Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 26 (30.6.1899)
- Article
- Köln
- Date
- 1899-06-30
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Die Welt44 Nr. 26 wirklicher Zionist einen so niederträchtigen Angriff gegen die Partei nicht unternehmen könnte, und sucht das Motiv, für das Vorgehen des Artikel Schreibers, falls derselbe früher in der zionistischen Bewegung thätig gewesen, lediglich in persönlicher Gehässigkeit gegen einzelne Führer des Zionismus. Redner beantragte eine Resolution gegen den betreffenden Anonymus, der die Verlogenheit seiner Behauptungen nicht einmal mit seinem Namen zu decken wagte. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. B o d e n h e i m e r, erklärte, dass er, wenn die Versammlung über die Resolution Beschluss zu fassen wünsche, den Vorsitz abgeben müsse, da auch er in dieser Schmähschrift angegriffen worden sei. Es wurde sodann einstimmig folgende Resolution beschlossen : „Die heute versammelte Ortsgruppe Köln der Z. V. f. D. weist die in der „Oesterreichischen Wochenschrift“ unter dem Pseudonym „Hamabit" gegen die Führer der Zionisten ausgesprochenen Beleidigungen und Verleumdungen mit Entrüstung zurück, betrachtet dieselben als Zeichen einer niedrigen und verwerflichen Gesinnung und spricht zu ihren Führern das vollste Verhauen aus." Frankreich. Paris. Die Revisionsfreundlichkeit des neuen Cabinets Valdeck-Rousseau ist nicht in Zweifel zu ziehen. Das Cabinet hat vom Senat und von der Kammer das Vertrauensvotum bekommen. England. London, 2-1. Juni. In einigen Versammlungen von Londoner Zionsvereinen wurden zur bevorstehenden Conferenz die Delegiertenwahlen vorgenommen. Wie bereits gemeldet, wird Dr. Herzl sowohl in der Conferenz, als auch vor einem Massen-Meeting sprechen. Für das letztere, in welchem Sir Francis Montefiore den Vorsitz führen wird, gibt sich das lebhafteste Interesse kund. Die zionistische Bewegung Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahiungen sind an das Bureau des Zionistencongresses, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Schekelblocks, sowie- Juxten an das Bureau des Zionistencongresses, Base! zu senden. - Das Actions-Comiie. Köln, 22. Juni. In der letzten Versammlung der zion istischen Ortsgruppe theilte der Vorsitzende mit, dass diese Woche eine neue Ortsgruppe in Hannover begründet worden ist, so dass jetzt in Deutschland 16 Ortsgruppen existieren. — Die Mitgliederversammlungen der im Severinsviertel wohnhaften Zionisten finden von jetzt ab im Restaurant Im hoff, Perlen graben 36, statt, und ist für dieses Viertel die Gründling einer zweiten Ortsgruppe beabsichtigt. Die Versammlungen der Ortsgruppe I finden, wie bisher, im Pschorrbräu statt. Neue Vereine. Suczawa, 13. Juni 1809. Bei der am 11. d. M. hier abgelialtenen constituierenden Versammlung des Vereines „Zion“ wurden gewählt die Herren: B. Klein b erg zum Obmann, Ch. Dr immer zum I. Ob mann-Stellvertreter, J. Lehrer zum II. Obmann-Stellvertreter, J. H a m m e r zum I. Schriftführer, M. S m u triez zum iL Schriftführer, Ahr. Körner zum Haus- und Zeitungsverweser, O s i a s zum Bibliothekar, H. H. Lehrer zum Cassier. Ferner wurden in den Ausschuss gewählt die Herren : Prof. Victor Nussbau m, N. Hopme i e r, S. A 1 b r e c h t, M. R o s e ns t e i n und A. Pekelman n. Petrikau (Russ.-Polen). Seit kurzem besteht hier ein zionistischer Jugend verein. Die Mitglieder sind zumeist Geschäftsleute und Handwerker. An der Spitze des Vereines, der auf die Pflege der hebräischen Sprache, der jüdischen Geschichte und Literatur besonderes Gewicht legt, stellen die Herren M. W e i ssko p f und A. Lewkowitscli. Vereinsnachrichten. Wien. Die jüdische Voreimgung „Jordania" hält Samstag, den 1. Juli <1. J., um S Uhr abends im Cafe Maendel, II., Praterstrasse 33, eine Plenarversammlung ab, zu welcher alle Mitglieder auf das dringendste eingeladen werden. Tagesordnung : 1. Neuwahlen des Ausschusses. 2. Unsere Stellenvermittlung. 