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Die Welt · 1899-07-14 · 28 (14.7.1899) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
28 (14.7.1899)
Article
Die Verlagsgesellschaft "Tuschija"
Date
1899-07-14
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 28 „Die & Welt“ Seite 11 so sehen wir uns veranlasst, die Vertretung dieser Zeitung für Bussland mit dem 1. Juli 1. J. aufzugeben.“ Eine von den interessantesten Theilnehmerinnen am Londoner Frauencongresse ist, nach dem „Daily Chronicle“, Mistress Frederick Nathan, eine sehr schöne und fromme Jüdin Autorität ersten Ranges' in der Ethik des „Shopping“, Sie beeinflusst die öffentliche Meinung in Bezug auf diesen nicht unwichtigen CI egen stand vermittelst einer Consumeiiten- Liga, deren Präsidentin sie ist. Als solche hat sie eine „weisse Liste“ lierausgegeben, in welcher jene Laden- und Geschäftsinhaber Aufnahme finden, die anständige Arbeits¬ und Allstellungsbedingungen gewähren. Mrs. Nathan leitete den „National Council of Jewish Women, U. S. A.“ und erlebte in dieser Stellung vor nicht langer Zeit eine bemerkenswerte Ehrung. Der Oberrabbiner von New-York ersuchte sie, einen ihrer Vorträge — „Das Herz des Judenthums“ — der ihn entzückte, vor seiner Gemeinde zu halten, was eines Freitags in der grössten Synagoge von New-York in Anwesenheit von 1200 Hörern geschah! — Mrs. Nathan ist als ausgezeichnete Vorsitzende bekannt und hat schon unzähligemale als solche fungiert. Deroulede, der Kaftanjude. Französische Blätter erzählen, dass der bekannte französische Deputierte lind antise mit ein de Nationalist Paul Deroulede im Jahre 1870 in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieth, jedoch mit Hilfe eines polnischen Juden in Breslau, der ihn in seine charakteristische Tracht steckte, glücklich über die Grenze entkam. Das Goldland Ophir, von wo der König S a 1 o m o nach dem Zeugnis der Bibel das zur Ausschmückung des Tempels erforderliche Gold bezog, scheint nun endlich doch gefunden zu sein. Der englische Archäologe und Afrikareisende Doctor Schlechter hat nämlich vor kurzem in der von Käftern bewohnten Landschaft M onomotap a im östlichen Südafrika uralte Goldbergwerke entdeckt, in deren Umgebung sich zahlreiche Burgruinen, kunstvoll ausgehauene Rinnsale und sonstige Vorrichtungen zur Waschung und Läuterung des Goldes befinden. All diese Bauwerke und Anlagen zeigen einen ausgesprochen semitischen, speciell phönicischen Charakter. Auch entdeckte Dr. S chlechter an verschiedenen Stellen in der Nähe der Bergwerke die Spuren eines Sonnencultus, wie ihm die Phönicier und verwandte semitische Stämme huldigten. Die Ruinen sind nach der Schätzung Dr. Schlechters ungefähr 3000 Jahre alt. Die „Immunität“ Belgiens. Belgien rühmt sich, keinen Antisemitismus zu besitzen. Ein Streiflicht auf die „Immunität“ Belgiens wirft folgende Aeusserimg des Führers der Progressisten, Dr. L o r a n d : „Li ne eigentliche antisemitische Partei gibt es in Belgien nicht, doch vertreten viele Extrem- Clericale der Majorität den Antisemitismus. Die Regierung hat seihst mehreren Juden die Naturalisation verweigert, was in Belgien vorher nie der Fall war. Ich habe in der Kammer gegen diese Ungerechtigkeit protestiert, und man hat meine Stimme hören müssen.“ Der New-Yorker „Puck“ brachte vor kurzem eine interessante Illustration: Baron und Baronin Hirsch, von der Civilisation (einer ragenden Frauengestalt mit fliegendem Gewände) lorbeergekrönt. Während der Krönung spricht die Civilisation: ..Durch Euer edles Wirken für die Armen aller Rassen und Bekenntnisse seid Ihr erfolgreichere Lehrer der Nächstenliebe geworden als sämmtliehe Soeialtheoreti kor die jemals die Welt beglückten.