Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 30 (28.7.1899)
- Article
- Der vermeintliche heilige Leuchter
- Date
- 1899-07-28
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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„Die Hc Welt“ Seite 11 Nr. 30 Tische, auf dem die Schaubrode lagen, in einem Tempel auf dem Capitole untergebracht, während die goldene Tafel, welche die Königin Helene von Codiabena nach ihrem Uebertritte zum Judenthume im heiligen Tempel aufstellen liess und auf der die (ntölD ntP^ß) mit schwarzem Lacke geschrieben war, im Colosseum mit noch anderen jerusalemitanischen Kostbarkeiten hinterlegt war. Bei einem Brande, der dann das Colosseum ein äscherte, wurden auch alle Kleinodien zerstört. Vom Tempel in Jerusalem, der einst unser Stolz lind unser Ruhm war, ist heute nichts mehr vorhanden als nur eine Alabastersäule, die in Rom in einer Kirche zu sehen ist. So hat-Israels Ruhm geendet. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der israelitischen Cult us gern ein de Wien vom 16. bis zum 22. Juli verzeichnet 63 Gehurten, 5 Trauungen, 44 Sterbefälle. Personalnachricht. Dr. Lazar Feuerstein, Vereinsobmann des „Zion" in Korolowka hat sich mit Frl. Eva Kohn aus Kaniieniec podolski verlobt. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Lemberg. Am 19. und 20. d. M. fand im Saale des „Jad Charitzim" die General-Conferenz der galizischen Zionisten statt. An der Conferenz nahmen 100 Delegierte theil, darunterdasW.iener Actionscoinite-Mitgiied Herr Doctor Leopold. K a h n. Die Conferenz wurde vom Actionscomite- Mitgliede Herrn Dr. Rosenhe ck eröffnet. Referent gab einen Leberblick über die Lage der Juden und den Stand der zionistischen Bewegung in Galizien, wobei er auf die grossen Erfolge hin wies, die das Actionscomite durch Entsendung von Agitatoren in alle Theile des Landes erzielt. Sodann folgten Referate über die Banksubscription und die Schekelsammlung, worauf von der Delegierten-Conferenz das Präsidium, bestehend aus den Herren Dr. Bruck, Julius Hoehfeld und- Ch. Schwarz, beauftragt wurde, folgendes Telegramm an den Führer Herrn Dr. Th. Herzl zu lichten: „Die Conferenz begrüsst Sie aufs herzlichste, drückt Ihnen vollstes Vertrauen aus und bittet, im Interesse der guten Sache unermüdet, in voller Kraft, zu arbeiten.“ Nach zweitägiger heisser Debatte wurde die Tagesordnung: 1. Organisation im Sinne des politischen Zionismus, 2. Wahl eines siebengliedrigen Comites zur Ausarbeitung der Statuten der galizisclien Partei-Organisation, 3. Wahl von 15 Landescomite-Mitgliedem, 4. Parteipresse, 5. Sprachverein, erledigt. Am Abend vereinigten sich die Delegierten zu einem Commerse, wobei auf die Herren Dr. Herz i, Dr. Nord a u, Dr. Gaster, Di*. Kahn und Dr. Rose n h e e k Toaste ausgebracht und auch folgende Resolution angenommen wurde: „Die Conferenz der galizischen Zionisten betheuert ihr treues Festhalten an der Institution des Zionisten-Congresses und heschliesst, sich an die von den Baseler Congressen beschlossenen öder zu beschliessenden Principien zu halten.“ Von anderer Seite wird uns berichtet: Die Resultate der Conferenz, die ziemlich gut beschickt war (100 Delegierte), sind nicht wesentlich gross, weil 11/? Tage mit Auseinandersetzungen mit der kleinen, 7 Mann starken Opposition zugebracht werden mussten. Die in letzter Stunde geleistete Arbeit, welche wohl im Sinne der politischzionistischen Majorität ausfiel, trägt daher auch den »Stempel der Hastigkeit und Unvollkommenheit. Gleichwohl hat sich gezeigt, dass die Mehrheit der galizischen Zionisten politischzionistisch ist, während die Zahl der sogenannten „Praktischen" oder „Organischen" verschwindend klein ist. G. Budapest. Der