Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 28 (14.7.1899)
- Article
- London
- Date
- 1899-07-14
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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„Die H Weit“ Seite 14 hebräischen Karte eine detaillierte Beschreibung seines Besuches der palästinensischen Colonien. Er betonte den Sinn für Industrie und Selbsthilfe, der bei den jüdischen Feldarbeitern vor walte. Ein erfreuliches Zeichen im Colonistenleben sei der regelmässige Gebrauch des Hebräischen als Umgangssprache. Redner hofft, dass das Hebräische wieder die Nationalsprache des jüdischen Volkes sein werde. (Begeisterter Beifall.) Nach einer lobenden Besprechung der einzelnen Colonien erzählte Sir Charles Wilson: „Tn Rosch Finali traf ich einen Engländer, Fachmann in der Landwirtschaft,und einen Amerikaner, Fachmann in der Seidenindustrie. Beide äusserten ihre lebhafte Befriedigung mit den beobachteten Leistungen/’ Auf die Verbesserung des Strassennetzes in Palästina und Syrien müsse höchstes Gewicht gelegt werden. Während der nun folgenden Rede Mr. Prags kam es zu erregten Scenen. In der Versammlung befand sich eine starke Gruppe Herzlianer, die jedoch zunächst keinen Versuch machten, Mr. Prag am Sprechen zu hindern. Erst als derselbe ein Loblied, auf die Thätigkeit des Pariser Comites an stimmte, wurden aus der Mitte lies Publicum s wiederholt Gegenrufe laut. Es gelang jedoch dem Vorsitzen «len durch den Hinweis auf Dr. Herzl, der stets ein Freund ruhiger Discussion gewesen sei, die Ruhe wiederherzustellen, und Herr Prag konnte seine Rede ungestört zu Ende führen. Mr. Israel Abrahams, dem Redacteur des „Jewisli Chrom de", war es Vorbehalten, die Aufregung aufs neue zu entfachen. Gleich bei den Einleitungsworten: „Ich bin weder in dem einen, noch in dem anderen Sinne Zionist, ich stehe hier als Antizionist“, erhob sich ein unbeschreiblicher Lärm. Einen Augenblick schien der Fortgang des Meetings gefährdet. Nur mit grösster Anstrengung konnte der Vorsitzende sich Gehör verschaffen. Mr. Abrahams führte sodann seine Rede mit einigen, die Anwesenden beleidigenden Phrasen zu Ende. Mr. Singer, der ebenfalls im antizionistischen Sinne sprach, bekam schlimme Worte zu hören. Ein Zionist protestierte mit lauter Stimme dagegen, dass ein jüdischer Seelsorger als Redner gegen den Zionismus auftrete. Er bahnte sich einen Weg bis zur Rednerbühne, woselbst angelangt er Hochrufe auf Dr. H erzl ausbrachte. Neuerdings kam es zu Lärmscenen, und inmitten des'herrschenden Tumultes beantragte ein Mitglied der „Junior Zionist Association“ ein Dankesvotum für CoL Goldsm i d. Als dieser sich zum Schlussworte erhob, trat wieder Ruhe ein. Er verurtheilte die stattgefundenen Lärmscenen als alter Freund des Fastend. „Ich begreife Ihre Aufregung nicht“, sagte er, „unsere Differenzen sind doch geringfügiger Natur.“ London. Bei der Generalversammlung der jüdischen Colonialbank werden keine Beschlüsse gefasst werden. Es wird nur ein kleiner Bericht über das Zustandekommen der Bank officiell dem Publicum mitgetheilt werden. Allerlei Nachrichten. Die orthodoxe Gemeinde in Pressburg hat mit einem Kostenaufwands von 80.000 fl. ein neues »Schulgebäude aufführen lassem in welchem die Knaben-Bürgerschule, sowie die beiden Volksschulen untergebracht werden sollen. Ferner beabsichtigt man die Gründung einer Mädchenschule* * Der Bericht rief jüdischen Armencolnmission in Manchester votn ab gelaufenen Jahre zeigt eine kleine Abnahme der Ünterstüizüngspetitionen gegenüber dem Vorjahre. Als hauptsächlichste Ursache wird angegeben, .dass einerseits die allgemeine Geschäftslage eine bessere Und