3. Eventualia. Jacob Ser et h, derzeit Präses, Wilhelm Ep st ein, derzeit II. Schriftführer. Wien. Am Samstag 24. d. sprach Herr Dr. J. N. Weinstein im Locale der „Kadimah" über jüdische Geschichte. Der Redner bewies in seinem Vortrag, den er mit dem reichen Schatz seines Wissens anziehend zu gestalten wusste, die Echtheit der jüdischen Geschichte und den grossen Einfluss, den sie auf die Entwicklung der gesummten Menschheit genommen. Reicher Beifall war die Aeusserung des Dankes für den genussreichen Abend. Wygoda. Herr Sigmund Korn gut, Beamter bei Baron Popper, gründete unter nicht gar günstigen Verhältnissen vor kurzem in unserem Städtchen einen Wohlthätigkeitsverein zur Unterstützung Kranker unter dem Namen „Agudes Achim“. Herr Korn gut veranstaltete zu wiederholtenmalen Tanzkränzchen, deren Erträgnis er dem Baue eines neuen schönen Bethauses zuführte. Namentlich nimmt sich Herr Sigmund Korngut der armen verlassenen Waisenkinder mit ganz besonderer Theilnahme und väterlicher Fürsorge an. Er erfreut sich überhaupt wegen seines humanen Wirkens allgemeiner Hochachtung. Zeitschriftenrundschau. Im jüngsten Hefte der „North American Review" entwickelt Max Nordau seine Gedanken über die Judenfrage. Im Nachstehenden eine beiläufige Wiedergabe des Gedankenganges : An der Neige des neunzehnten Jahrhunderts — so beginnt der Aufsatz — begegnen wir .in jedem civilisierten Lande dem leidigen Judenproblem, das durch die eine oder andere Form des sogenannten Antisemitismus in die Erscheinung tritt. Die Feinde der Juden behaupten immer wieder, sie hassen das jüdische Volk bloss wegen der ihm in seiner Gesammtheit innewohnenden sittlichen Gebrechen, um es kurz zu fassen: wegen seiner moralischen Inferorität. Aber abgesehen davon, dass ein ausgedehntes statistisches Datenmaterial, durchwegs von Nichtjuden zusammen getragen, diesen Pauschalvorwurf gegen die jüdische Rasse als gänzlich ungerechtfertigt erscheinen lässt, könnten doch die angeborenen oder anerzogenen sittlichen Mängel der Juden höchstens den unterschiedlichen Clubs und geselligen Vereinigungen einen Grund abgeben, die Juden von ihrer Mitgliedschaft auszuschliessen. Was haben jedoch die vorgeblichen Fehler der jüdischen Rasse mit dem Vorenthalten der selbstverständlichsten Menschenrechte, mit den grausamen Verfolgungen und unerträglichen Bedrückungen zu schaffen, wie sie da und dort gegen die Angehörigen des jüdischen Volkes methodisch geübt werden? Die Judenhasser weisen ferner darauf hin, dass der Antisemitismus so alt sei, wie die jüdische Nation. Zugegeben. Aber was beweist das? Nichts anderes, als dass man an den Juden allezeit gemäkelt hat, wobei es vorkam, dass man ihnen — den Coursveränderungen der ethischen Werte entsprechend — heute dasjenige als clas besondere Stigma ihrer Rasse vorrückte, was man morgen als den ausschliesslichen Vorzug der nichtjüdischen Völkerschaften in Anspruch nahm, dessen Fehlen für die ethische Minderwertigkeit des jüdischen Stammes kennzeichnend sind. Das kleine Häuflein reicher Juden hat gut prophezeien, der Antisemitismus werde alsbald vorühergehen; die überwältigende Mehrzahl der Juden, die aus dürftigen Parias besteht, kann mit derartigen billigen Vertröstungen nichts au fangen. Aus dem Wirrsal des Hasses, der Bedrückung und Rechtsberaubung gibt es für die Juden nur eine n Ausweg: sie müssen sich irgendwo räumlich vereinigen und zu einer in sich geschlossenen, festgefügten Majorität werden. Die Leute, die das an streben und zu diesem Zwecke das jüdische Volk nach Palästina, der Heimat seiner Ahnen und dem Lande seiner Sehnsucht verpflanzen wollen, nennt man Z i. o n i s t e n. Andere Juden preisen ein ganz andersartiges Heilmittel gegen den Antisemitismus an. Sie predigen die Assimilation, die Anähn lichu.ng der Juden an ihre nichtjüdische Umgehung, die Ablegung der Besonderheiten in Sitten und Gebräuchen, die vollkommene Anschmiegung und Anpassung an die Wirtsvölker. DieseHeilmethodefübrt.wenn sie con s e q u e nt u n d o h n e H a I b h eite n angewandt wird, unfehlbar zum Ziele. Deutlicher gesprochen, ist die Tau fe zweifelsohne ein erfolgreiches Mittel zur Lösung der Judenfrage. Einzelne Apostel, der Assimilation haben dies denn auch klar erkannt und durch ihren Anschluss an eine der christlichen Kirchen die letzten Schlüsse ihres Systems gezogen. Eines aber scheinen die Herren nicht, in Anschlag zu bringen. Ich meine den Umstand, dass mit dem Uebertritte eines ver-