Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 27 (7.7.1899)
- Article
- Dr. Herzl in London
- Date
- 1899-07-07
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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„Die A Welt“ Nr. 27 Seite 4 hütete, auch nur ein Wort zu verlieren. Dr. Gast er, ätz nächste Redner, erregte einen neuen Sturm der Begeisterung. Man kennt seine Art, funkelnde Redeglieder in einer unabsichtlichen, jovialen Manier aneinanderzureihen. Er ist ein Meister des volkstümlichen, verdeutlichenden Wortes. Ihm folgten bewährte und beliebte Zionisten: die Herren Greenberg, Bentwieh, Benoliel, J. de Haas* * * * Der „Jewish World“ widmet der Versammlung seinen dies wöchentlichen Leitartikel, dem wir folgende Sätze entnehmen : „Die Versammlung von Montag abends ist in ähnlich enthusiastischer Weise verlaufen, wie die im Monat October in der Great Assembly Hall abgehaltene. Diese grossen Scenen voll Enthusiasmus sind ein neues Element im modernen jüdischen Leben, Phasen, wodurch das neue Leben sich ankündigtdas der Zionismus in die „trockenen Gebeine“ Israels gehaucht hat. Diesem Enthusiasmus wohnt eine tiefere Bedeutung inne. Nicht dadurch, dass sie tausenden Gelegenheit geben, den Zionistenführern ihre Treue und Ergebenheit zu bezeugen; oder dass sie Gelegenheiten sind, bei welchen die Freude über die zionistischen Fortschritte zu elementaremAusbruch kommen darf— sondern dadurchwerden diese grossen Versammlungen so bedeutungsvoll, weil in ihnen der Wille und die Gefühle des anderwärts unterdrückten und mundtodt gemachten jüdischen Volkes zu weithin hörbarem und auch beachtetem Ausdruck gelangen. Die Rede, die Dr. Herzl in der Versammlung gehalten hat, verlangt kaum eine Commentierung. In klarer und entschiedener Weise gibt sie Wege und Mittel an. Schweigen und kluge Zurückhaltung ist eine von der Natur des diplomatischen Geschäfts geforderte Nothwendigkeit, und dies wurde von dem Publicum nicht bloss verstanden, sondern auch vollständig gebilligt. Aber Dr. Herzl ist diesmal bis an die Grenze, wo Schweigen Pflicht ist, vorgegangen, und da er die volle Verantwortung für alles, was er sagte, übernahm, so .ist es keine schwere Aufgabe, zwischen den Zeilen zu lesen und einzusehen, dass sein Vertrauen in die glückliche Vollendung seiner selbstgestellten Aufgabe mehr zur Grundlage haben müsse, als die moralische Ueberzeugung von seiner persönlichen Fähigkeit. Er constatierte, dass die Bewegung um entscheidende Schritte vorwärtsgerückt sei und deutete kommende Erfolge an.Es sind keine nur der Person .des bewunderten Führers zu dankende Erfolge. Der eigentliche Werber und Sieger— das ist das jüdische Volk und seine so rührend kundgegebene Heimatsehnsucht. Die bewegende Kraft der reinen Begeisterung findet in der neueren Geschichte kein besseres Beispiel.. . Heute ist der Zionismus die einzige lebensvolle Hervorbringung des Judenthums, und er hat den Juden besser als alle wohl gedrechselten Parlamentsacte das Gefühl für menschliche und politische Gleichheit gegeben. Was bisher erreicht wurde, gestattet, an eine glückliche Zukunft zu denken. Nichts Kleines und nichts Kleinliches vermag auch der Vorurtheilsvollste in den Worten des Zionistenführers zu entdecken. Die Höhe des Ideals, welches von dem Manne vertreten wird, der einem gehetzten Volke niemals von Heimat und Frieden spricht, ohne es zugleich auf die Menschheitscivilisation ausdrücklich und beschwörend hinzu weisen — muss jeden Juden, der seines Volkes Freund sein will, für die Herzenssache dieses Mannes gewinnen. Ein solcher Führer, dem das Ideal als einzig denkbare Perspective des Volkslebens gilt, verdient es, dass eine treue Gefolgschaft ihm ihr reinstes Vertrauen und ihre edelsten Kräfte widme.