Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 30 (28.7.1899)
- Article
- Verzeichnis der Firmen, welche in ihren Centralen und Filialen Gelder für den "Jewish Colonial Trust" annehmen
- Date
- 1899-07-28
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Mentioned entities
- Riga 3× ep/1000826
- Vilnius 3× ep/1000947
- Pinsk 2× ep/1045440
- Daugavpils 1× ep/1000225
- Hrodna 1× ep/1044655
- Kaunas 1× ep/1000678
- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
- Radom 1× ep/1000823
OCR text
Seite 7 Nr. 30 „Die H Welt« Amerika. Union National Bank, Chicago. The Fifth Avenue Bank, New-York. The Bowery Savings Bank, New-York. Russsland. I. Bunimewitz, Wilna. Commerzbank in Minsk, Minsk. Commerzbank in Warschau, Warschau. I. Friedmann & Go., Riga. Gebrüder Löwstein, Riga. Gebrüder G. & 8. Lourie, Hornel. A. Goldfeder, Warschau. M. Goldhaar, Radom. Gregoire Lourie, Pinsk. A. Horodischz, Bialystok. Idel & Sam. Lourie, Pinsk. L. Schallt, Riga. Lodzer Gegenseitige Creditgesellschaft, Lodz. Leon Löw, Riga. M. M, Eliaschew, Grodno. Meyer Aronowsky. Wilna. Moskauer Kaufmannsbank, Moskau. Moskauer Internationale Handelsbank, Moskau. Oreler Gommerzbank, Orel. Pinsker Gegenseitige Creditgesellschaft, Pinsk. L. 8. Poliakoff, Moskau. Rigaer Commerzbank, Riga. S. I. Sachs, Dwinsk Samuel Barba^eh, Odessa. Warschauer Discontobank, Warschau. Wilnaer Privat-Handelsbank, Wilna. Wolga-Kama Gommerzbank, St. Petersburg. Isser B. Wolff. Kowno. Perlis & Ginsbuig, Bialystok. Die Woche. W i 6 n, 26. Juli 1890. Wenn man als Reporter neben oder hinter den Kindern Israels einhergellt und ihre täglichen Erlebnisse zu notieren sucht, so merkt man, dass eine gewisse Monotonie in dem Lebensgange der Judenheit ist. Zwei bis drei Monate braucht man, um alle Schicksale der heutigen Juden kennen zu lernen. Innerhalb eines Vierteljahres spielen sich regelmässig alle Ereignisse ab, welche den Inhalt der modernen, jüdischen Geschichte bilden. Hat man ein Vierteljahr aufmerksam zu ge sehen, so sieht man dann kaum mehr etwas Neues. Damit ist nicht gesagt, dass ein solches Vierteljahr für sich einförmig und arm an Geschehnissen ist. Nein, gerade weil sich in jedem kleineren Zeitabschnitte alle charakteristischen Geschicke der Judenheit auf einen engen Raum zusammendrängen, ist so eine kleine jüdische Geschichtsperiode bunter und ereignisreicher als die kleinen Geschichtsabschnitte anderer Völker. Man könnte dieses Verhältnis vielleicht folgenderen assen veranschaulichen: Da sind zwei Schaubühnen, eine ist die Bühne der Juden, die zweite ist die Bühne eines anderen Volkes. Auf jeder der beiden Bühnen wird ein Schauspiel mit — sagen wir — dreissig Seenen aufgeführt. Auf der jüdischen Bühne .werden alle dreissig Seenen an einem Abend gegeben, am nächsten Abend dieselben dreissig Scenen, am drittnächsten Abend wiederum, und so fort. Im Schauspielhause des anderen Volkes wird am ersten Abend die erste Scene gegeben, am nächsten Abend die zweite Scene u. s. w., so dass man erst in dreissig Abenden das ganze Volksschicksal durchläuft. — So ist ein Tag der Juden inhaltsreicher, als ein Tag der anderen, doch weil sich im Dasein der Juden derselbe vielfarbige Tag immer