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Die Welt · 1899-07-07 · 27 (7.7.1899) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
27 (7.7.1899)
Article
Lodz
Date
1899-07-07
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die 2$ Welt“ Nr. 27 classen eröffnet. Die Organisationskosten des Institutes sind bereits aufgebracht. Das Uebrige hofft man durch öffentliche Subscription aufzutreiben. — Auf Anregung des Dr. phil. Joseph Sachs wird hier eine jüdische Mädchenschule eröffnet. Die behördliche Bewilligung ist bereits herabgelangt. Die Leitung wird Frl. Kohn-Heflich übernehmen, eine hochbegabte und erfahrene Pädagogin, die derzeit zur höchsten Zufriedenheit des Curatoriums und der Schulbehörde eine zweiclassige Mädchenschule mit Handwerkerabtheilungen, wie auch eine unentgeltliche Sabbathschule leitet Erklärung. Vor einigen Tagen ist in Kolomea eine von angeblich zionistischer Seite herrührende Flugschrift verbreitet worden, welche über die Schekelgebahrung in Galizien, über das Mitglied des Actionscomitds Herrn Dr. Rosenheck und über den von diesem ins Leben gerufenen „Jüdisch-nationalen Bankverein“ ebenso gehässige wie unwahre Gerüchte ausstreut. Dem gegenüber sehen wir uns veranlasst, Folgendes zu erklären: 1. Die Schekelgebahrung in Galizien ist eine geradezu musterhafte, die dort gesammelten Schekelgelder sind conform der tadellos hergestellten Abrechnung an unser Bureau ordnungsgemäss abgeführt worden. 2. Kein Mitglied des Actionscomit6s hat dem „Jüdischnationalen Bankverein“ je 1 Million Gulden aus demCapitale der „Jüdischen Colonialbank“ zugesagt. 3. Der mit Zustimmung des Actionscomitds gegründete „Jüdisch-nationale Bankverein“ ist eine durchaus uneigennützige Institution, die einzig und allein der zionistischen Bewegung dienen wird, und deren Leiter keinerlei Gehalt oder materiellen Gewinn beziehen. Dem Schöpfer dieses Institutes, Herrn Dr. Rosenheck, gebürt für seine aufopfernde und selbstlose Thätigkeit im Dienste unserer Sache der Dank aller ehrlichen Zionisten. Für das Actionscomite: Dr. O. Kokesch Dr. M. T. Schnirer Schriftführer. Vicepräsident. Allerlei Nachrichten. In Zürich wurde der orthodoxen israelitischen Religions-Gesellschaft die Genehmigung zum Ankäufe eines eigenen Begräbnisplatzes ertheilt. Damit ist ein langjähriger Conflict endgiltig entschieden worden. In Kipp enheim bei Lahr fand jüngst ein seltenes Gesangsfest statt, das des Oberbadischen Synagogen-Chöre Verbandes. Demselben gehören 9 Vereine mit 120 Sängern an. Das Fest nahm einen schönen Verlauf und bewies, dass auch in den kleinen Gemeinden Sinn für einen geregelten Gottesdienst herrscht. * Die kleine jüdische Gemeinde in Athen hat bei der Regierung Schritte wegen Errichtung einer Synagoge gethan. Dabei stellte sich heraus, dass schon im Jahre 1843 ein zum Baue einer Synagoge bestimmtes Grundstück geschenkt worden, die Urkunde aber „verloren“ gegangen war. Die Sache soll jetzt vor die Kammer gebracht werden, damit der Fiscus zu einer Entschädigung veranlasst werde. Das Grabmal von Esther undMordechai soll kürzlich in Hassadan (Persien) aufgefunden worden sein. In der Nische eines uralten Baues befindet sich eine Gesetzesrolle, rechts von derselben befindet sich der Sarkophag Mordechais, links der Esthers. Die Särge sind aus einem dunkelbraunen Holze angefertigt und mit hebräischen Inschriften beschrieben. Gypsabdrücke davon befinden sich in Händen des