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Die Welt · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Article
Ein Interview
Date
1899-08-04
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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M. 31 „Die & Welt14 Seite 5 früher viele junge Juden kennen gelernt, die von den hohen Idealen ihres Volkes freudig schwärmten und dabei bitter unter dem Mammonismus und Materialismus ihrer Umgebung litten; ich begrüsse es mit freudigem Antheil, wenn diesen in der neuen Bewegung ein Weg gegeben wird, das materialistische Judenthum zu überwinden, und ich wünsche ihren Bestrebungen von Herzen Glück .... Zionismus — Egoismus. Von H. York-Steiner. Man soll mit einem Assimilanten nie streiten. Es ist so unbarmherzig, einem Menschen seine Ideale zu zertrümmern. Wer von uns hat nicht mit der Ueberzeugung des Erlösten den Erlöser gespielt und die Lehre von der Verbrüderung der Allmenschheit gepredigt? Wir wissen, welches Glück der Gedanke vom endlichen Sieg der Humanität uns brachte, und wir kennen das Leid, das in uns erstand, als wir zur Ueberzeugung kamen, dass wir Juden nicht nur mit zu vielen inhumanen Gegnern rechnen müssen, um diesen Sieg erwarten zu können, sondern auch mit Rassenabneigungen, die selbst humane Menschen uns gegenüber ungerecht macht. Wir sind nicht Zionisten geworden, um einen farbigen Lappen von unserem Mantel wehen zu lassen, nein, wir haben den gelben Fleck aussen angelieftel, weil unsere nichtjüdischen Freunde ihn stets unter unserer Kleidung verborgen wähnten. Das vielgeschmähte, zum Symbol des Neides erniedrigte Gelb, es war gerne gesehen, als die Mode es vor einiger Zeit zu ihrer Leibfarbe erkor. Was viele tragen, ist nicht mehr sonderbar. Wir Zionisten müssen daher nach Genossen suchen, die Pflicht der Selbsterhaltung zwingt uns dazu. Und doch soll man mit Assimilanten nie streiten. Nur eine Frage möge man jenen Juden vorlegen, die dem Zionismus widerstreben. Wünschen Sie, dass Ihre Kinder zum Ghristenthiun über Ire teil? Viele unserer westlichen Juden werden zu geben, dass sie gar nichts dagegen einzuwenden haben. Diese Leute, denen es genügt, Dünger für eine Generation von Menschen zu sein, die nach ihren eigenen Geschwisterkindern Steine werfen wird, denen es gleichgiltig ist, wenn ihre Kindeskirider ihres Grossvaters Grab mit Koth besudeln, die es gestatten, dass man ohne innere Ueberzeugung ein Dogma beschwört, diese Leute sind schwer zu belehren. Das Ersuchen, durch ihre Existenz das Judenthum nicht länger zu verunglimpfen, würde ich auch nicht an sie stellen, denn ihre Kinder können ja ganz anständige Menschen werden — und Judo n bleiben. Man rat he lind dränge niemand zur Taufe. Die Mehrzahl der Juden will wahrhaftig von diesem Auswege nichts wissen, und gar mancher heftige Antizionist wird stutzen, wenn wir diese Frage an ihn sleilen und er, der scheinbar Gleichgültige, der Kühle, Ueberlegene wird dann eifrig, warm, herzlich und erklärt sich als treuer Sohn seiner Eltern, der treue Kinder erziehen will. Wer so antwortet, in dem ruht latent die Kraft unserer Idee. Man soll sie dann mit Milde und Würde erklären. Nach einer Weile, wenn wir uns über all die Fragen ausgesprochen haben, die im Zionismus ihre Antwort finden, wird unser Contrepart einen Waffenstillstand unter folgenden Bedingungen Vorschlägen : „Ich bin ganz