demzufolge für die Armen eher Gelegenheit geboten war, etwas zu verdienen. Andererseits aber ist die Armencommission bestrebt, es bei den Armen nicht bis zur wirklichen Armut kommen zu lassen, sondern für Besserung der Nr. 28 Verhältnisse in einer Weise .zu sorgen, dass der letzte Schritt möglichst vermieden wird, und die Selbstachtung erhalten bleibt. * Eine wohlverdiente Lection zog sich dieser Tage im Deutschen Reichstage ein Abgeordneter zu, der seit Jahren getauft und im Besitze eines Aeusseren, dem man den Juden auf hundert Schritte ansieht, mit ganz besonderem Eifer den frommen Christen spielt und anderen Parteien vorwirft, sie giengen auf die Zerstörung der Religion aus. Er musste sich dafür von dem Abgeordneten H e i n e, dessen Partei jener Herr Dr. Arendt gemeint hatte, ins Gesicht sagen lassen, hei seiner Partei könne auch der Jude Carriere machen, während bei anderen Parteien man sich zu diesem Zwecke erst müsse taufen lassen. Man schreibt uns : In Nr. 27 Ihres geschätzten Blattes wird unterderRubrik „AllerleiNachrichten“ über das angeblich kürzlich aufgefundeneGrabiual von Esther undMordechai berichtet. Ich erlaube mir die Bemerkung, dass Benjamin v. Tndela in seinen Reisen von diesem Grabmale erzählt, und dass in Wertheimers Jahrbuche für Israeliten 5017 eine ausführliche Beschreibung desselben von Dr. J. E. Polak, gewesenem Leibarzt des Schahs von Persien, sich vorfindet (S. 147—152). Laut den angegebenen Quellen soll sich jedoch dieses Grabmal in Ham ad an befinden. Oder sind diese Grabmüler mit einander nicht identisch? M. B. ln einer der letzten Sitzungen der Repräsentanten der Berliner Cult u s g m e i n d e lagen u. a. auch der Rechenschaftsbericht der Waisencommission vor, der einen M i n d er verbrauch von 5182Mk. aufweist. Diese ebenso erfreuliche wie befremdliche Thatsache erklärt sich durch die grossen Z u s c h ü s s e d e s Kinde r s p arve r eines. Wir haben an dieser Stelle wiederholt auf diese so segensreich wirkende Institution hingewiesen und solche, Institutionen namentlich den zionistischen Frauenv eroine n, zur Nachahmung empfohlen. Ueber das |neue französische Ministerium schreibt Drumont: “„Der wirkliche einzige Name des Cabinets Waldeck-Rousseau ist „das jüdische Ministerium“. Es hat seit Gründung der dritten Republik niemals ein tieferes, unbedingteres, frecheres, jüdisches Ministerium gegeben als dieses.“ * Tn Deutschland gibt es nur 3 Orte mit 30 und mehr Percent jüdischer Bevölkerung. Rhina (Nassau) zählt unter 503 Einwohnern 332 Juden oder 00 Percent, Geilingen (Baden) unter 1745 7«SO oder 45 Percent und Schmieheim (Baden) unter 010 Seelen 305 jüdische oder 30 Percent. Und gerade in diesen Orten ist das Verhältnis der verschiedenen Confessionen zueinander ein ausgezeichnetes. Der erste Bericht der Jüdischen Haushaltungsschule in Frankfurt a. M. für die Zeit vom 1. October 1897 bis 30, September 1898 constatiert eine gedeihliche Entwicklung der Anstalt, die im October 1807 eröffnet wurde mit dem Zwecke, den häufigen socialen und sittlichen U eh eist än den in den unbemittelten jüdischen Volksclassen durch eine gediegene hauswirtschaftliche Erziehung der weiblichen Jugend und in weiterer Folge durch die Pflege des jüdischen Dienstbotenthums zu steuern. Zur Erreichung dieses Zweckes bemüht sie sich, jüdische Mädchen in allen haus wirtschaftlichen Zweigen so auszubilden, dass sie kraft des Erlernten zunächst erwerbsfähig werden und weiter als zukünftige Ehefrauen des kleinen Mannes ihren Haushalt mit geringen Mitteln vernünftig und sparsam zu leiten verstehen. Mit der Anstalt ist auch ein Mädchenheim verbunden. Seit Eröffnung