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Die Welt · 1899-07-21 · 29 (21.7.1899) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
29 (21.7.1899)
Article
Przemysl
Date
1899-07-21
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 29 „Die 3$ Welt“ Seite 15 des Vereines, Herr Jacob E h r 1 i c h, welcher auch den Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit des Ausschusses im abgelaufenen Administrationsjahre erstattete. Der Ausschuss hat im Laufe des Jahres 24 Vorträge veranstaltet. Referenten waren die Herren Jacob Ehrlich, Salomon Auerbac h, Avigdor M erme'lstein, Samuel M ei sei s, Jacob L a n g h a n k, T a f e t, G e I b a r d,T a n h es,lsmann, Weiss m ann, Hochfel <1, wie auch die bekannten Zionisten Dr. L i p p e und Dr. K o r n hause r. Hervorzuheben ist auch ein Vortrag des Frl. Werner über „Psychologie des jüdischen Volkes“, welcher das zahlreich versammelte Publicum besonders fesselte und dem Fräulein Werner stürmischen Applaus einbrachte. — Üeberdies erstatteten hier Bericht über den zweiten Baseler Congress die Herren Delegaten : Dr. Ebner aus Czernowitz, Doctor J. L. Landau aus Lemberg und Rabbiner Dr. Neu mark aus Rakonitz in Böhmen. Bei der Neuwahl wurden die Herren Jacob Ehrlich zum Obmann, Heinrich (Jodel zum Obmann-Stellvertreter, Clemens R o h i n s o h n zum Schriftführer und Avigdor Merm e I s t e i n zum Schriftführer für die hebräische Sprache gewählt, fn dieser Versammlung wurde Herr Dr. Theodor Herzl in Anerkennung seiner dem Zionismus geleisteten hervorragenden Dienste zum Ehren-Präses des Vereines per Acclamaiion ernannt. Schliesslich wurde dem Verein sobmanne Herrn Jacob Ehrlich für seine erfolgreiche Thätigkeit im Vereine dei* Dank der Versammlung ausgesprochen. Suczawa. Am 1. Juli a. c. fand unter überaus zahlreicher Betheiligung der Mitglieder die feierliche Eröffnung des jüngst in Suczawa gegründeten Vereines ./Zion ' statt, hei welcher zunächst der Obmann dieses Vereines, Herr B. K 1 e i n b e r g die Anwesenden begriisste, und für die ihm durch die Obmannswald erwiesene Ehrung dankte, worauf er dem Ausschussmitglieds Gymnasialprofessor V. Nussbaum das Wort zur Eröffnungsrede ertheilte. In einer zweistündigen Rede besprach Redner die Bedeutung des Zionismus. Kreisrabbiner Herr Dr. Löwi und die Herren Perl mutte r , O. Hass und J. S t e r n 1 i e b referierten gleichfalls über Zionismus. Alle Ausführungen fanden ungetheilten Beifall. Vereinsnachrichten. Wien. Die akademische Verbindung „Libanonia“ hielt am 15. Juli ihren Schlussconvent ab. in welchem Techniker Richard S i 1 b e l* h e r g e r zum Ferialleiter gewählt wurde. Adresse: Fra in a. d. Thaya, Station Schönwald (Mähren). Ploesci. Für Herrn L. Leibisch, der seine Demission gegeben hat, ist Herr Lazar Adolf zum Präsidenten der Seetion „B’nei Zion“ gewählt worden. Folglich sind von nun ab alle Briete wie folgt zu adressieren: Lazar Adolphe, Str. Franceza, Ploesci. Spenden für die hungernden Boryslawer Bergarbeiter: Conferenz der amerikanisch-zionistischen Vereine zu Baltimore durch Dr. Th. Herzl.fl. 122.— Leibisch Löbl recte Wagschal in Stanislau . . . . „ —.50 Die jüdische Jugend in Simferopol.„ 55.4-4 Summe fl. 177.04 in Nr. 27 ausgewiesen „ 235.72 in Summe* abgesendet fl. 413.W Anmerkung: Die in Nr. 25 ausgewiesene Spende von 88 fl. 55 kr. ist durch die Herren Ab. Schwarz, M. Grosser, H. Lö sehn er und L. Huppert aus Friedeck bei dortigen Bewohnern gesammelt. Spenden für zionistische Zwecke: Als Gehet für das Seelenheil der hin geschiedenen Eltern. Dr. B. Krimkin in Wladimirka.fl. 0.30 Collecte zu Gunsten Boryslawer Arbeiter. Zu Händen des Vereines „Ahawath Zion“ in Tarnow veranstaltet durch sind, ehern. A.Gordon in Darmstadt fl. 15.14 Zeitschriftenrundschau. Das in Toronto erscheinende, angesehene Tagesblatt „The Globe“ beschäftigt