einverstanden, wenn Palästina colonisiert wird, auch dass die Juden aus Polen, aus Russland und Rumänien hingehen, scheint mir richtig/ Vor diesem Gottesfrieden hüte man sich, denn er enthält, -für uns und für unsere Bewegung eine grosse Gefahr. Dieses Zugeständnis, es Bedeutet nicht im hr, als die grüne Decke des Moores, unter dem der dicke Sumpf lauert. Wie süss der Gedanke auch lockt, dass wir westlichen Juden uns in die zionistische Bewegung stürzten, um unsere gedrückten Brüder im Osten zu er Ösen, wir müssen ihn energisch abwehren, wir dürfen auch nicht einen Augenblick glauben oder glauben lassen, dass wir nur um anderer Willen zionistisch empfinden. Wohl sind sie es, jene grossen, dumpfen Massen, die wir nicht kennen, sondern nur durch die Weltrufe ahnen, die manchmal zu uns dringen, sie sind es, die zuerst aus unserer Bewegung Nutzen ziehen sollen. Aber nicht weil sie leiden, wollen wir an ihrer Seite für sie kämpfen, denn es leiden auch andere Hekatomben von Menschen — wir treten für sie ein, weil sie unsere nächsten Brüder sind, weil wir mit ihnen leiden, weil jeder Schimpf, der ihnen droht, uns vorletzt: weil jeder Schlag, der auf sie niederfällt, uns aufzucken macht. Wir leiden durch sie, ihr Weh martert unser Herz, jenes brüderliche Mitempfinden ist über uns gekommen, das einen Tolstoi aus d« r gräflichen Ba aglichkeit zu seinen nächsten Brüdern, denMuscliiks treibt. Durch diese tiefe Qual sehen wir in uns die unlösbare Zusammengehörigkeit des ganzen leiden leu Judenthums bestätigt. Aus der brennenden Flamme, die uns gemeinsam umzüngelt, steigt ein reines Gefühl empor, das man Zionismus nennt. Diese Empfindung könnte sich aber auch in d«T Colonisations-Idee allein ausleben, die uns nicht genügt. Warum genügt sie uns nicht? Weil wir den Zionismus auch für uns brauchen, weil wir durchaus nicht aus blossem Altruismus Zionisten sind, wie so viele reiche und doch edle Juden. Nein wir sind Egoisten, ich will es verrathen, und wir denken stets an uns bei alt diesen Aufrufen, bei diesen Versammlungen, Sammlungen, Reisen und Reden. Wir sind selbstsüchtig, wir werben Gespielen und Gespielinnen für unsere Kinder, ja, wir denken sogar daran, dass unsere Mädchen einstens einen Manu finden sollen und unsere Knaben Frauen nehmen werden. Und diese Gespielen und Gespielinnen sollen weder bei jedem leisen Streit ein Schimpfwort hören, das mit Jud“ endet, noch sollen sie mitansehen, wie ihre jungen Freunde die Voreltern im Grabe missachten. Die künftigen Männer unserer Töchter, sie sollen uns achten und schätzen — ohne Vorbehalt, und unsere Schwiegertöchter sollen nicht erschrecken, wenn sie in den Gesichtern ihrer Kinder unsere Züge entdecken. Kurz, wir kämpfen für die Erhaltung unserer Art. Wir wollen nicht vereinsamen, wir arbeiten für unsere Zukunft, damit es recht nicht heisst, unser Leben sei ein zweckloses gewesen. Jene mit absoluter Sicherheit vorauszusehende ThaLache, dass die modernen westlichen Juden sich auflösen und vei flüchtigen, sie erschreckt uns, und wir retten uns in den Zionismus unser e t wi 11 eu. Wir wollen nicht als einsame Narren mit einem gelben Fleck am Mantel.umherwandeln, wir wollen der gelben Faibe allgemeine Achtung verschaffen. Wir wollen nicht, dass «las Gliristenthnm mit faulen, entwirrzelten Elementen aus Hem JurlonthmTt

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