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Die Welt · 1899-07-28 · 30 (28.7.1899) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
30 (28.7.1899)
Article
Erzbischof Kohn
Date
1899-07-28
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die 2Welt“ Nr. 30 zu thun haben". Die Strafamtshandlung gegen das ungeberdig*e Schäfchen ist eingeleitet 2. Der Sieger über die altdeutschen Juden von Leipnik-Weisskirclien, der schönererianische Abg. Focliler, las vorigen Sonntag den zu schlaffen Deutschen von Olmütz die Leviten. „Was will man auch von einer Stadt erwarten", rief er u. a., „wo der Erzbischof halb Czdchej halb Jude ist?! Los von Rom!!!" Daraufhin gal) der ezechisch-clericale „Nnsinec“ die Gegenparole aus : „Los von Juda.“ Sämrntüche Grossjuden von Olmütz sind Mitglieder des Deutschen Vereines, als dessen Gast Doctor Rochier die Juden schmähte, und die reinjüdischen „Deutschen Stimmen aus Prossnitz" beklagten den schwachen Besuch der Hetzversammlung aufs tiefste. Frau Jeanette Schwerin, bekannt als - Verfechterin der Frauenarbeit, ist unlängst in Berlin gestorben. Sie war Jüdin, Tochter des Dr. Abarbanel, der 1878 die Arbeiterpartei organisieren half. Amerika, Du hast es besser. Vor kurzem wurde in Chicago ein jüdischer Hausierer bei helllichtem Tag und auf offener Strasse ermordet. Der Hergang ist folgender: Salaxnon Ö p t n e r, der seine Waren auf einem Wagen in die Vorstädte von Chicago zu führen pflegte, kam mit seinem Wagen an einem der letzten Junitage in die Union- Avenue. Er gieng neben dem Gefährte zu Fuss einher, während sein Sohn, ein 0—Tjähriger Knabe im Wagen sass. Einmal wandte sich der Knabe zufällig um und bemerkte, wie einige grössere Bursche den Wagen von rückwärts erkletterten und nach den Waren, die in demselben aufgestapelt lagen, haschten, um sie ihren Genossen, die ihnen auf dem Fusse folgten, nach alter Diebssitte zuzuschanzen. Der Knabe machte seinen Vater rasch darauf aufmerksam, und dieser gieng auf die Diebsgesellschaft zu, um sie zu verjagen. Doch anstatt Fersengeld zu nehmen, wie ehrliche Mauser, die auf frischer That ertappt werden, zu thun pflegen, ergriff einer aus der sauberen Gesellschaft einen Flintenkolben — er hatte es ja bloss mit einem jüdischen Hausierer zu thun — und versetzte dem Opfer einen Schlag auf das Haupt, der von derartiger Wucht war, dass der arme Mann mit zerschmettertem Gehirne todt nie der stürzte. Der Mörder ist ein 20jÜbriger Ire namens Thomas She ehy. Dies ist seit 9 Monaten der dritte Fall in Chicago, dass ein Jude bei helllichtem Tage a u s p u r e r M o r d g i e r niedergemacht wird. Es ist wohl zu beachten, dass es sich in keinem der drei Fälle um einen Raubmord oder um eine Tödtung aus irgendeinem anderen Grunde als dem Hasse gegen die Juden handelt. In den beiden ersten Fällen kamen die Mörder mit lächerlich geringfügigen Strafen davon, was seinerzeit peinliches Aufsehen erregte und die Unparteilichkeit des Chicago er Geschworenengerichtes nicht im günstigsten Lichte erscheinen liess. Fahneneid in hebräischer Sprache. Wie aus Petersburg berichtet wird, hat die h. Synode verordnet, dass diejenigen jüdischen Reeruten, die de)' russischen Sprache nicht mächtig sind, den Militäreid in der hebräischen Sprache zu leisten haben. Der „Ritualmord“ in Polna. Wie verlautet, wird die Verhandlung gegen Leopold Hülsner wegen des Mordes in Polna beim Kreisgerichte Kuttenberg am 11. September um 9 Uhr vormittags beginnen. Den Vorsitz wird Kreisgerichts- Präsident Hofrath Jezek führen, die Anklage wird Ober- Landesgerichtsrath Staatsanwalt Dr. Schnei der-S wo boda vertreten, als Vertheidiger des Angeklagten wird derAdvocat in Kuttenberg, Dr. Zdenko Auschednizek, fungieren. Die Vertretung der Mutter der ermordeten Hruza hat der 3’adical-jungczechische Abgeordnete Dr. B axa übernommen. Zur Verhandlung werden 35 Zeugen vorgeladen, ausserdem werden 