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Die Welt · 1899-07-07 · 27 (7.7.1899) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
27 (7.7.1899)
Article
Der dritte Congress
Date
1899-07-07
Page
3 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 27 „Die A Welt“ Seite 3 Der dritte Congress. Mit dem 30. Juni war der Termin für die Schekelzahlung abgelaufen. Auf Grund der an das Baseler Bureau eingesandten Juxten der Schekelquittungen sind die Wählerlisten verfertigt und am 4. Juli abgeschlossen worden. Die Listen werden nunmehr an die Kreiscomites versendet werden. Diese haben die Wahlkreise nach folgenden Principien festzustellen: 1. Je 100 Schekelzahler wählen einen Delegierten. 2. Sind in einem Orte weniger als 100 Schekelzahler, so wird dieser mit einem oder mehreren benachbarten Orten zu einer Hundertschaft vereinigt. 3. Sind in einem Orte hundert oder mehrere hundert Schekelzahler und ein Ueberschuss, so hat das erste hundert oder haben die ersten hundert nach alphabetischer Ordnung je einen Delegierten zu wählen. Zu dem verbleibenden Reste wird eine kleine Gruppe einer Machbargemein de zur Vervollständigung der Hundertschaft dazu geschlagen. Dies jedoch nur dann, wenn dadurch nicht ein aus mehreren kleinen Gruppen bestehender Schekelkreis gestört wird. In diesem Falle wählt der Ueberschuss der grossen Schekelgruppe mit dem letzten Hundert zusammen. 4. Die Wahl der Delegierten ist eine directe und geheime und wird mittels Stimmzettel vollzogen. Der Stimmzettel wird vom Congressbureau an das Kreiscomite eingesandt und von diesem an die Vertrauensmänner (Schekelblock-Inhaber) behufs Vertheilung (Versendung durch die Post) an die Wähler übermittelt. 5. Die Vertrauensmänner fungieren als Wahlleiter. 6. Die Wähler haben den Stimmzettel in allen seinen Rubriken deutlich auszufüllen und binnen 8 Tagen dem Wahlleiter zuzustellen. Nach Ablauf dieser 8 Tage abgegebene Stimmzettel können keine Berücksichtigung mehr finden. 7. Sofort nach Eintreffen der Stimmzettel hat der Wahlleiter den Coupon derselben abzutrennen, den Namen des Wählers in der vorher festgestellten Wählerliste zu streichen. Der Stimmzettel selbst muss bis zur Vornahme des Scrutiniums geschlossen bleiben. 8. Nach Ablauf der achttägigen Wahlfrist wird von den Wahlleitern jeder Hundertschaft im Beisein von wenigstens 3 Mitgliedern dieser Hundertschaft das Scrutinium vorgenommen. Nach Beendigung des Scrutiniums ist ,las Ergebnis der Wahl unter genauer Angabe der Zahl der Wähler und der auf jeden Candidaten entfallenden Stimmen ins Protokoll einzutragen, welches von allen Anwesenden zu zeichnen ist. Dieses Protokoll ist von den zwei Wahlleitern sainnit den Wählerlisten, Stimmzetteln und abgetrennten Coupons sofort dem Kreiscomite einzusenden, welche alle aus seinem Kreise zusammenkommenden Documente dem Congressbureau in Basel sofort einzusenden hat. 9. Jeder Delegierte hat das Recht, mehrere Mandate zu übernehmen, verfügt am Congresse jedoch nur über eine Stimme. 10. Die Delegierfcen-Mandate sind nicht übertragbar* 11. Die Wahlprotokolle müssen bis längstens f». August in Basel sein. Das Secretariat des Actionscomites. * * * Zur Verhütung von Stimmen Zersplitterungen ist es ängezeigt, dass sich überall, zur Nominierung geeigneter Candidaten Wahlcomites bilden. ■, * .; *; * Um dem kommenden Congresse ein möglichst genaues Bild über den Umfang der zionistischen Bewegung zu geben, hat das Secretariat des Actionscomites folgenden Fragebogen versendet: 1. Wie viel Vereine existieren in Ihrem Bezirke, Rayon und Lande? 