Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 26 (30.6.1899)
- Article
- Eine peinliche Scene antisemitischer Roheit
- Date
- 1899-06-30
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 26 „Die A Welt“ Seite 13 derartige Aufregung, dass sie mit Stöcken und Schirmen auf den Kutscher losschlugen. Ein Wachmann machte schliesslich der Scene ein Ende, indem er den Kutscher aufschrieb und ihn vor weiteren Misshandlungen in Schutz nahm. Das Blutmärchen von Damaskus wurde dieser Tage den Lesern des „Intransigeant“ in einem Leitartikel aufgetischt. Henri Rechefort unterzog sich eigenhändig der Mühe, den faden, schimmelbedeckten Kohl aufzuwärmen und seinen Gläubigen brühheiss vorzusetzen. Bekanntlich wurde die im Jahre 1840 von griechischen Mönchen in Damaskus gegen die dortigen Juden erhobene Beschuldigung eines Ritualmordes vor Gericht als böswillige Andichtung erkannt. Die wegen dieser Beschuldigung in Haft genommenen Juden wurden, allerdings erst nachdem sie entsetzliche Qualen und Martern erduldet hatten, wieder in Freiheit gesetzt. Lister über Haffkine. Bei dem Diner,, das die „Makkabäer“ dem aus Indien zurückgekehrten Forscher Dr. Haffkine zu Ehren gaben, pries der Begründer der antiseptischen Methode, Lord Lister, die Verdienste des jungen polnischen Juden, der sich als erfolgreichster Gegner dev Millionen Menschenleben fordernden indischen Fest bewährt habe. Die Expedition Haffkine s erfolgte im Aufträge und auf Kosten der englischen Regierung. Die Mission. Die Londoner Jew’s Society befindet sich in finanziellen Nöthen und sieht einem schweren Deficit entgegen. Die General Unkosten der Mission betrugen im vergangenen Jahre 38.4-39 Pfd. Stg.! Die Anzahl der Missionsstellen in England, Palästina und Persien wurde erheblich verstärkt. Die erreichten Erfolge stehen zu dieser Riesensimmie in keinem für die Mission erfreulichen Verhältnisse. Gemeint ist natürlich die c h r i s 11 i c h e Mission. Denn diese bekehrt immerhin; wenn auch nur sehr wenig Juden. Was von der jüdischen „Mission“ gottsei dank schon 1 an ge nicht mehr behauptet werden kann. Personalnachricht. Laut Erlass der niederösterreichischon Statthalterei wurde der alte Herr der „Kadimah“, Dr. Philipp Schwarz, zum Assistenten an der chirurgischen Abtheilung des k. k. Stephanie-Spital es ernannt. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der isr. Cultusgemeinde Wien vom 18. bis 24. Juni verzeichnet (»0 Geburten, 35 Trauungen, 30 Sterbefälle. Allerlei Nachrichten. In Petersburg hat sich ein Damencomitc gebildet, welches durch eine von der Regierung genehmigte Geldeollecte die Mittel zur Gründung eines Heimatshauses für jüdische Krankenpflegerinnen beschaffen will, die dort Ausbildung, Wohnung und Verpflegung erhalten sollen. Im Hinweis auf eine in Nummer 21 der „Welt“ veröffentlichte Notiz wird uns aus Jerusalem berichtet, dass in Jerusalem seit sieben Jahren Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Jakob Saul Eljaschar als Chacham Basch i fungiert. * Das seit Jahren vacant gewesene Rabbinat der Szolnoker israelitischen Cultusgemeinde ist wieder besetzt, indem sie in ihrer jüngsten Sitzung den seit einem Jahre provisorisch die Agenden eines Rabbiners versehenden Dr. Cornel Heves endgiltig zu ihrem Rabbiner gewählt hat. * Aus Hunfalu wird der „Ung. Wochensohr.