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Die Welt · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Article
Zionismus - Egoismus
Date
1899-08-04
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite'6 Nr. äl überflutet werde, wöil dies eia falsches TJrtheil;immer wieder zu erhärten scheint, und indem wir die uralte natibhäle Kraft des Judenthums erwecken und seine grosse ethische Bedeutung von allem Kleinkram loslosen, verbuchen wir auch jenen Nahrung zu bieten, die sich mit hungriger Seele von uns abwenden, um an anderen Quellen Nahrung zu suchen. Wenn auch hier unser Einzelempfinden mit dem Gemeinwohl zusammentrifft, umso besser für. unsere Sache; wenn jener Zionismus,\der uns dient, auch unsere Brüder im Osten zu erlösen vermag, umso besser für sie. Aber man hüte sich, die Hände in den Schoss zu legen, weil jene grossen Massen mit uns gehen.. Hier im Westen darf die Arbeit keinen Augenblick ruhen, nicht nur um jener willen, weil unsere Stimmen einen Wiederhall in der ganzen Welt finden, die ihnen verschlossen ist, 'Sondern auch und hauptsächlich um unseretwillen. Wir thun alles um upseretwillen und dürfen keinen Dank erwarten. - * Bieten wir unseren Brüdern vieles, so geben sie uns alles: die Kraft, die aus ihnen strömt, die Hoffnung, die uns begeistert, und ihre stille, stetige, treue opfervolle Arbeit, die uns mithilft, unsere Zukunft sicherzustellen. Wer dankt jenen Männern, die aus . den entferntesten Winkeln des weiten Reussenreiches ins ferne Schweizerland eilen, wer jenen von ihnen, die von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort wandern, um den Gedanken des Zionismus zu verbreiten und zu stärken? Wer dankt jenem armen russischen Handlanger, jenem bekümmerten Hausierer, der mit dem Schekel ein Opfer bringt, das wir gar nicht ermessen können? Im Zionismus arbeitet jeder für sich. Keiner schuldet dem anderen Dank. Dass aber diese Arbeit im eigenen Interesse zusammenströmt zu einer grossen, erlösenden Leistung für alle Juden und für die Nichtjuden, dass jeder von uns von innigem Danke beseelt ist für den anderen, dass die Massen ihre Führer verehren und diese jene grosse, unbekannte, still-duldende, treue Gemeinde lieben, darin, liegt ein grosses, beseligendes Glück — und die Rechtfertigung unserer Idee. Das ist der Grundstein des Zionismus und der Flaggenmast, vori dem stolz unsere Fahne weht. Zionistische Colonisationsvereine. Von Ben-David. Die Geldmittel, welche die Colonisation erfordert, sind gross, und sicher werden gewaltige Summen nöthig sein, um die Colonisation grossen Stiles, wie der Zionismus sie beabsichtigt, durchzuführen. Die Beschaffung dieser Geldmittel ist eine der Aufgaben unserer Bank, aber sie kann nicht die Aufgabe der Bank allein sein. Diese wird sich ja wiederum an das jüdische Publicum zu wenden haben, an unsere Zionisten, die ihrer Mehrzahl nach zu grösseren pecuniären Leistungen nicht fähig sind. - Liesse sich nun ein Weg finden, wie auch unsere ärmsten Volksgenossen einen Fonds aufbringen könnten, so wäre damit nicht nur eine materielle Grundlage geschaffen, sondern es wäre auch schöner und stolzer, wenn zu dem Zeitpunkte, den wir erwarten und dessen Kommen wir zu beschleunigen suchen, auch der ärmsten Colonistengruppe nur ein Zuschuss zu leisten sein wird zu den Mitteln, dies sie aus Eigenem aufgebracht hat.