Grand Rabbin Zadok Cahn in Paris. Auf Mordechais Grab steht: jpies ist das Grab Mordechais, mögen seine Verdienste uns beschützen, ferner einige biblische Sprüche, darunter die Stelle im Buche Esther, wo von Mordechai zuerst die Rede ist. Bei Esthers Sarg lautet die Inschrift : Hier ist der Ort, an dem Esther, die Gerechte, begraben liegt. Möge ihr Verdienst uns beschützen. Daneben auch Stellen aus dem Buche Esther. * Die Bukarester Gesellschaft „Kultura“ plant die Gründung einer jüdischen Handelsschule. Bereits im vorigen Jahre ist eine jüdische Primarschule errichtet worden. In einem der exclusivsten Verein von Berlin, dem Unionclub, war es bis jetzt Sitte, die Aufnahme neuer Mitglieder durch Ballotage vorzunehmen, wobei schon eine schwarze Kugel zur Ablehnung genügte. Nunmehr wurde beschlossen — und zwar soll das im Interesse einiger — Juden geschehen sein, dass eine Commission von 19 Mitgliedern über die Aufnahme von Mitgliedern zu entscheiden habe. * Das antisemitische „Deutsche Volksblatt“ in München hatte das Kolnidre-Gebet in gehässiger Weise besprochen und es wurde darob seitens der Staatsanwaltschaffc'Klage gegen das Blatt erhoben. Die Strafkammer lehnte aber die Verweisung vor das Schwurgericht mit dem Bemerken ab, dass das Kolnidre-Gebet nach Ansicht des Gerichtes den ihm unterlegten Sinn zwar nicht habe, dass eine Missdeutung aber nicht ausgeschlossen sei. „Folgende Judenreine Sommerfrischen“ werden noch veröffentlicht: Bansin bei Heringsdorf, Britt ers Strandschloss bei Swinemünde, Insel Wilna bei Rügen, Augustusbad bei Radeberg, L i g a u bei Dresden, Johannes er Curhaus bei Zellerfeld und Pe ter-Nothhaf en bei Swinemünde. -r- Nicbt alle französischen Richter nehmen sich ein Beispiel an jenen des Cassationshofes, wie folgender Fall beweist: Ein grosses Haus hatte zum Vertrieb seiner Fabricate in Algier und Tunis einen jüdischen Agenten contractlich eugagiert, wollte aber von dem Vertrage zurücktreten, wegen des dort herrschenden Antisemitismus, da es unmöglich wäre, unter diesen Umständen einen Juden zum Vertreter zu haben. Das erste Gericht billigte diesen so zwingenden Grund und löste den Vertrag auf. Darauf wurde die Angelegenheit vor den Appellhof in Besanpon gebracht. Der Vertreter des Klägers hob hervor, dass mit der Aufrechterhaltung des ersten Urtheils die jüdische Rasse entrechtet werde, und dass das Urtheil eine freche Negierung der Menschenrechte involviere. Der Gerichtshof behielt sich seine Entschliessung vor. Die zionistische Bewegung Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionistencongresses, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Schekelblocks, sowie- Juxten an das Bureau des Zionistenconqresses, Basel zu senden. - Das Actions-Comite. Gologory (Galizien). Am 10. v. M. hielt der jüngst gegründete Zionverein eine Versammlung ab. Herr J. D a v i dsohn hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über das Baseler Programm. Herr 0. M. Margulies, dessen Verdienste um die Propagierung des Zionismus rühmend erwähnt werden müssen, hielt gleichfalls eine inhaltsreiche zionistische Rede. Stryj. Zugunsten der Bergarbeiter in Boryslaw veranstaltete der Verein „Achdes“ im eigenen Locale am 12. Juni ein Gesangsconcert mit Musikbegleitung. Besondere Verdienste um das Zustandekommen der Veranstaltung erwarb sich das Ausschussmitglied Herr Sch. Stern.

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