wieder an denselben vielfarbigen Tag reiht, wird die Reihenfolge monoton. Der Tag der anderen ist ereignisleerer, doch ihre Tagesfolge weniger monoton. * * * Aus der Zerstreuung der Juden lässt sich das leicht erklären. Ein Volk, das auf einer beschränkten Scholle wohnt, hat heute seinen Sonnenschein, in Monaten den grauen Himmel des Herbstes und wieder in Monaten den Winterfrost. Der Scenenwechsel erfolgt mit einer gewissen gesetzlichen Langsamkeit, die Ereignisse wickeln sich in kalendarischer Regelmässigkeit ab. Das Volk der Juden, das über alle Zonen zerstreut ist, empfindet alle Launen des Himmels an einem Tage. Auf einer winterlichen, schneeverwehten Strasse Russlands erfriert ein jüdischer Hausierer, in Algier wird der Pöbel vom heiteren Sommerwetter aus den Schlupfwinkeln hervorgelockt und gibt seiner aufgeräumten Stimmung durch Improvisierung eines Judenkrawalles Ausdruck, irgendwo in einem Walde Mitteleuropas wird ein fahrender Strauchritter durch den Herbstnebel zur Vollführung eines Verbrechens begeistert, so dass den Wald fortan die Romantik des Ritualmärchens umgibt — und dies alies an einem Tage. * * * Die Judenheit als Ganzes erlebt an jedem Tage mehr als ein anderes Volk. Von zwei Menschen, die nebeneinander im Grase liegen, hat der Grössergebaute mehr physische Eindrücke. Er empfindet eine grössere Zahl der Eigenheiten des Bodens, eine grössere Zahl von drückenden Sternchen, Wurzeln, Distelstümpfen, weil er eine grössere Strecke des Bodens mit seinem Körper bedeckt. Bei den Völkern ist es ebenso. Das Volk der Juden hat an einem Tage mehr Erlebnisse, weil es über allen Boden des Erdballes hingestreckt ist. Das Volk der Juden hat überhaupt die ereignisreichste Geschichte unter allen Völkern. Denn jedes andere Volk hat nur seine besondere eigene Geschichte, doch das Volk der Juden, das lieben allen Völkern der Erde wohnt, muss in seine Geschichte auch noch alle Erlebnisse aller Völker eintragen. So kommt es, dass den Juden kein menschliches Los fremd ist. Denn wo immer ein Los einem Volke zufällt, fällt es auch den Juden zu. Irgend ein Erdbeben, das nur in einem entlegenen Ländchen der Erde Verheerungen anrichtet und alle übrigen Völker verschont, verschont nicht die Juden. Denn sie wohnen auch in dem entlegenen Ländchen. Irgend eine Seuche wüthet nur in einem bestimmten Winkel der Erde. Alle Völker bleiben frei von der Seuche, doch die Juden fallen ihr zum Opfer. Denn sie wohnen auch in jenem Winkel der Erde. Jedes Volk hat nur seine eigene Bürde zu tragen, das jüdische Volk trägt alle Bürden aller Völker. * * Es heisst, dass man durch Erlebnisse, äussere und innere, altert. Der Begriff der Zeit ist doch nur der Sammelbegriff für all unsere Erlebnisse. Je mehr jeder erlebt hat, eine desto längere Zeitstrecke hat er zurückgelegt, mag auch der Uhrenzeiger, der sich stumpfsinnig im Kreise dreht, anderer Meinung sein. Von zwei Völkern ist dasjenige, das ein dickeres Geschichtswerk aufzuweisen hat, das ältere, wenn es auch um viele hundert Jahre „jünger“ ist, als das andere. Das jüdische Volk vereinigt in .seinem Geschichtswerke viele* viele Geschichtsvverke — Wie alt wohl das jüdische Volk sein mag? Erwin Rosenberger.