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Die Welt · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Article
Der dritte Congress
Date
1899-08-04
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Öie Weit44 Nr. 8! Vizepräsident des zweiten Zionisteü-Congresses war, heuer nicht nach Basel kommen werde. Wir werden von Mr. L. J. Grecnbe r g, Honorar-Secretär der E n g I i s h Zionist Federation, telegraphisch ersucht, diese Nachricht als u n w a h r zu erklären. Dr. Gast er kommt nach Basel. * * * Die Chowewe Zion in New-York haben für den 16. August ein Massenmeeting der amerikanischen Zionisten einberufen. Tagesordnung: Begrüssung des Gongresses und Beschlussfassung über eine gemeinsame Resolution, die an den Gongress gekabelt wird. * * Auf mehrere Anfragen bemerken wir ausdrücklich, dass die Gongresstheilnehmer wie im Vorjahre zur Eröffnungssitzung im s c h w a r z e n F e s t k 1 e i d e mit w e i s s e r II a I s b i n d e erscheinen müssen. In ein. m dem 3. Congresse präludierenden Aitikel sehieibt die Paiiser„Libert4%t vom M. Juli: „Tn den heutigen Wörterbüchernwürde man vergeblich nach dem Worte: Zionismus suchen. Es ist da eine Lücke, die eines Tages zweifellos wird ausgefüllt werden müssen, denn der Zionismus ist eine Bewegung, die nicht nur die Leute, die er persönlich angeht, sondern auch den Historiker, den Philosophen, den Sociologen und nicht am geringsten den Diplomaten und Staatsmann interessiert . . . Der erste Gongress legte die theoretischen Fundamente; der zweite bestimmte die praktischen Mittel der Ausführung; der dritte, eben bevorstehende, wird uns über die Resultate gewisser, im Laufe des Jahres unternommener Schritte aufkliiren. Die Zionisten gehen sich keinen Illusionen hin, sie haben die Strecke, die ihre Sache zurückzu legen hat, gemessen, alle Hindernisse erwogen, lind sie werden überdies durch gewisse Wegweiser unterstützt. Prüfen wir die Thatsachen, die sich seit dem zweiten Gongress ergeben haben! Sie sind von einer natürlichen Beredsamkeit, die schöne positive Resultate erwarten lässt — wenn diese Thatsaehen nicht an und für sich schon als Resultate angesprochen werden müssen .... Kurz nach dem zweiten Congresse gab Lord Salisbury seine Meinung über den Zionismus kund, eine Meinung, deren Gewicht kaum zu überschätzen ist: Die Juden sind eher als wir andern berufen, die heiligen Stätten des Christentiuuhä in Palästina zu bewachen. Sie werden unten einen Musterstaat gründen, in dem, dank ihren Fähigkeiten, der Handel blühen wird. Der Sultan kann nichts dagegen haben, da unten ein gesundes, autonomes Staatswesen sich gründen zu sehen.“ Tn der That haben die englischen Zeitungen auf die Bedeutung der in den berühmten Audienzen get hauen Aeusserungen Wilhelms II. ausdrücklich hingewiesen, und die türkischen Journale haben sich beeilt, den Zionismus dos Wohlwollens seiner Majestät des Sultans zu versichern. Zieht man nun noch die Gründung der Jüdischen Colonialbank, die grossartige, moderne Organisation der Bewegung und den unerhörten Enthusiasmus der Bekenner in Erwägung, so darf man ruhig sagen; „DerZionismus ist auf dem besten Wege, sein Ziel zu erreiche n.