Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 30 (28.7.1899)
- Date
- 1899-07-28
- Page
- None (sequence 5)
- Language
- German
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Jahrgang Da Ende dieses Monats eine grössere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. Es war? Von 0. Erter. Die Gongresszeit naht, und von selbst beginnen unsere Blicke sich nach der gastlichen Stadt am Oberrliein zu wenden, wo unser Nalionalparlament zum drittenmale sich versammeln wird. Unser Nationalparlament! Viele Träume können geträumt werden und sich erfüllen, aber über alles Träumen und alle Erfüllung hinaus reicht die Thatsache des jüdischen Nationalparlamentes; sie gehört zu den Wundern in der Geschichte Israels. „Es war einmal“, lautet gewöhnlich der Anfang der alten Märchen, und „Es war" heisst "der Titel eines vielgelesenen Romanes von Hermann Sudermann. Doch Märchen und Romane sind nur blasser Widerschein des Wirklichen, unser Wunder ist lebendige, greifbare Wirklichkeit, kein Symbol und keine Abschrift; man kann es sehen und hören, und wenn nicht alle Zeichen trügen, wird aus ihm auch das andere Wunder sich gebären, das Wunder der Erneuerung und Wiederauferstehung unseres Volksthums. Es ist noch nicht hundert Jahre her, da berief der erste Napoleon die jüdischen Notablen Frankreichs und vereinigte sie in dem Sanhedrin. Aber das war kein Gongress und kein Parlament, sondern nur ein Werkzeug in der Hand eines Dictators, der keinen Widerspruch duldete. Das Sanhedrin that seine Schuldigkeit, es reformierte seine weit bürgerlichen Gedanken mit den weltkaiserlichen Ideen Napoleons und erfüllte die französische Gesetzgebung in Hinsicht auf die Juden mit der kosmopolitischen Doctrin, welche die erste Hälfte unseres Jahrhunderts widerstandslos beherrscht hat. Die Erklärung der Menschenrechte war die Quelle der Toleranz und der — Assimilation. Man braucht nicht ungerecht zu sein und zu unterschätzen, was Napoleon vermöge des Sanhedrins zugunsten der Juden that, und wie sehr das französische Beispiel in Europa weiterwirkte. Man darf sogar sagen, dass ohne das Experiment der Emancipation und Assimilation der Zionismus niemals zur Wirklichkeit geworden wäre, ln dem Zeitalter des Kosmopolitismus eigneten sich die Juden von West- und Mitteleuropa an, was sie an modernem Fortschritte und politischer Bildung bedurften, um heranzureifen zu der Erkenntnis ihres angeborenen Rechtes auf nationale und ihres geschichtlichen Rechtes auf bodenständige Entwicklung ihrer Volksindividualilät. Der Zeitgeist, sagt ein neuerer Philosoph, ist ein mächtiger König, der Audienzen crtheill; aber wer den rechten Moment zur Audienz verpasst, darf sich nicht beklagen, dass er nicht erhört wird. Als die Uebergangsara der Emancipation und Assimilation um war, und der Antisemitismus zeigte, wie wenig diese Aera geschaffen gewesen, das Geschick der Juden dauernd zu verbessern, da war der Moment gekommen, die unverjährten Rechte der Juden zu reclamieren, und zwar nicht mehr bloss aus dem platonischen Grunde der Toleranz, sondern mit dem wohlerworbenen Titel der Gleichheit in moderner Bildung und Anschauung, der Gleichheit auch in der Reife zu politischer und nationaler Selbstbestimmung. Das war das Begehren, mit welchem der Zionismus sicli zur Audienz bei dem König Zeitgeist meldete. Und dass er es im rechten Momente getiian, wodurch könnte es einleuchtender bezeugt werden, als durch die Thatsache unseres Baseler Nationalparlamentes, das nun zum dt iltenmale Zusammentritt? Und wie Zusammentritt! Mit stetig gesteigerter und von immer weiteren Kreisen unseres Volkes anerkannter Legitimation, mit vermehrter Bürgschaft des Erfolges und einer freudigen Hingebung, der an Grösse nur der Glaube an unsere Zukunft gleichkommt. Es war! Was Napoleon und sein Sanhedrin zustande brachten, hatte zur Voraussetzung den Verzicht der Juden auf geschichtliche Erneuerung und nationale Wiederherstellung. Damit war aber ihr Werk im Keime schon auf ephemeren Bestand recluciert, und nach neunzig Jahren — welch rasche Vergänglichkeit im Vergleiche mit unserer vieltausendjährigen Geschichte! — offenbarte sich sein Zusammenbruch. Der jüdische Gapitän des französischen Generalstabes nahm nur noch die klägliche Erinnerung an dieses Werk auf die Teufelsinsel mit. Es war! Vor sechzig Jahren traten deutsche Rabbiner zu einer grossen Versammlung zusammen; es befanden^ sich unter ihnen die. Leuchten jener Zeit, Abrahahl1 Geiger, Ludwig Philippson, Und sie beriethen übih^öieH ° . rmv/mrgn)