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Die Welt · 1899-07-28 · 30 (28.7.1899) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
30 (28.7.1899)
Article
Markus-Studien [Rezension] / j. b.
Date
1899-07-28
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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Seite 14 „Die A Welt“ Nr. 30 Bücherwelt. Cb aj es H. P. Dr. Markus-Studien. 8°, Berlin 181)0. Es gibt kaum ein Gebiet, das in allen seinen kleinsten Einzelheilen so viele Forscher gefunden hätte, wie die Entstehung des Urchristenthums. Es ist dies wegen der grossen Anzahi der christlichen Forscher wohl sehr begreiflich, aber auch für die jüdische Geschichte erfreulich. Gilt es doch, eine ihrer merkwürdigsten Epochen zu erkennen. Man begreift, wie wichtig es für die Entstehungsgeschichte und die erste Richtung des Urchristenthums ist, festzustellen, ob die Evangelien oder richtiger ihre Vorlage, das Urevangelium, in griechischer oder semitischer Ursprache abgefasst wurden, wie tief zugleich auch diese Frage die Geschichte des Judenthums jener Zeit berührt. Die Annahme einer semitischen (hebräischen oder aramäischen) Ursprache wird von vielen christlichen Forschern vertheidigt. Der Verfasser vorliegender Studien nimmt die Arbeit von neuem auf und versucht eine hebräische Vorlage des Marcusevangeliums zu beweisen. Wenn auch zur Zeit Jesu in Palästina allgemein aramäisch gesprochen wurde, so wollte man — nach der Meinung des Verfassers — doch durch die hebräische Sprache den evangelischen Berichten mehr Heiligkeit und Weihe verleihen, möglicherweise für die öffentlichen Vorlesungen in den christlichen Synagogen — wenn solche in ältester Zeit wirklich stattgefunden haben — brauchbar machen. Die Methode des Verfassers ist fast durchwegs — wenn man so sagen darf — eine negative. Er versucht schwierige Stellen im griechischen Texte als Uebersetzungsfehler aus dem Hebräischen nachzuweisen, wodurch dann stillschweigend der hebräische Urtext bestätigt wird. Manche dieser Beweise sind scharfsinnig und stichhältig, manche willkürlich und nicht annehmbar. Von Interesse sind die vielen geschichtlichen Bemerkungen, die der Verfasser in seine Studien einstreut, so z. B. wiederholt er Bemerkungen über die Essäer. Manche Fussnoten könnten ruhig Wegfällen, ohne dem Ganzen Abbruch zu thun. j. b. Nacht Albert. Einst und jetzt in der jüdischen Wissenschaft. 8°, Jassy 1899. Verlag von J. Kaufmann, Frankfurt a. M. Unter diesem fast marktschreierischen Titel verbirgt sieb eine kleine Polemik gegen einen Artikel Abraham Epsteins im Septemberhefte der Revue des etudes juives und zugleich eine fast panegyrische Apologie des Werkes DorothHarischonim von lsaac Haie vy. Dieses Werk, von dem vor ungefähr zwei Jahren zuerst der dritte Theil erschienen ist, ist wirklich von Bedeutung. Die Zeit des Abschlusses des Talmuds*, der Saboräer und der Gaonim, welche dieser Theil umfasst, ist wegen der Spärlichkeit der Quellen so wenig und so lückenhaft bekannt, dass jeder Beitrag mit Dank —freilich mit stillem Dank — angenommen werden muss. Halevys Werk füllt auch viele Lücken in unserer Kenntnis der Geschichte dieser Zeit aus, berichtigt oft das frühere, und stellt neue Hypothesen auf. Als Quelle erster Art benützt H a 1 e v y die bisnun diesbezüglich nur wenig beachtete Halacha, und das ist sein Verdienst. Das Werk hat aber auch seine Mängel; neben manchen unhaltbaren Vermuthungen ist es besonders das uumethodische seiner Forschung und seines Vortrages. Bei richtiger Methode hätte das Buch in der Hälfte seines Raumes viel mehr enthalten können, als jetzt. Aber in unserer an guten,grossen, wissenschaftlichen Werken armen Zeit wird das Erscheinen eines jeden halbwegs guten Buches, das ohne seine Vorzüge gar nicht erscheinen dürfte, mit einem der Wissenschaft ungeziemenden Lärm und Pomp der Welt verkündet, sein Inhalt als sacro-sanct ansgerufen und jede Bemängelung, jeder Zweifel mit zelotischen Gegenbroschüren verspottet. Der Artikel Ahr. Epsteins, eines namhaften jüdischen Forschers, der einige Vermuthungen Haie vis über die Saboräer — oft mit Unrecht — bemängelt, wird in der uns vorliegenden Broschüre mit allzu vorlauten Fanfaren zum Papierkorb getragen. Es hätte dies in wissenschaftlicher, ruhiger Art auf zwei Seiten geschehen können. Der Verfasser, dem nicht innige Liebe zur jüdischen Wissenschaft abzusprechen ist, thut dies auf 83. Dafür läutet er der „alten Schule“ (1) — die