“ * H * Die Fahrpreise nach Basel stellen sich wie folgt: Wien— Innsbruck—Arlberg—Zürich— Basel; T. Cb Schnellzug ö. W. fl. 47 35 It. „ )) « „ 7) 30*50 III. ,, Personenzug „ „ „ 13*30 Berlin—Frankfurt -Basel: t. Gl. Schnellzug ö W. fl. 48*30 11. „ » » „ 34*90 IIL „ , Mark 40*60 firmäsßigte Rückfahrtkarten. Die jüdische Colonialhank. Die nach Basel einberufene Generalversammlung wird nicht, wie zuerst angekündigt wurde, am 21. August, Sandern schon am 17. August, abends um neun Uhr, abgehalten werden. Eininterview. Von Max Aram. (Der Zionismus im U r t h e i 1 e hervorragender Zeitgenossen) (VI.) Herr Otto von L e i x n e r, der bekannte Literaturhistoriker und Publicist, der ein grundsätzlicher Gegner der Enqueten ist und eine schematische Beantwortung der unsrigen ablehnte, gab aber in den Redactionsräumen der „Täglichen Rundschau“ Gelegenheit, seine Ansichten über den Zionismus zu erfahren. Er führte etwa Folgendes aus : . . . Ich verfolge schon seit Jahren mit grossem Interesse die zionistische Bewegung und habe auch die Schrift des Herrn Dr. Herzl: „Der Judenstaat“ gelesen. Es ist mir sein* verständlich, dass in den besseren Juden die dunkle Sehnsucht lebt, an die grossen Erinnerungen der Vergangenheit anzuknüpfen und ein Reich aufzubauen an der Stätte ihrer grossen Geschichte in Palästina. Freilich, es ist zu beachten, dass doch schon zwei Jahrtausende diesen Zusammenhang zerrissen haben könnten. Es sind, wenn man an die praktische Ausführung der Idee denkt, mancherlei Bedenken nicht zu übersehen. Es scheint mir, als oh auch dem neuen Staate eine gewisse Internationalität anhaften würde. Ich kenne durch Augenschein auch die Juden in den östlichen Ländern, in den Balkanstaaten, in Groatien u. s. w., und da scheint es mir kaum denkbar, dass etwa ein schon längst, seit Generationen, in Deutschland ansässiger Berliner Jude und ein galizischer wirklich zu einem organischen Ganzen zusammenschmelzen sollten. Im Feuer der Begeisterung mögen die Zionisten diese Kluft leicht übersehen, und es ist ja immerhin möglich, dass eine allmähliche Entwicklung in einer neuen Wirklichkeit diese Unterschiede thatsächlich mildert. Ferner ist zu erwägen, ob die russischen und die galizischen Juden wirklich der schweren, landwirtschaftlichen Arbeit gewachsen sind. Die Enttäuschungen in Argentinien scheinen dagegen zu sprechen; jedoch ich räume ein, dass eine Golonisation im grossen Massstabe mit ausreichlichen Geldmitteln ein ganz anderes Resultat ergeben könnte. Es wäre in der Geschichte ganz ohne Beispiel, dass ein Volk, das gänzlich zerstreut worden, durch eine sittliche Erhebung einen nationalen Staat wiedererhielte. Aber es wäre vermessen, anzunehmen, dass dies durch göttliche Fügung nicht möglich werden könnte. Ja, ich würde es mit inniger Freude begrüssen, wenn die Zionisten ihr Ziel erreichten; denn es würde mir ein Beweis für die sittliche Weltordnung sein. Noch einmal, in jedem Falle sind die Bestrebungen der Zionisten die achtungswertesten- und respectabelsten. Wenn ich ein Jude wäre, würde ich ein leidenschaftlicher Zionist sein. Ich kann mir auch nicht vorstellen. dass irgend ein Deutscher diesen Bestrebungen feindlich gesinnt sein möchte» Am wenigsten begreife ich die Feindschaft im eigenen Lager. Es mögen dies die Elemente sein, die ganz hn öden Materialismus befangen, und die am ersten, ja einzig und allein zum Erwachen des Antisemitismus beigetragen haben» Diese — Banquiers sind das Verhängnis für das edlere Judenthum gewesen; jede neue Million, die sie erobert, war Jür dieses eine verlorene Schlacht, Ich habe schon

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