der Gruppe, dass ihr Austritt das Zustandekommen der Gesellschaft verhinderte, Wir theilen diesen Colonisationsplan mit, weil wir der Ansicht sind, dass solche Anregungen heute am Platze sind, dass unsere . zionistischen Vereine besser arbeiten würden, wenn zu ihrem agitatorischen Wirken etwas hinzukänie, was rdie. mehr nüchtern Veranlagten befriedigt. . ..... So wie der Plan hier skizziert ist, wird er kaum praktisch ausgeführt werden können, aber eine Anregung kann er bieten, die zu solchen Resultaten führen kann, wie er sie erstrebte. . \ . Viel Arbeit ist im zionistischen Lager noch zu leisten und sehr viel Arbeitslust und Arbeitskraft sind in unseren Massen noch verborgen, die sich gerne bethätigen möchten. Wenn diesen mit der heutigen Anregung eine solche Bethätigüngsmöglichkeit geboten worden ist, so scheint uns der Zweck dieser Zeilen erfüllt.*) Die Woche. . Wien, 2. August 1899. Es wäre eine dankenswerte Aufgabe für einen Culturhistoriker, nachzuforschen, wann und wo auf der Entwicklungsstrecke menschlichen Bewusstseins der Begriff oder das Gefühl der ..„Ehr.en Beleidigung“ zuerst aufgetaucht ist. In der *)' feie Brochüre wird eventuellen Interessenten zugänglich gemacht werden. ärmlichen Ideenwelt des Urmenschen war der Begriff „Ehrenbeleidigung“ sicherlich nicht vorhanden. Die Menschheit auf den frühesten Stufen hatte offenbar nur einen sehr beschränkten Vorrath von Beleidigungen. Die Bezeichnung „Dieb“ war keine Beleidigung zu einer Zeit, wo das Rauben eine allgemein menschliche Gewohnheit war. „Esel“ war gewiss auch keine Kränkung, da damals die Kluft zwischen der Intelligenz des Esels und der des Menschen nicht allzu gross war. Man kann ruhig behaupten, dass die Ehrenbeleidigungen ein Product hochentwickelter Cultur sind, die Civilisation eines Volkes kann man ganz gut nach den Elirenbeleidigungen bemessen, die in der Begriffswelt des betreffenden Volkes vorräthig sind. - Je mehr Ehrenbeleidigungen, desto ausgebildeter die Civilisation. Das ist ja etwas ganz Natürliches* Bleiben wir bei dem ersten Beispiel. So lange kein Gesetz da war: „Du sollst nicht stehlen", so lange war die Bezichtigung „Dieb“ keine Ehrenbeleidigung. Der Vorwurf der Gesetzesübertretung macht die Bezichtigung zur Ehrenbeleidigung. Das gilt für eine "Unzahl anderer Ehrenbeleidigungen. Je grösser die Zahl der Gesetze und Schranken wurde, die innerhalb der menschlichen Gesellschaft aufgestellt wurden,je entwickelter die staatlichen Gemeinschafcen[wurden, in die sich die Menschheit nach und nach gliederte, kurz, je weiter die Cultur der. Menschheit fortschritt, desto grösser war die Zahl der Ehrenbeleidigungen, über welche die Menschheit verfügen konnte. Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Kluft zwischen dem oben erwähnten Esel und dem Menschen mit der steigenden Cultur immer breiter wurde, ausserdem wurden durch die Culturmittel fremde Welttheile entdeckt und erschlossen, eine Menge neuer Thierarien wurde bekannt ' und dadurch wurde gleichfalls der Kreis der Ehrenbeleidigungen erweitert. Ferner darf nicht übersehen werden, dass jede neue Erfindung der Menschheit Material zur Prägung neuer Ehrenbeleidigungen bietet. Wenn man heute die Stimme einer Dame mit dem Pusten einer Lbcomotive vergleicht, wenn man die Zunge einer Dame mit einer Dreschmaschine vergleicht, so fühlt sieh die Dame beleidigt. «Dem Urmenschen standen solche Beleidigungen nicht zu Gebote. Mit dem Wachsen der Cultur wächst auch die Zahl der Ehrenbeleidigungen. * * . * Wenn man die Völker nach der Zahl der Ehrenbeleidigungen ein theilen wollte, die ihnen zugefügt werden, so müssten die Juden an der Spitze aller Völker marschieren. Ein Jude braucht nur in das erstbeste Gaff hineinzugehen, eine antisemitische Zeitung in die Hand zu nehmen, und die Ehrenbeleidigungen fallen hageldicht auf ihn nieder. Wenn man den eben erwähnten Parallelismus zwischen der Cultur und der Zahl der Ehrenbeleidigungen auf die Juden anwendet, so ergeben sich recht melancholische Ausblicke in die Zukunft. Die Tröster der allseits beschimpften Judenheit versprechen, dass mit der wachsenden Menschheitscultur auch die Ehrenbeleidigungen, die auf die Juden niedergehen, spärlicher werden dürften. Jener Parallelismus aber lässt vielmehr erwarten, dass das antisemitische Schimpfwortlexikon immer dickbäuchiger werden muss. Der Hang, die Kinder Israels zu beschimpfen, wird durch die wachsende Cultur nicht ein gedämmt, die zunehmende Cultur vermehrt nur die philologischen Mittel zur Befriedigung dieses Hanges. Jede weitere neue Seite in der Culturgesehichte der Menschheit ist ein neues Blatt für das judenfeindliche Ehrenbeleidigungs-Lexikon. * Der jüdische Leser, der sich aus irgendeinem Grunde alltäglich der Lectüre antisemitischer Blätter hingibt, macht an sich die Erfahrung, dass er im Laufe der Wochen, Monate, Jahre gegen die gedruckten Insulten abstumpft. Diese Abstumpfung vollzieht sich allmählich, unmerklich, man entdeckt sie erst, wenn man rückerinnerad in die

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