“ geschrieben: „Allgemein betrauert wird in unserer Gegend das in Kesmärk am Freitag plötzlich erfolgte Ableben des Rabbiners aus Malzö (Säroser Comitat), der daselbst auf der Durchreise weilte. Die Bestattung seiner irdischen Hülle gieng auch in Kesmärk vor sich. An dem Grabe hielten mehrere Rabbiner Trauerreden, in denen sie das talmudische Wissen und die Frömmigkeit des Verblichenen schilderten. Auf Antrag der Herren Ignatz M o i h s oh i I d und Samuel Mü Iler wurde beim Leichenbegängnisse für die Unterbliebenen Waisen des armen Rabbiners eine Gollecte veranstaltet, die den Betrag von 100 fl. ergab.“ Prof. Hermann Cohn, der bekannte Forscher auf dem Gebiete der Augenheilkunde und Professor an der Universität Breslau, feierte in Breslau am 15. d. M. sein 25jähriges Professorats-Jubiläum. Cohn ist durch seine Arbeiten, die auf Untersuchungen der Augen von 10.000 Schulkindern gestützt sind zu einem der bedeutendsten deutschen Ophthalmologen geworden. Seine sonstigen Arbeiten bezogen sich hauptsächlich auf dir Schulhygiene, in erster Hinsicht auf die Pflege der Augen. Das in letzter Zeit hie und da verwirklichte Verlangen nach Schulärzten hat (lohn bereits 1880 ausgesprochen. Besonders auf dem Gebiete der Farbenblmdheit hat Cohn sehr bedeutende Forschungen angestel11. Kürzlich fand die solenne Lmweihnng des neuem jüdischen Gurspitals in K o 1 b e r g gleichzeitig mit dem 25jährigen Juhiläumsfeste der Anstalt statt. Der Ban, welcher auch eine schöne Synagoge für die zahlreichen, jährlich in dem bekannten Seebade weilenden Gurgäste hat, wurde hauptsächlich durch Berliner Wohlthäter ermöglicht. Er besitzt grosse, luftige Räumlichkeiten für circa 100 Kranke. * Jüngst wurde das neue Gebäude der „United- Hebrew-Charities“ in Now-Yovk, das vom Banquier Salomon Löh mit einem Kostenaufwand?, von 150.000 Doll, erbaut worden, eingeweiht. Ansprachen hielten der Sohn des Gebers, der Professor an der Columbia-Universität ist, sowie der New-Yorker Vice - Bürgermeister Ranriol ph Guggenheime r. Der deutsche Buchhandel scheint jetzt in der Thal gänzlich „verjudet“ zu sein. Eine aus L e i p z i g stammende Nachricht meldet, dass zum ersten Vorsitzenden der von den vereinigten deutschen Verleger vereinen begründeten Kammer der Karlsruher Buchhändler Konsul B i e I e f e 1 d gewählt wurde. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Budapest. (A n t i s e m i t i s m u s i m u n g a r i s c h o n L a ndes-Casin o). Die „Ung. Wochenschrift“ erzählt: Der Director des Landes-Casinos, Baron Bela A t z e 1, empfahl den Reiehstagsabgeordneten Arthur Egyedi, der nebenbei Grossindustrieller und Rennstallbesitzer ist, trüber Stern hiess und für sein bischen Judenthum wirklich nichts kann, zur Aufnahme als Casinomitglied. In der Ausschusssitzung aber, in welcher die Wahl stattfand, stimmten 8 für, 12 gegen die Aufnahme, womit diese als abgelehnt erschien, da die Statuten für die Aufnahme neuer Mitglieder eine Zweidrittel-Majorität fordern. Egyedi wäre das erste jüdische Mitglied des Casinos gewesen; aber, „es hat nicht sollen sein.“ Deutschland. Köln, 22. Juni. Das „Köln. Gemeindeblatt“ berichtet: Montag den 19. Juni fand eine ziemlich lebhafte Discussion in der Mitglieder-Versammlung der Kölner Ortsgruppe der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. Herr E. Wolff hielt einen Vortrag über die kürzlich in der „Oesterreichischen Wochenschrift“ gegen die Zionistische Parteileitung erschienenen Schmähartikel, in denen ein angeblicher Zionist die ganze moderne zionistische Bewegung lächerlich zu machen sucht. Der Referent betonte, dass ein