Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 28 (14.7.1899)
- Article
- Dei zweite Jahresconferenz der "Federation of American Zionists" in Baltimore
- Date
- 1899-07-14
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315825-3389175--13883-3389269- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 28 „Die H Welt“ Seite 13 Zionists“ 125 Vereine mit 10.000 Mitgliedern angehören. Die Einnahmen der Federation beliefen sich im Vorjahre auf 1284 Dollars, die Ausgaben auf 808 Dollars; es bleibt also ein Ueberschuss von 416 Dollars. Im Verlaufe der Convention hielt der greise Reverend Dr. Gustav Gottheil vom Tempel „Emanuel“ einen Vortrag* über die Einwirkung des Dreyfushandels auf die zionistische Bewegung, der mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde. Zahlreiche Glückwunschschreiben und Begrüssungstelegramtoie wurden hernach verlesen, darunter von Dr. Herz 1, Dr. Norda u und Dr. G a s t e r. Zum Schlüsse trug der Cantor der „Bene Jacob- Synagoge“, Mr. Brody, unter rauschendem Applaus, zionistische Lieder in hebräischer Sprache vor. Erst in später Nachtstunde nahm die ereignisreiche Conferenz ein Ende. x. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien. Der vom Vereine „Jordania“ an gesagte Ausflug findet am 16. Juli nicht statt. Kolomea. Die galizischon Mitglieder des Actionscomites haben für den 19. und 20. d. l\i. eine Landesconferenz der galizischen Zionisten nach Lemberg* einberufen. Auf der Tagesordnung* der Landesconferenz'stehen folgende Punc.te : 1. Die Lage der Juden in Galizien; 2. Bericht über den gegenwärtigen Stand der Bewegung; 3. Die Organisation; 4. Der hebräische Sprachverein; 5. Die Schekelzahlung; 6. Die Parteipresse; 7. Eventualia. Man erwartet zu der Conferenz auch 6 Delegierte aus Wien. Als Vertreter des Wiener Actionscomites wird Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Leopold Kolm an der Conferenz th eil nehmen. Krakau. Hier wurden Se. Ehrwürden Herrn Ch. L* Horowitz und Dr. Osias Thon, beide als Rabbiner der Stadt Krakau, von der Grossgemeinde einstimmig acceptiert. Prag. (Verein i g u ngder P r a g e v S v n a go g e n.) Infolge der Assanierungsmassnahmen sind fünf israelitische Bethäuser in ihrem Bestände bedroht; sie müssen entweder umgebaut oder, wie die Neu-Synagoge, ganz niedergerissen werden. Die schon seit dem Jahre 1892 bestehenden Bestrebungen zur Fusionierung aller Synagogen haben bisher zu keinem Ziele geführt. Darin ist nun eine Wandlung eingetreten. Am 31. Mai hat die Cultusrepräsentanz die Vorsteher jener fünf Synagogen, und zwar der Neusynagoge, der Zigeunersynagoge, der Pinkassynagoge, der Hochsynagoge’ und der Grossen Hofsynagoge zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen, deren Resultat war, dass sich die Vorsteher dahin einigten, einen eventuellen Neubau der Cultusrepräsentanz als solcher zu überlassen und das gesammte Vermögen der einzelnen Synagogen der Repräsentanz zum Bane neuer Betliäuser zu übergeben. Die Cultusrepräsentanz hat einstimmig beschlossen, diese Widmung anzunehmen, selbst zwei neue Bethäuser in Prag zu errichten, eines reformierter und eines orthodoxer Richtung, und die alten Bethäuser dann, wenn sie zur Demolierung bestimmt würden, zu übernehmen. Zur Bedingung wurde gemacht, dass keine der fünf Synagogen nachträglich au stritt. Budapest. Die „U nga r i. so he Wochen sch rif t“ schreibt: Ein weiterer hochwichtiger Schritt ist in der Organisationsbewegung der israelitischen status quo- »Gemeinden geschehen. Nach vorhergehender Informierung seitens des Reichstagsabgeordneten Dr. Sonm Visontai, «der in der Organisation der status quo-Gemeinden, ebenso wie wir, ein geeignetes Mittel zur Vorbereitung der Einigung der Parteien erblickt, hat