50 Protokolle, zur Verlesung gebracht werden. Ausser den Gericlitsärzton von Polna werden auch zwei Prager Gerichtsärzte, der Professor der gerichtlichen Medicin an der czechisehen Universität, Dr. Heins b. er g, und der Docent dieses Faches an derselben Universität, Dr. Slavvik, vernommen werden. Es ist jedoch noch nicht entschieden, ob nicht das Prager Landesgericht für die Durchführung dieses Processes wird delegiert werden, da seitens des Vertheid jgers diesbezügliche Schlitte unternommen worden sind. Auswanderer. Im Gouvernement Wilna steigt die Auswanderung wieder sehr erheblich, jede Woche verlassen 30—40 Familien ihren Wohnort, um zu emigrieren. Meist gehen diese Leute nach Nordamerika. Das Petersburger Censürcomite hat die Herausgabe des Dramas „Doctor Kohn" von Dr. Max Nordau in jüngster Zeit gestattet. Die jüdischen Soldaten. Aus Petersburg wird gemeldet : Der Generalstab Hat die Verfügung erlassen, dass die jüdischen Soldaten gleiclmiässig unter alle Regimenter der ganzen Armee vertheilt werden sollen, während bisher die Regimenter sehr ungleich mit ihnen bedacht sind. Die Liquidation. Wie man mm officiell aus Paris meldet, wird der Process Dreyfus in Rennes am Montag den 7. August beginnen. Die Verhandlungen werden, wie weiters aus der französischen Hauptstadt berichtet wird, täglich von 6 Uhr morgens bis mittags dauern. Der Regierungs-Commissär Major Barriere hat bisher 70 Zeugen vorgeladen, an deren Spitze sich der ehemalige Präsident der Republik, Casimir Perrier, befindet. Mit Rücksicht auf die grosse Zahl der Zeugen, man spricht von 154, dürfte der Process mindestens 14 Tage in Anspruch nehmen, oder vielleicht noch länger dauern, da die Vertheidiger die Absicht haben, alle Denuncianten vorladen zu lassen. Rumänisches. Ein Regierengserlass ordnet für beide rumänische Universitäten eine von fremden Studenten einzuhebende Studientaxe von 40—90 Francs vierteljährlich an. Diese Taxe trifft vornehmlich die einheimischen Juden. Zur Förderung jüdischer Handwerker. In Württemberg hat sich ein Verein zur Förderung des Handwerks unter den 'Juden gebildet. Im Grossherzogthume Hessen wurde einem jungen jüdischen Gerichtsassessor das Amt eines Hilfsgerichtsschreibers verweigert, indem der Justizminister erklärte, „dass der antisemitische Theil der Bevölkerung an der Anstellung eines Juden Anstoss nehmen würde". Dagegen stellt der gleiche Herr in Orten, mit grosser jüdischer Bevölkerung Richter mit ausgesprochener antisemitischer Gesinnung an. Der vermeintliche heilige Leuchter. Der „Israelit" berichtet: Vor einigen Wochen brachten nicht nur jüdische, sondern auch politische Blätter die Nachricht, dass hier bei den von der Regierung veranstalteten Ausgrabungen der Leuchter aus dem heiligen Tempel in Jerusalem, und zwar der, den Her ödes anfertigen hatte lassen, gefunden worden sei. Diese Nachricht erweist sich jedoch als eine irrige, denn der Leuchter, der bei den Ausgrabungen am Ponte Sixto (Sixtusbrücke) aufgefunden wurde, ist ein einfacher bronzener Leuchter — der im Tempel von Jerusalem im Gebrauche gewesene war bekanntlich aus massivem Golde — der von einem römischen Künstler etwa zweihundert Jahre vor der Zerstörung des Tempels angefertigt wurde, und zwar finden einfachen Hausgebrauch. Der Leuchter hat auch gar keine Aehnlichkeit mit dem Leuchter, der auf dem Triumphbogen des Titus mit noch anderen Gelassen aus dem heiligen Tempel cingemeisselt zu sehen ist. Zudem ist es ja aus den römischen Chronisten bekannt, dass der Leuchter aus dem jerusalemitischen Tempel von den Vandalen, als sie Rom unter ihrem Könige Geiserich plünderten, in die Tiber geworfen wurde, wo er noch heute im Schlamme vergraben liegt. Er kann daher nicht anderwärts.vergraben worden sein. Nach der Zerstörung des jerusalemitischen Tempels wurde dieser Leucl ter sammt dem goldenen

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