neue soll wohl mit Halevi und seinen Herolden beginnen — das Todtenglöcklein. Ach, wie jugendlich revolutionär! Der Verfasser ist noch übereifrig genug, um unwissenschaftlich sein zu können. Weniger Eifer und mehr Reife wäre besser gewesen. Im Ganzen sehr viel Lärm um weniges. j. b. Bernfeld S. Dr. •y'ig m'lSin Warschau 1898. Verl, d. Aehiasaf. Es ist eine ausgezeichnete Biographie S. L. Ra p p aports, des Begründers der jüdischen Wissenschaft. Gegenüber der mehr püblicistischen Biographie von A. P o r g e s ist die vorliegende moderner und wissenschaftlicher. In unserer Zeit ist man eben schon eher imstande, die wissenschaftliche Leistung und Bedeutung Rap pap orts abzuschätzen. als dies zur Zeit dieses R a p p ap o r t’schen Schülers der Fall war. Gegenüber der kleinlich nerglerischen Skizze von J. H. Weiss in seinen Memoiren ist die Charakteristik Rappaporfcs in unserem Buche viel objectiver gehalten, höher in der Auffassung und von weiterem Horizonte. Wie lebendig steht Ra p papo r t vor unseren Augen da, mit seiner bezaubernden Gestalt und herrlichen Seele, mit seinen grossen Vorzügen und grossen Fehlern, ein Kämpfer und Bahnbrecher, und auch ein Märtyrer. Bernfelds hebräischer Stil ist nicht ohne journalistische Leichtigkeit, klar, ernst und gedrungen. Die neühebräische Literatur wird der Achiasaf-Geselbschaft bald viel zu verdanken haben. j. b. Das imposante Hess’sche Werk „Rom und Jerusalem“ ist von Herrn David Zem ach ins Hebräische übertragen worden und wird demnächst in einem der Bücher der „Hebräischen Bibliothek“ im Verlage „Tiiscliijah“ erscheinen. Das von der Centralconferenz der amerikanischen Rabbiner herausgegebene Jahrbuch (1899—5659) enthält die Photographien der Rabbiner, die im Frühjahre zu Ehren des Mentors der freisinnigen amerikanischen Judenheit, Rev. J. M, Wise, sich in Cincinnati versammelten. Ausser den Gratulationsadressen enthält das Jahrbuch einige interessante und zeitgemässe Artikel: „Der Rabbi und die Wohlthätigkeitsanstalten“, ' von Rabbi C a r 1 i s h; „Wie können wir unsere jungen Leute für den Gemeindedienst schulen?“, von Rabbi Knouskoff; zwei Artikel über Z i o n i s m u s, einer pro, einer contra. Eine jüdische Original-Oper. („Sulamith“. Lyrisch-romantische Oper in 4 Acten von Isidor Goldfaden. Musik von Emanuel Davidsolin.) Zu den eigenthümlichsten Erscheinungen des modernen Theaterwesens gehören die jüdischen Jargon-Theater, wie man sie in den verschiedenen grösseren Städten Galiziens und Polens so häufig trifft. Auch in Amerika kommen sie vor, in New-York existieren sogar deren drei. Diese Jargon- Theater werden dem durchreisenden Fremden immer als besondere Specialität gezeigt, und es berührt den Zuschauer auch — gelinde gesagt — befremdend, wenn er da, wie es so häufig vorkommt, die bekanntesten Dichtungen oder gar Opern in einem ihm total unverständlichen jüdischen Dialect aufgeführt sieht. Man denke sich den Don Carlos oder Carmen in einer derartigen Uebersetzung. Man braucht nicht etwa zu glauben, dass dieseTheaterSchmieren sind. Im Gegen - theil. Sie gelten dem sie erhaltenden Stammpublicum sozusagen als nationale Kunstinstitute, und für theueres Geld werden die denkbar besten Kräfte accjuiriert. Ist doch vor einigen Jahren eine begabte Opernschülerin des Wiener Conservatoriums unter ausserordentlichen Bedingungen an ein New-Yorker Jargon-Theater engagiert worden, und es ist ihr dort durchaus nicht schlecht ergangen. Aber nichtsdestoweniger berühren die vollendetsten Aufführungen von Werken anderer Nationen in einem derartigen Theater wie gesagt befremdend. Anders aber stellt es, wenn es sich um ein Originalstück, sei es Oper oder Drama, handelt. Wer das Glück hat, der Aufführung eines solchen anzuwolmen, kann da die seltsamsten eulturellen Studien machen. Entweder es werden historische Stücke, welche Begebenheiten aus dem alten Testamente behandeln, aufgeführt, oder es handelt sich um moderne Stücke, die dann meistens Bilder ans dem jüdischen Familienleben darstellen. Der intensive künstlerische Ernst, mit dem sowohl Publicum als auch Schauspieler ihre Sache behandeln, wirkt auf den Fremden ansteckend und der Eindruck, den man von einer derartigen Darstellung mitnimmt, ist ein tiefer und bleibender. Seit einigen Wochen hat man sogar in Budapest Gelegenheit, eine derartige Jargon-Oper zu hören. In Alt ofen existiert ein kleines Theater, das sonst immer von

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