-— Vor mir» hegt eine kleine Broschüre von einigen zwanzig Seiten, im Jahre 18 9 1 in New-York, gedruckt, unA zwar*. wie man es dort nennt, in der jargonischen Sprache.:,,Ich verdanke ihre Kenntnis -rdie der Broschüre, wohlverstanden — meinem Freunde Maniloff in Brooklyn, der auch einer der: Urheber des Projectes -ist* Däs Heftchen betitelt sich: .... ' : -W „Der pra kti sehe PI a n und na. c h st e r W e g wie jeder Jehudi kann sich besorgen ein e e i gen e F a r m in dem heiligen Lande Erez - J i s r o ei und es braucht niemandem etwas Geld kosten.“ Der Titel ist verlockend — betrachten wir den „praktischen Plan“ etwas näher. Folgendes ist die Grund-Idee. Auch die ärmste Familie gibt eine gewisse Summe für ihren Unterhalt aus, und es ist ja bekannt, dass an den Bedürfnissen der „kleinen Leute“ mehr verdient zu werden pflegt, als an denen der Reichen. „Die Menge thut es.“ Der Unternehmergewinn der Kaufleute, welche Lebensmittel etc. liefern, kann durch einen Consum-Verein in die Taschen der Kundschaft zuriickfliessen. Er kann auch aufgespart werden für einen grossen Zweck, den die Mitglieder des Vereines sich gesetzt haben. In unserem Falle treten 100 Familien zu einem Vereine zusammen, der den Zweck hat, für seine Mitglieder eine concurrenzfähige Bezugsquelle für Lebensmittel etc. zu etablieren, um von dem erzielten Ueberschusse den ganzen Verein in Palästina zu colonisieren. Die Mitglieder sind verpflichtet, alle ihre Einkäufe von dem vom Vereine zu etablierenden Geschäfte zu beziehen. Die Qualität der Waren und die Billigkeit der Preise werden dadurch gar antiert, dass, der Verein seine eigenen Beamten wählt. r Für die ersten Ausgaben wird zum Beginne der Vereins-Thätigkeit ein Capital von — in unserem Falle — 1000 Dollars zusammengelegt durch Beiträge von 10 Dollars per Mitglied. Diese Beiträge werden zurückerstattet. Die Dauer der Vereinsthätigkeit wird auf 6 Jahre veranschlagt während welcher Zeit schon in Palästina mit den Vorarbeiten begonnen wird auf dem Lande, das aus den Ueberschüssen der ersten Jahre gekauft wurde-. Der Duröhschnittsbedarf wird per Familie auf 6 Dollars per YVoehe geschätzt. Es wird angenommen, dass ausser den 600 Dollars, die wöchentlich von den Mitgliedern eingehen, noch 300 aus Verkäufen an Nicht-Mitglieder gelöst werden. Der Gewinn wird auf l/B des Umsatzes berechnet, also auf 1 Dollar per Familie. Auch unverheiratete junge Leute können Mitglieder des Vereines werden, und zwar durch einen wöchentlichen Beitrag zur Vereinscasse von 1 Dollar. (Da solche junge Leute keinen eigenen Bedarf an Lebensmitteln haben, weil sie meist bei fremden Leuten oder in Restaurants essen, so begnügt sich der Verein mit dem Betrage, der seinem Profit entsprechen würde:) Den Mitgliedern des Vereines werden auch gewisse Vortheile geboten, noch bevor der eigentliche Zweck des Vereines sich erfüllt. Die bestellten Waren werden mittelst Wagens kostenlos befördert. Der Bote nimmt auf Formularen, die jedes Mitglied zur Verfügung hat, die Bestellungen für die nächsten Tage in Empfang. Dadurch wird den Hausfrauen viel Zeit gespart. Auch präsentabel soll die Geschäftsgebarung sein in diesem jüdischen Consumverein. Die Lieferwagen tragen die Firma des Vereines und alle Angestellten ein Abzeichen. Die Vereinsgebarung ist bis ins Detail geordnet. Alle Angestellten, durch deren Hände Gelder gehen, haben Sicherheit zu stellen. 3 Auch „specifisch jüdische Züge“ enthält das Statut. Im Falle des Todes eines Mitgliedes werden der Witwe alle Gewinnste aus dem Bedarf ihrer Familie vom Vereine zurückgezahlt. Wer von dem Orte fortzieht, an dem sich der Verein befindet, kann seine Kaufverpflichtung übertragen öder durch Zahlung von 1 Dollar per Woche Mitglied des Vereines bleiben.

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