Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 28 (14.7.1899)
- Article
- [Ohne Titel] / Ginz, J.
- Date
- 1899-07-14
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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- Seite 10 „Die Welt“ Nr. 28 liehe Noth gerathen. Durch schwere Arbeit zog er sich ein Augenübel zu und ein Auge musste ihm entfernt werden. Auch das andere ist halb erblindet, und der Arme ist auf diese Aid völlig erwerbsunfähig geworden. Sein Weib liegt krank, und die Noth ist grenzenlos. Da habe ich mich, da ich allein nicht genügend helfen kann, entschlossen, diesen Aufruf ohne sein Wissen zu erlassen und hoffe, dass Juden einen armen Glaubensbruder nicht derVerzweithing oder dem ff ungertode (es ist dies keine blosse Phrase!) anheimfallen lassen werden. Viele können einem ja so leicht helfen, und eine Kleinigkeit hat wohl jeder der geehrten Leser übrig? Gottes Lohn auch für die kleinste Gabe! Ich bitte, gütige Spenden nur direct an ihn zu senden. Mit Zionsgruss J. G i n z in Kourim. Nachtrag zur jüdischen Colonialbank. BEKANNTMACH UNU. Im Aufträge des Verwaltungsmlhes der Jewisli Colonial Trust (Jüdische Colonial bank), Limited, beehrt sich der ergebenst Unterzeichnete hiermit bekannt zu machen, dass die zweite Rate von 20% auf die zur ratenweisen Zahlung gezeichneten Actien der Jüdischen Golonialbank am 28. Juli a. c. fällig und bei den autorisierten Rankstellen, von denen eine vollständige Liste in der „Well“ vom 21. Juli erscheinen wird, zahlbar ist. Pro ad Street Avenue James II. L o e w e, Generaisecretär. London E. C., 4. Juli 18Uh. * * * Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Generalversammlung der Bank am 20. Juli und nicht am 18. Juli statifindet. Eine Gerichtsverhandlung. Wien, 10. Juli. Die Verhandlung über Ehrenbeleidigungsklagen des Dr. S. R. Landau und des Dr. Theodor Herzl, über welche wir seinerzeit berichtet haben, wurde heute heim Bezirksgerichte Josefstadt fortgesetzt und endete mit der Abtretung des Actes gegen Dr. S. R. Landau an die S t a a t s a n w a 11 s c h a f t. Dr. L a n d u u, dem Dr. Karl Ornstein als Anwalt zur Seite steht, hat bekanntlich gelegentlich einer Berichtigungsverhandlung gegen die „Welt“, das Blatt Doctor Herzls, behauptet, dass Dr. Herzl, der von Dr. Victor Rosenfel d vertreten wird, ihn durch V erleunidungen und Entstellungen zu entehren suchte. Dr. Herzl klagte deshalb und sucht nun entehrende Handlungen des Dr. Land au nachzuweisen. So behauptet er, dass Dr. Landau, während er hei der ..Welt“ angestellt war, für Geld in anderen Zeitungen gegen ihn (Dr. Herzl) Artikel veröffentlichte, dass Dr. Landau in der Redaction der „Welt“ fremde Briefe erbrochen und unterschlagen habe etc. Bei der heutigen Verhandlung fragte der Verhandlungsleiter Gerichtssecretär Dr. W ein I i c h Dr. Landau: Ich bitte mir doch endlich einmal den Begriff Zionismus zu definieren. — Dr. Landau: Zionismus war ursprünglich das Bestreben, durch Colonisationen in Palästina jüdiche Gemeinwesen zu begründen. Dann kam Dr. Herzl mit seiner Broschüre ..Der Judenstaat“, deren erstes Exemplar er mir gewidmet hat (Dr. Herzl schüttelt verneinend den Kopf) und sagte, der Zionismus bestehe darin, unter dem Schutze der Türkei einen Judenstaat auf rechtlicher Basis zu gründen. Seither gibt es zweierlei Zionisten. Die Anhänger Dr. Herzls, als Vertreter des politischen Zionismus, und die praktischen Zionisten, welche für die sofortige Colönisation ein treten. — Doctor