“ Rudyard Kipling über die Juden. In seinem kürzlich erschienenen Buche „Von Meer zu Meer“ äussert sich Kipling über die amerikanischen Juden folgen dermassen: „Dieses Menschenschlags harrt eine überwältigend grosse Zukunft. Zunächst, was die Kunst betrifft. Ich sehe es kommen, dass der Jude unser begabtester Schriftsteller, unser zartester, gemüthstiefster Dichter sein wird. Aber er wird auch zu einem gewandten Dramatiker heranreifen. Und solange ein Tropfen jüdischen Blutes durch seine Adern flutet, wird er ein gottvoller Musiker, ein begnadeter Maler bleiben. Wohl hält ihn in unseren Tagen m eisten - tiieils der frostige Materialismus gebannt, allein ich bin dessen gewiss, dass die nächsten hundert Jahre der Entfaltung seiner Geisteskräfte günstiger sein werden als all die Jahrtausende seiner dunkelbeschatteten Vergangenheit.“ Eine Million Kronen beträgt das Budget der Fester israelitischen Cultusgemeinde. Die Zahl ihrer steuerzahlenden Mitglieder beläuft sich auf rund 13.000. Ehrung eines jüdischen Gelehrten. Die Berliner Akademie der Wissenschaften hat dieser Tage Dr. Nicolaus Müller für seine wertvollen Untersuchungen über alte hebräische Inschriften in Italien einen Preis von 1500 Mark zuerkannt. Die Schächtfrage kam in jüngster Zeit an zwei verschiedenen Orten aufs Tapet. In Z ü r i c h entschied der oberste Gerichtshof; dass das schweizerische* Sch ächtverbot auf die Tödtung von Federvieh keine Anwendung finde. Fast zu gleicher Zeit beschloss der sehr einflussreichen Thierschutzverein in St. Petersburg, von einer Action gegen das jüdische Schlachtverfahren, die von einem Mitgliede des Vereines vorgeschlagen worden war, Abstand zu nehmen, da aus den gutachtlichen Aeussenmgen zahlreicher Autoritäten auf dem Gebiete der Physiologie und der Veterinärkunde hervorgehe, dass das Schacht verfall ren als die schmerzloseste Tödtungsart anzusehen sei. Etwas Judenstatistik. Die Zahl der jüdischen Schüler, die im verflossenen Schuljahre die technischen Hochschulen Russlands besucht haben, beträgt 1%, gleich 7*7 Percent sämmtlicher Schüler. — Von den 22.< 10 b Schülern der städtischen Schulen in Kiew waren 353, gleich Pb Percent, Juden. — In M o n tr e al, der Hauptstadt von C an ad a, wohnen gegenwärtig 10.000 jüdische Seelen. Die Gesammtzahl der jüdischen Bevölkerung von Canada beläuft sich auf ungefähr 25.000 Seelen. — In der Stadt Nana, im Westen Indiens, gibt es 2000 Juden, die zwei Gemeinden bilden, die portugiesische und die deutsche. Ihre materielle Lage und gesellschaftliche Stellung lässt nichts zu wünschen übrig. Sie sind grösstentheils Kaufleute, Aerzte und Rechtsanwälte. Die preussische Akademie der Wissenschaften stellte dem Professor Nicolaus M ü 11 e r 1500 Mark zur Verfügung, behufs Sammlung und Bearbeitung der in den Katakomben Roms aufgefundenen hebräischen Documente. Man hofft dadurch Licht in manche dunkle Epoche der Geschichte der Juden Roms zu bringen. Was isst die jüdische Bevölkerung Londons? Der neueste Bericht des Schechita-Board per!. Juli gibt darüber Aufschluss: 18.152 Grossvieh, 3200 Kälber, 17.313 Schafe und 232.111 Geflügel. Das Einkommen dafür belief sich auf £ 7210 3 s. 2 d oder circa £ 1300 mehr als vor veranschlagt. In Breslau starb am 21. v. M. der als Journalist, Erzähler und Lyriker bekannte Schriftsteller Dr. Julius Bruck. Während des amerikanischen Secessionskrioges als Arzt thätig, widmete er sich in den Siebzigerjahren völlig der Schriftstellerei. Er redigierte die ..New-Yorker Revue** und war Mitarbeiter verschiedener grösserer Tagesblätter, wie der „Illinois-Staatszeitung“, „Puck“ etc Im Jahre 1885 nach Leipzig zurückgekehrt, genoss er dort grosses Ansehen. Seit vorigem Jahre wohnte er in.Breslau, wo er sieb der „Breslauer Dichterschule“ anschloss. Die Juden in Südafrika. Von verschiedenen Seiten wurde auf die günstige Lage der Juden in der südafrikanischen Republik hin gewiesen. Das ist richtig, aber die Sache hat doch einen Haken Ohm Paul hat nämlich bestimmt, dass die Juden — es handelt sich um circa 8000 — nur dann das Bürgerrecht erhalten können, wenn sie beweisen, dass sie es auch in ihrer Heimat besassen. Da nun die meisten Juden aus Russland und Rumänien stammen, werden sie

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