ungarische israelitische Handwerks- und Ackerbauverein schreibt auf die von ihm bei der Budapester staatlichen höheren Gewerbeschule errichteten Stipendien von 60 fl. und 120 fl. den Concurs aus. Als Bewerber können sich solche unbemittelte Schüler israelitischer Confession nach vollendetem 15. Lebensjahre melden, welche schon Schüler der staatlichen Mittel-Gewerbeschule sind, ferner solche, welche die unteren vier 0 lassen einer Bürgerschule, eines Gymnasiums oder einer Realschule mit Erfolg absolviert haben; schliesslich jene, welche bei der vorgeschriebenen Aufnahmeprüfung die nöthige Vorbereitung an den Tag legen. Die mit Schul-, Geburts- und Armutliszeugnis versehenen Gesuche sind bis 10. September beim Vereinspräsidium (VI., Damjanichgasse Nr. 48) einzureichen. — Wie aus Szempcz (Wartberg) berichtet wird, wurde daselbst zur Nachtzeit der israelitische Tempel von bisher unbekannten Thätern erbrochen und die ln den Sammelbüchsen enthaltenen Beträge, circa 100 fl., gestohlen. Deutschland. Berlin. Leber die Thätigkeit der Londoner Judenmlssiou in Berlin während des Jahres 1898 berichtet Pastor B e c k e r in der Missionszeitschrift „Dibre Emeth". Darnach wurden Hausbesuche 772 gemacht, Reden 98 gehalten, 8000 Tractate neu gedruckt und 48.578 Schriften verbreitet. Aus dem Verkaufe von 7162 Schriften ergab sich eine Einnahme von 381 35 Mark. Aus Abonnements für die beiden Missionsblätter „Dibre Emeth" und „Thimotheos" wurden 584*62 Mark eingenommen, weitere Einzel- und Sammelgaben 633*50 Mark. Diesen Ausgaben und Arbeiten stehen gegenüber 5 Taufbewerber, 2 Taufen, 44 Theilnehmer an der christlichen „Jomldppur-FeierZ Zur Erreichung dieses Erfolges waren ausser Pastor Becker noch ein Colpoiteur und eine Diakonissin thätig. Russland. St. Petersburg. Eine für das Recht der jüdischen Bevölkerung, in den einzelnen Städten besondere Vereine zur Pflege ihrer Interessen gründen zu dürfen, bedeutsame Entscheidungist kürzlich vomdirigierendenSenate gefällt worden. EinigejüdischeEinwohner derKrcisstadt Balta, Gouvernement Podolien, hatten die Absicht gehegt, in Balta eine Gesellschaft zur Unterstützung* von armen Hebräern zu gründen und zwar nach dem Normalstatut der 1897 für Balta gegründeten Unterstützung von Armen. Das von ihnen dem Gouverneur eingereichte Gesuch um Bestätigung der Gesellschaft. wurde jedoch von dem Gouverneur abschlägig beschielten, „weil die geplante Gesellschaft nur die Unterstützung von Personen jüdischen Bekenntnisses zum Ziele hat". Daraufhin wurde gegen die Verfügung des Gouverneurs beim Senate Beschwerde gefühlt, und der Senat verfügte denn auch, dass die Motivierung* des Gouverneurs für die Verweigerung der Bestätigung der Gesellschatt durch die vorhandenen Gesetze nicht gegeben sei, die Verweigerung dieser Bestätigung mithin aufgehoben werden müsse. Clierson. (Fürst O bolen's lcy üb e r d e n Z i oni smus.) Der Chersoner Rabbiner Dr. Günzburg wurde kürzlich von dem Chersoner Gouverneur, Fürsten Oboiensky, empfangen. Unter anderem stellte Dr. Günzburg eine Anfrage, ob es einem von der Regierung bestätigten Rabbiner gestattet sei, als Delegierter auf den Baseler Zionisten-Congress zu fahren. Auf diese Anfrage antwortete der Gouverneur Folgendes : „Ich wüsste nicht, was Sie hindern kann. Auch ich möchte mit Vergnügen dort sein, wenn es mir die Zeit erlauben würde. Der Zionismus ist mir gut bekannt. Ich habe alle Reden des Dr. Nord au gelesen, und obwohl ich von der Realisierung des Zionismus nicht so überzeugt bin, so kann ich Ihnen doch sagen, dass ich die Bestrebungen der Juden zu diesem Zwecke jedenfalls für achtungswürdig halte. Wenden Sie sich, wenn Sie nach Basel fahren werden, an mich, und ich werde Ihnen Urlaub geben.“