Herzl: Dr. Landau hat im „Jewish chronicle“ Artikel gegen mich geschrieben. — Richter: Haben Sie für Geld solche Artikel geschrieben? — Dr. Landau (nachdem er beeidigt worden): Ich habe die Thätigkeit des Dr. Herzl kritisiert und habe das auch öffentlich am Baseler Congress gethan. — Dr. Rosen feld: Haben Sie das gethan, während Sie in Diensten der „Welt“ standen? — Dr. Landau: Das “weiss ich nicht. — Richter: Ich bitte doch, nicht immer auszuweichen. Was Ihnen vorgeworfen-wird, ist ein einfacher Vertrauensmissbrauch. — Dr. Landau: Ich erinnere mich nicht. — Dr. R<osen feld: Es genügt mir, » dass Sie sich daran nicht erinnern. Es wird nun der Oberst 1. P. Alexander Ritter von Eiss. welcher derzeit in der Administration der „Welt“ beschäftigt ist, als Zeuge einvernommen. Richter: Hat Dr. L an d a u Briefe erbrochen und unterschlagen? —Zeuge: Dr. Landau hatte die Gepflogenheit. andere Pulte zu durchstöbern. Eines Tages, im April vorigen Jahres, sah ich, wie Dr. Landau einen an Dr. Sigmund W eine r adressierten Brief öffnete. Ich habe mich damals geschämt, die Sache aber allen erzählt. Etwa vier Wochen später gab es eine ähnliche Scene Ich trete ins Zimmer und sehe, wie Dr. Landau in meiner G e 1 d 1 a d e herumwühlt, in weicher sich auch andere, für die einzelnen Redacteure bestimmte Papiere befanden. Ich war sehr aufgeregt. Dr. Landau entgegnete, er glaube das Recht zu haben, sich seine Sachen aus der Lade zu nehmen. In meiner Erregung ergriff ich einen Briefbeschwerer und rief: „Herr! Soll ich mich an Ihnen vergreifen?“ Dann rief ich nach einem Diener, um Doctor L a n d a u hinausweisen zu lassen. Dr. L andau bat mich dann in weinerlichem Tone, ihm seine Zeitungen zu gehen — Dr. L andau (erregt): Lüge! — Richter: Ich bitte, solche Aeusserungen hier zu unterlassen. Dr. Herzl hat dann dem Dr. Landau das Local verboten. Dr. Landau sucht die Affaire dahin aufzuklären, dass er sich in Gegenwart mehrerer Herren seine Zeitungen aus der Lade des Herrn v. Eiss genommen habe. Oberst v. Eiss bestätigt, dass sich für Dr. Landau bestimmte Zeitungen in der Lade befunden haben. Der praktische Arzt Dr. Sigmund Werner erzählt, dass er dem Dr. Landau in der Druckerei der „Welt“ eine Ohrfeige gab, weil ihm Dr. Landau einen Artikel wegnahm. Dr. Landau bestreitet, eine Ohrfeige bekommen zu haben. Der Zeuge deponiert weiter, dass er Öfter auf seinem Tische erbrochene Briefe gefunden habe. Der Zeuge Leopold S i z m a n n deponiert, Dr. Landau, der Präsident des Vereines „Achwa“ war, sei aus diesem Vereine ausgeschlossen worden, weil er eine Beleidigung auf sich sitzen Hess und Vereinsgelder für seine eigene Zeitung verwendete. — Dr. Ornstein: Das ist der Vorwurf der Veruntreuung gegen meinen Clienten, und ich beantrage deshalb die Abtretung des Actes an die Staatsanwaltschaft. — Der Richter gab diesem Anträge Folge und vertagte die Verhandlung. Zur nächsten Verhandlung wird Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n über Antrag beider Parteien als Sachverständiger vorgeladen werden, um den Richter genau über die Zionisten frage zu Info rm ieren. (Wiener Allgemeine Zeitung.) Weltchronik. Die Verlagsgesellschaft „Tuschija“ in Warschau veröffentlicht folgende Anzeige: „Da die Tendenz der Zeitschrift „Hasehawua“ (d. i. der „Hamagid“, der für Russland „Haschawua“ heisst) .im Zionismus, die besonders in den letzten Nummern dieser Zeitschrift zum Aasdrucke kam, dem Geiste der „Tusch ij ah“ widerspricht und ihrer Tendenz nicht passt,