Cultusminister Dr. WJassics vorgestern Herrn Dr. Bernat S o n n en f e 1 d, als den Präsidenten der hier am 30. Mai d. J. stattgehabten Conferenz von Delegierten der erwähnten Gemeinden in Begleitung Dr. V i s o n t a i s in Audienz empfangen. Nach längerer, eingehender Information erklärte der Minister, dass er unsere Bewegung deshalb gerne sehe, weil er in derselben den KTystallisationspunkt erblicke, um den sich die Parteien der vaterländischen Judenheit gruppieren werden. Das Interesse der Juden Ungarns liege ihm sehr am Herzen. Diese und noch ähnliche Aeusserungen von so massgebender Seite berechtigen uns zu den schönsten Hoffnungen bezüglich des Gelingens der guten Sache. Budapest. Aus Carlsbad kommt die Trauerkunde vom plötzlichen Hintritt des grossen jüdischen Historikers und Professors an dem hiesigen Landes-Rabbinerseminar Doctor David Kaufmann. Zu K o j e t e i n in Mähren 1852 geboren, studierte Kaufmann in Breslau und Leipzig*. Hier wurde er zum Doctor der Philosophie promoviert. Bald darauf, im Jahre 1877, schrieb er das religions-philosophische Werk „Geschichte der Attributenlehre“, das von einer geradezu stupenden Beherrschung der Quellen zeugt und dem der 25jährige junge Mann seine Berufung an das hiesige Rabbinerseminar verdankte. Er docierte hier jüdische Geschichte und Religionsphilosophie, und seine zahlreichen Schüler hingen an dem liebenswürdigen und nachsichtsvollgütigen Lehrer mit schwärmerischer Verehrung. Professor Kaufmann entwickelte bis an sein Lebensende eine rege wissenschaftliche und publicistische Thätigkeit. Im Vereine mit Prof. Braun in Breslau gab er seit 1891 die „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums“ heraus. Auch lieferte er des öfteren für hebräische -Zeitschriften und Sammelwerke wissenschaftliche Aufsätze von hohem Werte. Unerreicht stand Professor Kaufmann auf dem Gebiete der jüdischen Familienmonographien da. Von seinen hierher einschlägigen Werken seien erwähnt: „Aus Heines Ahnensaal“ (1895), „Memoiren der Frau Glückei, Hameln“ (1896), „Urkundliches aus dem Leben Samson Wertheimers“ (1892).j Auch auf dem Gebiete der jüdischen Epigraphik leistete Prof. Kaufmann Hervorragendes. Frankreich. Paris. Infolge der durch das neue französische Ministerium ausgesprochenen Vertagung der Deputiertenkammer ist auch die Verhandlung der bereits verschiedentlich erörterten algerischen Juden frage ad calendas graecas verschoben, womit natürlich den Antisemiten ein grosser Gefallen erwiesen worden. Die Hetzereien nehmen denn auch ihren ungestörten Fortgang. England. London, 7. Juli. Im Jewish Working Men's Club fand Bonntag unter den Auspicien des „Junior Zionist Association“, eines „Tent“ der „Chovevi Zion“, ein öffentliches Meeting statt, bei welchem Col. Goldsmid den Vorsitz führte. In der Eröffnungsrede setzte der Vorsitzende den Zweck der Versammlung auseinander; Es handle sich um eine jüdische Colonie in Palästina (Machanajim). In welchem Lager die Anwesenden auch stünden, ob auf der Seite Dr. Herzls (laute, fortgesetzte Cheer-Rufe) oder der „Chovevi Zion“, so sei ihnen allen die Liehe zum Heiligen Lande gemeinsam. Die Colonisten von Machanajim seien erfahrene Bauern ans Galizien, ausserdem habe man Colonisten aus Jerusalem und Safed nach Machanajim dirigiert. Zum Baue geeigneter Ansiedlerhäuser, sowie zur Beschaffung nothwendiger Utensilien sei jedoch Geld nothwendig, das man mit Hilfe des Pariser Central comites, der Londoner „Chovevi Zion“, sowie des Publicums zu beschaffen hoffe. Er (Redner) glaube sogar versichern zu dürfen, dass Dr. Herzl (lauter Beifall) der Sache seine Sympathie nicht versage. Major-General Sir Charles Wilson gab hierauf an der Hand einer von Col. Goldsmid gezeichneten