Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 28 (14.7.1899)
- Date
- 1899-07-14
- Page
- None (sequence 5)
- Language
- German
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>--4 Redaction ' Erscheint jeden Freitag. 4 --- Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petit¬ Wien an die Redaction oder Administration: Wien, IX., zeile 10 kr. IX., Türkenstrasse 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Telephon Nr. 14199. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. ♦-;- ► Manuscripte nicht zurückgesendet. « --<► Rflyndcnrfließ■ Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 6 fl. 12 Kr., halbjährig 3 ü.----- 6 Kr. Für das Ausland: Deutsch- Dv/iiUgOpi vlPUi land ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Ct. Nr. 28 Wien, 14. Juli 1839. 3. Jahrgang Gespräche über den Zionismus aus dem Haag. Von Bertha v. Suttner. I. Der Gedanke an den Zionismus hatte sich in die Empfindungen gemengt, die mich erfüllten, als ich die Reise nach dem Sitz der Friedensconferenz antrat. *) So kam es auch, dass dasselbe Thema sich mir öfters aufdrängte, wenn ich hier Gelegenheit hatte, mit hervorragenden Menschen aller Nationen über die verschiedenen Fragen hin und her zu reden, welche die Welt bewegen. „Die Welt bewegen" — mit dem Worte sagt man da meist zuviel. Gruppen einzelner Geister werden von einer Frage bewegt, so tief bewegt, dass es ihnen die eigene Welt ausfüllt — aber die wirkliche Welt draussen ist kaum berührt davon. Wie oft musste ich hier, wenn das Gespräch bei dem von mir eingeführten Thema „Zionismus" angelangt war, die Aeusserung hören: „Davon weisä ich nichts." Den Namen kennen wohl die meisten, die Sache die wenigsten. Aus eigener langer Erfahrung ist mir auch bekannt, wie die Friedensbewegung — die mir eine Welt bedeutete und die doch wahrlich die wichtigste Weltangelegenheit behandelt — ausserhalb ihres Kreises unbekannt war; wie massenhaft die Leute, die davon überhaupt nie etwas gehört hatten — es sei denn eine flüchtige Spottbemerkung. Es hat des Manifestes eines Czaren, es hat des Zusammentrittes einer von allen Regierungen beschickten Konferenz bedurft, damit die sogenannte „ganze Welt" — die an sich ja auch nur ein Bruchtheil der Erdbewohnerschaft ist — von der Friedenssache wisse; dass sie davon auch etwas verstehe, ist ein anderes Ding. Auf der Conferenz selber gibt es gar manche, die von dem Wesen der Friedensbewegung, wie sie sich bis heute entfaltet, keine Ahnung haben und die nicht verstehen, was sie bezweckt. Der Zionismus umfasst freilich ein kleineres Stückchen Welt als die Friedenssache, welche sich ja über alle Classen und Völker erstreckt... Und dennoch : „alles hängt mit allem zusammen", daher ist jede Bewegung gleich wichtig, denn jede beeinflusst jede andere. Ich denke, den Lesern dieser Blätter wird es interessant sein, zu erfahren, was dieser und jener von den im Haag versammelten Staatsmännern und Diplomaten zu den Plänen der Zionisten sagen; darum will ich hier, in zwang- *). Siehe die „Welt", Nr. 21. loser Form, einige dieser Gespräche, wie sie in meinem Tagebuche notiert sind, wiedergeben. Nicht „Interviews“ haben da stattgefunden, sondern einfache Unterhaltungen. Man spricht ja über allerlei. Von der Conferenz geht man zu allgemeinen Betrachtungen, von diesen wieder zu Tagesereignissen über, und einmal auf diesem Terrain, führen — wie alle Wege nach Rom — alle Gespräche zur „Affaire". Die Affaire aber beruht in erster Linie auf dem Antisemitismus. Sie ist ganz eigentlich eine Judenfrage. Was liegt da näher — wenn man eine Weile von Dreyfus gesprochen, als sein Gegenüber zu fragen: „Was halten Sie vom Zionismus?" Hält der Betreffende gar nichts davon, aus dem einfachen Grunde, weil er niemals darüber nachgedacht, so ist es sehr lohnend, ihn darüber aufzuklären. Menschen, die zusammengekommen sind, um über so kühne, neue, weltbefreiende Dinge zu reden, wie Abrüstung und Schiedsgericht, die haben meist einen gar offenen Sinn für alle Manifestationen des modernen Rettungs- und Beglückungstriebes; sie lauschen mit Theilnahme sie vernehmen es mit Genugthuung, wenn man ihnen von einer Gruppe Menschen erzählt, die es versucht, wieder irgendeine Befreiung aus der Noth — physische oder moralische Noth — ins Werk zu setzen. Der erste, mit dem ich im Haag Gelegenheit hatte, über Zionismus zu sprechen, war Dr. Andrew White. S. E. Dr. White ist Botschafter der Vereinigten Staaten am Berliner Hofe und steht hier an der Spitze der amerikanischen Delegation zur Friedensconferenz. Von schmächtiger Gestalt, mit einem feinen, grauen Kopf, besitzt Andrew White einen grossen persönlichen „Charme". Seine Sprechweise ist leise, fliessend, freundlich und voll geistvoller Apercus. Sechsundsechzig Jahre alt, ist er der Doyen des diplomatischen Corps seiner Heimat. Geboren in New-York, aufgewachsen in Syrakus, zum Doctor befördert in Yale, mit 22 Jahren in die diplomatische Carriere getreten als Attache an der Gesandtschaft in Petersburg, ist er einer der Gründer und der erste Präsident der Universität von Lowell. Im Alter von 25 Jahren war er Professor der englischen Literatur an der Michiganer Universität und seither gehört er zu den führenden Geistern in all den Dingen, die den Fortschritt der Wissenschaft in der Neuen Welt befördern. Von 1879 bis 1881 war White Gesandter in Berlin, von 1892 bis 1895 in Petersburg. In