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Die Welt · 1899-07-07 · 27 (7.7.1899) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
27 (7.7.1899)
Date
1899-07-07
Page
None (sequence 5)
Language
German
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Eignen sich die Juden zur Landwirtschaft? Das ist wohl die Frage, die von denen, welche sich mit den jüdischen Problemen beschäftigen, am häufigsten aufgeworfen wird. Beantwortet wird sie meist im negativen Sinne; und es kann nicht genug unterstrichen werden, dass es gerade die Legende von der Unfähigkeit der Juden zum Ackerbau und zu ähnlichen Beschäftigungen ist, die den meisten unserer jüdischen Gegner ein grösseres jüdisches Gemeinwesen als eine Lächerlichkeit erscheinen lässt. Hätten unsere Gegner mit der Prämisse recht, so wäre es in der T hat nur logisch, zu folgern, dass die Juden mit ihrenSpecialfähigkeiten sich möglichst über die ganzeErde zu verbreiten hätten. Sie haben aber Unrecht. Mit Verstandesgründen ist ihnen das oft bewiesen worden, aber die theoretisierende Weise führt zu nichts. Und mit reinen Verstandesgründen kann man nur auf die wenigen Klugen wirken wollen; der grossen Masse aber sind so fest eingewurzelte Ideen schwer auszutreiben*) Weitaus die meisten, die so autoritativ über die Unfähigkeit der Juden zur Bodencultur raisonnieren, kennen eigentlich beide nur vom Hörensagen — die Juden sowohl, als auch die Bodencultur. Unter „Juden“ stellen sie sich ganz unberechtigter Weise die wes teuropäischen Juden vor, die man sich allerdings nicht so ohne weiters als ebenso gute Landwirte, wie etwa Commis voyageurs vorstellen kann. Und Landwirtschaft ist ihnen das „Studium“, für das es fast judenreine Hochschulen gibt (und das will viel sagen), oder sie wird als die „Branche“ betrachtet, in der man für die „niedrigen Arbeiten“ christliche Taglöhner haben *) Haben doch selbst die jüdischen Ackerbaucolonien in Palästina für diese klugen Herren keinerlei Beweiskraft. Sie wenden ein, dass diese Colonien ein Treibhausproduct seien, dem die Millionen, welche von Wohlthätern zur Verfügung gestellt wurden, als Sonne dienten, und die heute noch den kraftlosen Charakter solcher Treibhauspflanzen zeigten. muss, ebenso wie man in den Geschäften anderer Branchen christliche Hausdiener beschäftigt. Nun aber sind die westeuropäischen Juden durchaus nicht das jüdische Volk, dessen gewaltige Mehrheit aus russischen, galizischen und rumänischen Juden besteht. Und wenn diese osteuropäischen Juden in ihrer Heimat ihre Anpassungsfähigkeit nicht auf den Gebieten gezeigt haben, die schwere körperliche Arbeit erfordern, so haben sie das in dem bisherigen Hauptziele ihrer Auswanderung, in Amerika, in überraschend kurzer Zeit ausgeglichen. In den Vereinigten Staaten leben jetzt anderthalb Millionen Juden, von denen eine Million in den letzten zwanzig Jahren eingewandert sind. Von diesen kann naturgemäss nur ein ganz verschwindender Bruchtheil auf kurze Zeit Unterstützungen erhalten haben. Weitaus die meisten kamen mittellos dort an und sahen sich der Nothwendigkeit gegenüber,, einen Erwerb zu ergreifen, der mit ihrem bisherigen Berufe selten etwas zu thun hatte. Kein Handwerk ist so schwer, keine körperliche Arb eit so gross, dass die Juden davor zurückschrecken sollten, und neuerdings fangen sie an, ganz aus eigenem Antrieb — um sich weniger plagen zu müssen und um als freiere Menschen zu leben — sich landwirtschaftlichen Berufen zuzuwenden! Denn auch die sogenannten leichteren Handwerke, in denen die Majorität der amerikanischen Juden beschäftigt ist, stellen geradezu furchtbare Anforderungen an den Körper und sind eine Sclaverei, von der man sich kaum einen Begriff machen kann. Es ist wahr, der Arbeiter wird in Amerika besser bezahlt als in Europa. Aber erstens wird er rücksichtslos entlassen, sobald die Arbeit bewältigt ist, so dass er zwar etwa den doppelten Lohn erhält, aber dafür nur die Hälfte des Jahres beschäftigt ist. Und zweitens hat er für seinen doppelten Lohn oft das drei- und vierfache des Arbeitsquantums zu leisten, das in Europa von ihm erwartet wird. Dies wird ermöglicht durch die weit durchgeführte Arbeitstheilung und durch die rücksichtslose Ausbeutung. Arbeitszeiten von 16 Stunden und mein? sind in der Schneider- und Kürschnerbranche während der

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