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Die Welt · 1899-07-21 · 29 (21.7.1899) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
29 (21.7.1899)
Article
Eine Berichtigung
Date
1899-07-21
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Seite 13 Nr. 29 „Die ■ # .Welt“ Eine Berichtigung. Wir erhalten folgende Zuschrift: An eine wohllöbliche Redaction der „Welt“ in Wien. In der letzten Nummer der „Welt“ veröffentlichen Sie eine Publication der Verlagsgesellschaft „Tuschijah“ in Warschau gegen die von uns lierausgegebene Zeitschrift „Haschowua“, die folgender thatsachlichen Berichtigung bedarf: Es ist unwahr, dass „Tuschijah“ die Vertretung für Russland hatte, wahr ist es vielmehr, dass sie neben vielen anderen Agent u r e n eine Verschleissstelle des „Haschowua“ in Russland hatte. Hochachtungsvoll Redaction des „Hamagid“. Eine wichtige Entdeckung ist Herrn Michael Davitt gelungen. Er hat den zwischen England und der Transvaal- Republik ausgebrochenen Conflict genau untersucht, und mit dem Muthe eines Wiener Gemeinderathes verkündigt er das Resultat: Jüdische Capitalisten seien wieder an der Arbeit gewesen! Entweder hat der ehrenwerte Davitt erfahren, dass Cec.il Rh ödes und seine Freunde Judenst rinn ul in ge sind, oder erbat nicht erfahren, dass Mr. Sam Marks und Mr. George A 1 b u, die einzigen Juden, die in dem gegenwärtigen'Streite in Betracht kommen, sieh um die Wiederherstellung freundlicher Beziehungen äussert verdient gemacht haben. Die Juden auf den Hawai-Inseln. Seitdem diese Inselgruppen im stillen Ocean unter der Herrschaft der amerikanischen Union stehn, macht sich daselbst eine stetig zunehmende Einwanderung von Juden bemerkbar. In der Hauptstadt Honolulu existiert bereits eine jüdische Gemeinde, die vor kurzem einen Rabbiner aus New-York engagierte. Interessant ist die Thatsache, dass der neue Rabbiner am ersten Sonntag nach seiner Ankunft auf Hawai den Besuch des Commandanten der amerikanischen Truppen erhielt, der die Bitte an ihn richtete, er möge nachmittag den Commandanten und dessen christliche Soldaten durch eine Predigt erbauen, da es unter seinen Truppen keinen Geistlichen gebe. Der Rabbiner willfahrte diesem Wunsche und soll sich mit seiner Exhortation den Beifall der amerikanischen Soldaten in hohem Masse errungen haben. Ein Ehrendegen für Dreyfus. In Amerika ist die Idee aufgetauoht, Dreyfus in ähnlicher Weise, wie es Piequart seitens der Budapester Bürger geschah, durch Uebersendnng eines kostbaren Säbels einen Achtungsbeweis zu geben. Die zuerst in einem Localblatte Lancierte Idee wurde von vielen jüdischen Blättern abgelehnt. Gründe des Taktes spielen da die Hauptrolle, denn an Theilnahme für Dreyfus fehlt es den amerikanischen Juden gewiss nicht. Nun hat Zola nach Paris gekabelt, Dreyfus würde die Ehrung ablehnen, die in einem so ungeeigneten Zeitpunkte vorbereitet wird. Hamlet im Jargon. Das Metropolitan Theatre in Chicago veranstaltete unlängst eine „Hamlet“-Aufführung im Jargon, die den lebhaftesten Beifall des zahlreich erschienenen Publicums erhielt. Personalnachrichten. Am 20. Juli um 12 Uhr mittags findet die Promotion des A. H. der „Libanonia“ Julius Wolf zum Doctor der gesammten Heilkunde statt. — Dieser Tage fand die Vermählung unseres Gesinnungsgenossen Herrn Josef Neu m a n n mit Erl. L o 11 i Rosenz w e i g statt. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Essegg. (Die Juden in Slavonien.) In diesem Nebenlande Ungarns siedelte sich zuerst im Jahre 1848 eine grössere Anzahl Juden an. Bis dahin gab es bloss in wenigen Dörfern Slavoniens vereinzelte Juden. Trotz der jüdischen Masseneinvvanderung im Jahre der Freiheitskämpfe und in den unmittelbar darauffolgenden Jahren kam es zur Gründung einer jüdischen CuLtusgemeinde erst 1856, da bis dahin zahlreiche Rechtsbeschränkungen einer Organisation der Juden hinderlich gewesen waren. Die erste Gemeinde constituierte sich in der Hauptstadt E s s e g g. Die Essegger jüdische Gemeinde mochte zur Zeit ihrer Gründung kaum 100 Mitglieder zählen, heute hat sie deren bereits 400. Im Jahre 1897 wurde eine Reorganisation des jüdischen Gemeindewesens vorgenommen, indem der „Jüdische Gemeindeverband für Croatien und Slavonien“ geschaffen wurde. Ferner wurden in demselben Jahre vier Fonds zur Unterstützung jüdischer Religionslehrer angelegt, deren jährliche Zinsen sich insgesammt auf 800 Gulden belaufen. Im allgemeinen beginnt der Indifferentismus gegen alles Jüdische, durch den sich die slavonischen Juden stets besonders unrühmlich hervorthaten, seit kurzer Zeit einem immer lebhafteren Interesse zu weichen, was in erster Linie der nationalen Strömung innerhalb des modernen Judenthums zu verdanken ist. Frankreich. Paris. Aus dem Jahresberichte des Rothschildspitales in Paris ist zu ersehen, dass im Jahre 1898 nicht weniger als 10.000 Kranke in diese Anstalt aufgenommen worden sind. Darunter waren auch zahlreiche Christen. Die Einnahmen des Hospitals beliefen sich im verflossenen Jahreauf 263.000 Francs, während die Ausgaben 315.000 Francs betrugen. Russland. Odessa. (Jüdische Arbeiter m ä d ch e n in Odessa.) Amtlichen Zusammenstellungen der russischen Regierung ist zu entnehmen, dass nicht weniger als 4000 jüdische Mädchen in Odessa als Arbeiterinnen in der Confectionsbranche beschäftigt sind. Sie haben eine zwölfstündige Arbeitszeit mit einstündiger Unterbrechung am Mittag und werden meistentheils sehr schlecht entlohnt. England. London, 14. Juli. Sonntag fand die Jahresversammlung der Anglo-Jewish Association unter Mr. Claude G. M o n t efi o ros Vorsitz statt. „Mr. Montefiore*, schreibt der Leitartikler des „Jewisli World“, hat es vermieden, die vielen ernsten Fragen, die seit einigen Jahren innerhalb des Judenthums laut geworden, d i r e ct zu behandeln. Anderseits waren er sowohl, als die andern Redner gezwungen, diese Probleme wenigstens zu streifen. Es ist klar, dass unsere und unserer Freunde oftmals geübte Kritik auf die gerne in vornehmem Schweigen beharrende Association nicht ohne Eindruck geblieben ist. In seiner Besprechung der Thätigkeit der Ica äusserte Mr. Montefiore die Ansicht, dass die Zukunft des Juden thu ms im Westen liege. Tn Unkenntnis der Thatsache, dass alle Attaquen von dem antizionistischen Lager, dem er selber angehört, ausgehen, fordert Mr. Montefiore für den Kampf der Meinungen eine gewähltere Form und die Zugestehung des guten Glaubens. Wir glauben aber, dass Mr. Montefiore keineswegs der Sprecher des gesammten englischen Judenthums ist, wenn er die Zukunft unseres Volkes im Westen — soll heissen : auf antizionistischer Seite — sieht. Der tiefere Unterschied zwischen uns und Mr. Montefiore liegt darin, dass wir Zionisten d a s G a n z e des Judenth uins ins Auge fassen und uns als gegenseitig verantwortliche Glieder eines Volkes fühlen. Was aber den Westen als die einzig denkbare Stätte des jüdischen Fortschritts betrifft, so hat Dr. Friedlände r in der Versammlung die richtige Antwort gegeben, indem er an das prophetische Ideal von der Vervollkommnung des Menschengeschlechtes erinnerte, ein Ideal, das im Osten, im Morgenlande der Menschlichkeit, genau so gut, wenn nicht besser realisirt werden kann. Mr. Montefiore rühmte die Leistungen der Ica in Amerika. Was aber die Ica z. B. für das New-Yorker Ghetto gethan hat, ist weder ausreichend (und keine noch so mächtige

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