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Die Welt · 1899-07-07 · 27 (7.7.1899) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
27 (7.7.1899)
Article
Bolszowce
Date
1899-07-07
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 27 „Die H: Welt“ Seite 13 Bolszowce. Sonntag, den 18. v. M. fand hier in der grossen Synagoge eine zahlreich besuchte zionistische Versammlung statt, an der auch viele Frauen theilnahmen. Der Vorstand der israelitischen C ultu sge mein de, Herr J. W. Bergstein, begrlisste die Versammlung und ertheilte das Wort zur Aufklärung über den Zionismus dem hiezu eingeladenen bekannten Volksredner fl. L. Taubes aus Kolomea. Redner schilderte in seiner dreistündigen Rede die traurige Lage der Juden und bezeichnet den Zionismus als einzige Lösung der Judenfrage. Die Rede fand grossen Beifall und selbst die Chassidim gaben ihrer Sympathie für den Zionismus offen Ausdruck. Hierauf begab sich die Versammlung in das Haus des Herrn Bergstein, wo die Eröffnungsfeier des Vereines „Bnei Zion“ stattfand. Der Verein steht auf dem Boden des Baseler Programmes. Es sprachen noch Herr Dr. J. S c h a m e d, Herr Aschkenazy aus Bursztyn und Herr K1 i n g e r, Konkolinki. Petrikau (Russ.-Polen), 23. Juni 1899. In der am 21. Juni ab gehaltenen ersten ordentlichen Jahresversammlung des hiesigen Zionsvereines erstattete Herr M. Feinkind den Rechenschaftsbericht, wobei er zugleich über Zionismus und dessen Aufgaben referierte. Der Verein zählt gegenwärtig über 200 Mitglieder, die Mitgliedszahl hat sich somit seit der Vereinsgründung verdoppelt. Es wurden bei uns 458 Shares gezeichnet mit 33 Vollzahlungen. Für die interne Verwaltung deVereines wurde ein aus sieben Mitgliedern bestehender Vorstand gewählt. Das bereits bestehende Bankcomite und die Schekelcommission versehen jedoch weiter ihre Functionen. Zum Vertrauensmann und Schriftführer wurde Herr - Moses Feinkind — der sich grosse V erdienste um unseren Verein erworben hat — gewählt. Herr Feinkind, früher ein Gegner unserer Bewegung, hält jetzt an jedem Samstag im Vereinslocale Agitationsvorträge, in denen er unter Heranziehung biblischer und talmudischer Citate die Ziele des Zionismus bespricht. Breslau. In einem formell und inhaltlich gediegenen Vortrage sprach Dr. Alois Munk aus Wien vor einem zahlreichen Auditorium über „Dekadence und Renaissance im modernen Judenthum.“ Der Vortrag fand reichen Beifall. An der Discussion betheiligten sich unter anderen die Herren Adolf Frei mann, Paul Theodor und Professor B a cLt. —cht— V ereinsnachrichten. ’ Wien. Die jüdische Vereinigung „Jordania“ veranstaltet an Stelle der für den 8. d. M. geplanten Zusammenkunft am Sonntag den 16. Juli d. J. einen Vereinsausflug von Dornbaach über das Hameau nach Pötzleinsdorf. Zusammenkunft Dornbach, Gasthof „zur güldenen Waldschnepfe“ um einhalb 4 Uhr nachmittags. Die Mitglieder werden ersucht, bestimmt zu erscheinen. Gäste, auch Damen, herzlich st willkommen. Wien. Am 29. v. M. fand die erste Generalversammlung der Commandit-Gesellschaft „Karmel“ statt, welche Unternehmung bekanntlich den humanen Zweck verfolgt, die Products der jüdischen Colonien Palästinas in Oesterreich-Ungarn abzusetzen. Erschienen waren die Herren Gottlieb Bettel heim, Adolf Brecher, Lucian Brunner (vertreten durch seinen Secretär Herrn B r i 11), G. A. Gerson, Dr. 0. Kokesch, Fritz Kraus, F. L. Lackenbacher und Ignaz Lederer. Die übrigen Commandisten waren am Erscheinen verhindert. Nach Verlesung und Genehmigung der Bilanz und des Geschäftsberichtes entspann sich eine ziemlich lebhafte Debatte, und es wurde mit Befriedigung constatiert, dass die Karmel-Weine und -Cognacs sich bereits überall als vorzügliche Marken eingeführt haben, wie überhaupt die echt philanthropischeTendenz der Karmel-Gesellschaft immer mehr zur Würdigung und Geltung gelangt. Als oberster Grundsatz der Geschäftsgebahrung wurde auch für die Folge einstimmig normiert und aufgestellt, die Karmel-Gesellschaft nicht als „Geschäft“ zu betrachten, sondern vor allem folgende Punkte im Auge zu behalten: den jüdischen Colonisten im Heiligen Lande in ihrer mühevollen- Aufgabe behilflich zu sein, zweitens den Beweis zu liefern, dass Juden auch die schwere Landarbeit nicht scheuen und als Ackerbauer sich vorzüglich qualificieren und drittens, der