2. Wie lauten ihre Namen und ihre Wohnsitze? 3. Wie gross ist die Mitgliederzahl jedes Vereines? 4. Wie gross war die Mitgliederzahl jedes Vereines im Vorjahre? 5. Wie viel neue Vereine sind seit dem II. Congresse entstanden? 6. Welche Vereine haben sich in der Zeit seit dem II. Congresse aufgelöst? 7. Worin bestand die Thätigkeit der Vereine? 8. Waren die Vereine rein zionistisch oder verfolgten sie auch Nebenzwecke? 9. Wie stellt sich percentuell die Zahl der Zionisten jeder Stadt zur Zahl der dort wohnenden Juden? Dr. Herzl in London. London, 30. Juni, Zionistische Versammlungen haben etwas Eigenes an sich, sie verbrauchen ziemlich viel Begeisterung von derselben echten, nicht verkennbaren Art, aber jede einzelne bietet noch einen aparten Zug, eine charakteristische Geste sozusagen, wodurch sie sich dem Gedächtnis der Teilnehmer eingräbt als eine ganz besondere, mit keiner anderen zu verwechselnde. Es ist eben eine wirkliche Bewegung, eine nach vorwärts, und nicht eine Pendelbewegung, die immer dieselben alten Punkte einer längstbekannten, vorherbestimmbaren Route passiert — die zionistische Bewegung führt an immer neuen Gewissen, immer neuen Herzen vorüber* und mit je mehr der edelsten Beute belastet sie weiterzieht, desto leichter, elastischer wird ihr Schritt, neuen Eroberungen zu. In England, wo nach einem in diesen Tagen gesprochenen Worte die Opposition nicht mehr von Körperschaften, sondern nur noch von Einzelpersonen geführt wird sieh und aus Nicht-Zionisten weit häufiger, als ans Anti-Zionisten recrutiert — in England bewährt sich ganz besonders diese wundervolle Kraft des Zionismus, sich zu immer vor-- geschritteneren Phasen zu steigern. Die am Montag stattgefundene Riesen Versammlung ist ein Beleg dafür: es war eine ideale Versammlung, und die English Zionist Federation darf auf diese Veranstaltung stolz sein. Sie hat den schollenzähen East End von London — der echte East Ender rührt sich selten westlich über den Temple Bar hinaus — nach dem Centrum der Stadt gebracht, und das an einem Wer ktage. Zu den jüdischen Arbeitern gesellten sich die anlässlich der Conferenz in der Hauptstadt weilenden Delegierten aus allen Theilen Englands; Männer, deren Namen in der Provinz guten Klang haben, sassen neben West En dem, denen ein gerührtes Staunen über das Gefühl, das sie hierher, in diese Versammlung getrieben, von den Gesichtern zu lesen waf; man sah christliche Priester und Laien, denen der Zionismus eine theuero Herzenssache ist, mit Ungeduld auf die Eröffnung des Meetings warten. Und als das Meeting im Laufe war, erschöpften sich diese verschiedenen Menschen in Ausbrüchen einer ungezähmteh, mit Stolz kundgethanen Begeisterung! Als Dr. Herzl, begleitet von dem Vorsitzenden und dem Executiv-Comitö der Federation die Plattform betraf, schollen ihnen begeisterte Gfüsse entgegen. Dann eröffnet^ Sir Francis Montefiore — typischer Engländer, kaltes Gesicht, gemessene Bewegung — die Versammlung mit einer kleinen, meisterhaften Rede, in welcher er die Führerschaft Dr. Herzls feierte. Und als sich dieser erhob, da hallten durch den weiten Raum die Ausbrüche eines üngezüngeltenEnthuslasmus.DriHerzl sprach etwa eine Stunde lang englisch. Von Zelt zu Zeit schallende Cheer-Rufe, sonst batte , der Redner eine Versammlung* vor sich, die sich sorgfältig

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