“ Die Jahresconferenz der English Zionist Federation. London, 30. Juni. Am vergangenen Montag fand in St. Martins Town Hall, Charing Gross, die Jahresconferenz der English Zionist Federation statt. An der Conferenz nahm Dr. Theod. Herzl theil. Delegierte waren abwesend von folgenden Körperschaften: B nei Zion, London, North London, West London, Vine Court Synagogue, Young Zion Institute, Mile End; Leeds, Birmingham, Sheffield, Blackburn, Manchester, Liverpool, Edinburgh, Glasgow, Limerick, Belfast und Grimsby. Den Vorsitz führte Mr. Herbert Bentwieh LL. B., der die Versammlung mit der Constatierung eröffnete, es sei die gegenwärtig verantwortliche Leitung der Federation dem Compromiss, welches sich als Resultat der vorjährigen Conferenz ergab, treu geblieben. Die Federation habe sich an die ihr zugewiesene Aufgabe gehaltenen der Seite aller in den verschiedensten Ländern organisiertenVereinigungen an der gemeinsamen Sache des Zionismus mitzuwirken. Es könne glücklicherweise constatiert werden, dass die Opposition wider die Ausführung des Compromisses nicht mehr von Vereinen, sondern nur mehr von einigen wenigen und nicht verantwortlichen Persönlichkeiten. gemacht wird. Seit der kurzen Zeit ihres Bestandes habe sich die Federation nur mit der Agitation beschäftigt. Die Mitglieder des Executivcomites haben durch Reisen nach den verschiedensten Theilen Englands dem Zionismus eine weitverbreitete englische Anhängerschaft zugeführt. Sie hätten den, von einem englischen Sprichwort ertheilten Rath befolgt: zuerst das trockene Holz anzuzünden, und dann ruhig zuzuwarten, dass sich der Brand auch auf das grüne Holz erstrecken werde. Heute sei ein Kampf gegen Antizionisten nicht mehr zu lühren — es sei kein einziger anwesend! Es seien schlimmstenfalls Leute da, die sich Nicht-Zionisten nennen, und da diese den guten Willen mitbringen, auf Argumente zu hören, so sei es nicht schwer, sie zu überzeugen. Mr. Bentwieh wies hierauf auf den Einfluss hin, den die Federation auf den Gang der Bewegung ausüben dürfte und forderte die Conferenz auf, auch weiterhin dem grossen Ziele, das durch das Baseler Programm gewiesen sei, all ihre Gedanken und ihre gesammte Thätigkeit zuzuwenden. Dr. G as t e r, unterstützt von Mr. E. M. Cohe n, brachte hierauf folgende Resolution ein, deren Verlesung durch den Vorsitzenden die Versammelten stehend anhörten: „Die Conferenz der englischen Zionisten betheuert ihr treues Festhalten an der jüdischen National-Idee und verspricht, auch in Zukunft all ihre Kräfte dafür einzusetzen, dass die nationale Bewegung von Erfolg gekrönt werde.“ Die Resolution der Herren J. Cowen und Dr. U m a n s k i, die hierauf eingebracht wurde, lautet: „Die Conferenz der englischen Zionisten erklärt, an der Institution des Internationalen Zionisten-Congresses festzuhalten, die von diesem erwählten Führer anzuerkennen und sich an die, von den beiden Baseler Gongressen beschlossenen Principien zu halten.“ Eine dritte Resolution galt der Banksache und wurde von Sir Francis Monte fl ore und Mr. H. M. Benoliel beantragt: „Die Conferenz der englischen Zionisten erklärt ihre herzliche Zustimmung zu dem Jewish Colonial Trust und fordert alle Zionisten auf, die Bank zu unterstützen.“ Die Herren J. Massel und Mr. M. L. D i g h t forderten in einer Resolution die englischen Zionisten auf, sich um die English Zionist Federation, als den anerkannten Mittelpunkt der Bewegung in England, einmüthig zu