Welt einen reinen unverfälschten Naturwein von exquisiter Qualität zu liefern. Der Spitzname „Juden wein“, der hier im Volksmunde als Bezeichnung für jeden schlechten Pantschwein gebräuchlich ist, soll zu Ehren gebracht werden. Thatsächlich wird der Karmel wein bereits auchin rein arischen Kreisen gerne verlangt. Um die Provenienz dieser jüdisch eil Getränke noch mehr zu pointieren, wurde über Antrag der Herren Bettelheim und Kraus beschlossen, nebst den französischen auch jüdische Namen auf den Flaschen-Etiketten zu führen, und zwar letztere in hebräischen Lettern. — Was das rein Geschäftliche betrifft, wurde beschlossen, den Reingewinn des ersten Geschäftsjahres, welcher einer 6% Verzinsung des Commandit-Capitales gleichkommt, nicht zu vertheilen, sondern als Reservecontö anzulegen. Dem Firmaträger Herrn Th. Lackenbacher und dem Procuristen und Geschäftsleiter Herrn J. Schalit wurde der Dank und die Anerkennung einstimmig votiert’ In die Revisionscommission wurden die Herren A. Brecher, Dr. O. Kokesch und Ignaz Lederer wieder gewählt. — Wie wir hören, gedenkt die Gesellschaft neue Antheilscheine zu emittieren, da der stark zugenommene Geschäftsumfang eine Vergrößerung des Betriebscapitals bedingt. Die russische Gesellschaft in Warschau hat im vorigen Jahre ihr Capital verdoppelt und da wurden die neuen Antheilscheine ä 500 Rubel mit 40°/0 Agio rasch vergriffen. Brünn. Wir bitten um Aufnahme folgenden Berichtes: Der Leseverein jüdischer Mädchen „Jehudith“ in Brünn hat am 25. Juni sein Vereinshalbjahr geschlossen. Der Verein hat während dieses Semesters die Aufgabe, weitere Kreise jüdischer Mädchen für den Zionismus zu interessieren und für den Verein zu gewinnen, durch allgemeine Mädchenversammlungen, Discussion en und Vorträge in hohem Masse erfüllt und seine Mitgliederzahl bedeutend vergrößert. Der Verein hat in seinem Vereinslocale einen Curs zur Erlernung der hebräischen Sprache gegründet, bei welchem der Unterricht von Herrn Professor S. Rubinstein in höchst erfolgreicher Weise geführt wurde. Ausser den regelmässigen Vorträgen, welche von Prof. Rub instein gehalten wurden, wurden theils von Mitgliedern des Vereines, tlieils von Herrn Professor S. Rubinstein folgende Themata in Vorträgen behandelt: 1. Der Zionismus, 2. Der Zionismus und die Frau. 3. Ausbreitung des Antisemitismus. 4. Zionismus und Socialismus. 5. Zionismus, die einzige Lösung der Judenfrage. 6. Bedeutung des Passahfestes. 7. Der Zionismus auf national-ökonomischer Grundlage. 8. Verschiedene Färbungen in der zionistischen Partei — und viele andere. Vorträge. Für den Herbst ist die Fortsetzung des hebräischen Unterrichtes und Vorträge über jüdische Literatur in Aussicht genommen. Bolechow. Der hiesige Verein „Chowewe Zion“ veranstaltete anlässlich des Ablebens des Rabbiners Doctor Hildersheimer - Berlin am 25. Juni eine öffentliche Trauerfeier in der hiesigen israelitischen Schule. Der grosse Saal war dicht gefüllt, und die Anwesenden lauschten den Ausführungen der Redner mit stiller Andacht Der Präsident des Vereines, Herr H. Rosenberg, eröffnete die Trauerfeier mit einer trefflichen zionistischen Rede. Herr S. Neumark hielt eine hebräische Rede, worin er hervorhob, dass der Verstorbene eigentlich dem gegenwärtigen Zionismus durch seinen Kampf gegen die Reformrabbiner vorgearbeitet habe. Herr A. Lothringer hielt in deutscher Sprache die Tendenzrede. Auch er wies in seinem sinnreichen Vortrage nach, dass der Verstorbene durch seinen Kampf gegen die Reformrabbiner den gegenwärtigen Zionismus angebahnt habe. Spenden für Boryslaw: David Lind, Lemberg . ..fl. 1.— Dr. B rings, Wien.„ 4. — Channa Sachs, Liegnitz.„ —.85 Guttmann M., Krakau . .. „ 3.— Freiwillig Ad., Wien.„ 4.50 Schwabe Gustav, Varel.„ 2.95 firTÖÖ In Nr. 25 ausgewiesen fl. 219.42 Summe fl. 235.72 Spenden für zionistische Zwecke: Brzeszow. Wer erreichen will den Gipfel der Leiter, Steige nur immer eine Stufe weiter . . fl. 1.50 * ' Für Dwinaczer, Starunier und Molotkower Erdwachsarbeiter: Durch J. Schönewetter, Krakau : Mencil Pam.fl. 3.— Max Infeld .„ 1.— Akademiker H. S.„ —.50 Summe fl. 4.50 Anmerkung: Schekelgelder werden hier nicht ausgewiesen, sondern in kurzem Wege an Dr. Kokesch — wohin seihe eigentlich zu adressieren sind — abgegeben.

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