sich in einem ausführlichen Artikel mit der zionistischen Bewegung. Den Anlass bieten die Banksubscriptionen der canadischen Juden. Wir entnehmen dem vom 18. Mai datierten Artikel folgende Stellen : „Die canadischen Juden haben über 1000 Shares der Jüdischen (Jolonialbank gezeichnet und die Montrealer Zionsgesellschaft hat die Subscriptionen bereits nach London geleitet. In der Liste finden wir fast alle hervorragenden jüdischen Namen aus Montreal, Toronto, Hamilton, Winnipeg, London und Ottawa. Dieser nicht geringe Beitrag, den eine verhältnismässig kleine Zahl von Juden für ihre verfolgten Brüder in der ganzen Welt leistet, ist ein trefflicher Beweis für die Kraft und den Einfluss der zionistischen Bewegung.“ Der Artikel stellt dann die Lage der Juden, insbesondere in Russland, mit überraschender Sachkenntnis und einer Fülle von Details dar. gibt eine correote Definition der zionistischen Tdee und sch’liesst mit einer eingehenden Besprechung der Bank. Die Bewegung, heisst es da, soll in erster Linie den verfolgten Juden zugute kommen. Diejenigen, die facti sehe Gleichberechtigung gemessen, werden in ihren jetzigen Vaterländern bleiben, und Ihrer Behauptung, dass ihr Interesse an der Lage ihrer unglücklichen Brüder ihrer Treue gegen die Länder, in denen sie jetzt leben, keinen Abbruch thue, ist wohl Glauben zu schenken.“ Das in C h i o a g o erscheinende Damenjoimial „Women’s Home Companion“ bringt in seiner Juni-Nummer einen sehr freundlich gehaltenen Artikel über den Zionismus, dem die Bildnisse von Dr. H e r z 1 und Dr. N o r da u. sowie Illustrationen aus dem Leben der jüdischen Colonisten in Palästina beigegeben sind. Das Theater und die Juden. IV. Frei sein ist mehr als frei worden. Eine selbstverständliche Freiheit, die man nicht erst noch zu betonen braucht, um sich ihrer versichert zu halten, die so gefestigt, ist, dass niemandem der Einfall kommt, eine wiederholte Bestätigung davon zu geben oder auszusprechen, das ist die Luft, in welcher die Kunst ihre tiefsten Atheinzüge tliui. Von einer solchen Freiheit das Gefühl lebt in den Inden des neunzehnten Jahrhunderts noch nicht. Sie haben noch immer das Bedürfnis, von ihren Rechten zu reden und andere darüber sprechen zu hören. Es ist noch immer eine Debatte über die Würdigkeit der Juden; es werden noch immer Gutachten abgegeben, bekämpft und acctamiert. Ihre bürgerliche Gleichberechtigung empfind n die Juden noch immer nicht als de.i einzig möglichen, natürlichen Zustand, sondern als die Folge eines Uebereinkommens, das durch die Güte der anderen Völker errichtet wurde. Ihre letzten Vorfahren hat man noch abgesperrt gehalten und geprügelt; jetzt aber ist ihnen versprochen worden, dass dergleichen nicht mehr geschehen solle. Beiderseits aber denkt man noch daran, und fällt, aus Vergesslichkeit, gelegentlich in die alte, active oder passive Gewohnheit. So schleppt sich von einstiger Knechtschaft die Erinnerung noch lebhaft in die Gegenwart, und lässt die Juden nicht frei sein. Sie sind Freigelassene und spüren es immer. Das. ist das Wesentliche. Der Knecht von gestern kann zu dem Herrn von gestern keine zwanglosen Beziehungen finden. Die alte Befangenheit steckt noch in ihm. Wo er sie aber überwinden möchte, da begegnet er ihr bei dem ehemaligen Herrn, der Empfindlichkeit zeigt. Er dünkt sich immer noch als der Höhere. Denn er ist es gewesen, der die Gleichstellung vertreten, und nach einer widersprechenden aber durchaus menschlichen Regung nimmt er es für anmassende Vertraulichkeit, wenn der Beschenkte von seinen neuen Rechten einmal wirklich Gebrauch machen will. Sehr oft lebt das, was man „jüdische Frechheit“ genannt hat, nur in diesem empfindlichen ilochmuth der anderen. Daraus ergeben sich täglich unzählige Conflicte, die jeder

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